Linken-Ratsfrau fordert weitere Maßnahmen gegen Corona-Infektionen

Kritik an Geestland: Firma reagiert am Abend

Geestland in Wildeshausen: Der Putenschlachter gerät wegen hoher Coronazahlen bei den Mitarbeitern in die Kritik der Politik.
+
Geestland in Wildeshausen: Der Putenschlachter gerät wegen hoher Coronazahlen bei den Mitarbeitern in die Kritik der Politik.

Wildeshausen – Die Wildeshauser Ratsfrau Kreszentia Flauger („Die Linke“) fordert in einer Pressemitteilung am Sonntag, dass die Firma Geestland in der Pandemie mehr Verantwortung übernimmt. Das Unternehmen reagierte am Sonntag auf Nachfrage unserer Redaktion. Hier der ausführliche Text:

„Die Zahlen der Kreisverwaltung vom 15. April zeigen, dass rund ein Fünftel der Coronafälle im Landkreis Oldenburg diesem einen Unternehmen zuzuordnen sind. Da erwarte ich, dass Geestland nicht vermittelt, genug zu tun, sondern sich mit aller Kraft über Rechtsvorschriften hinaus engagiert“, kritisierte Flauger in ihrer Pressemitteilung.

Die Ratsfrau monierte unter anderem, dass erst der Landkreis eingreifen musste, um zu unterbinden, dass Geestland-Mitarbeiter in überfüllten Bussen ohne Masken transportiert wurden. Weiterhin sieht Flauger es als nicht begründet an, dass die Bescheinigungen zur Befreiung von der Ausgangssperre für die Geestland-Mitarbeiter rund um die Uhr gelten. Ihr liegt ein derartiges Formular vor.

Geschäftsführer weist Vorwürfe zurück

Am Sonntagabend reagierte Geestland-Geschäftsführer Norbert Deeken sehr ausführlich gegenüber unserer Zeitung auf die Vorwürfe. „Fakt ist, dass wir im Sinne des Infektionsschutzes und zum bestmöglichen Schutz aller Beschäftigten bereits zum Beginn der Corona-Pandemie ein umfassendes Hygienekonzept umgesetzt haben“, schreibt er. „Die erforderlichen Hygienemaßnahmen haben wir nach den Vorgaben des Robert Koch-Instituts vollumfänglich umgesetzt und erfüllen diese sogar über. Nach Aussagen der zuständigen Behörden haben wir ein schlüssiges Hygienekonzept entwickelt und setzen die Regeln nach Absprache und unter Aufsicht der Behörden vor Ort sehr gut um.“

Deeken verweist darauf, dass die nun wieder steigenden Infektionszahlen bei Geestland mit den insgesamt regional und national stark steigenden Zahlen korrelierten. „Um unsere Mitarbeiter vor diesem Hintergrund bestmöglich zu schützen, haben wir die bislang wöchentlichen Reihentestungen bereits vor Wochen in eine tägliche PCR-Testung aller Mitarbeiter ausgeweitet“, ergänzt Deeken. Die von Geestland zur Verfügung gestellten Busse würden maximal zur Hälfte besetzt, um die Sicherheitsabstände einzuhalten. Alle Mitarbeiter würden mit FFP2-Masken ausgestattet und erhielten eine Bescheinigung, dass sie bei einem systemrelevanten Betrieb arbeiten. „Auf diesem Schreiben ist keine Befreiung von der Ausgangssperre vermerkt. Es bezieht sich ausschließlich auf den Weg zur Arbeit oder wieder nach Hause“, so Deeken.

Flauger: Firma kümmert sich nicht genug um Mitarbeiter

Flauger kritisiert zudem: „Das Unternehmen macht es sich zu einfach, wenn es zu den vielen privat angemieteten Wohnungen nur sagt, es könne diese nicht kontrollieren: Warum kümmert sich die Firma Geestland nicht darum, dass Menschen, die sie herholt, auch gut untergebracht sind?“

„Flauger ignoriert hier die gelten Rechtsvorschriften“, entgegnet Deeken. „Es ist jedem Arbeitgeber verboten, privat angemietete Wohnungen der Mitarbeiter zu kontrollieren. Anderes gilt für die in unserem Auftrag angemieteten Wohnungen, in denen maximal zwei Personen pro Zimmer wohnen dürfen. Diese werden regelmäßig von einem unabhängigen Institut kontrolliert.“

Beide einmal gleicher Meinung

Ausnahmsweise einig sind sich Flauger und Deeken bei der Hoffnung in das neue Wohnraumschutzgesetz, mit dem die Stadt Kontroll- und Eingriffsmöglichkeiten bei überbelegten Wohnungen und Wohnungen in nicht bewohnbarem Zustand bekommen hat: „Die Stadt muss diese Möglichkeit nutzen und Kontrollen durchführen, sie wird für Hinweise sicher dankbar sein. Und die Wildeshauser Vermieter, die aus solchen Verhältnissen Profit schlagen, schaffen besser schnell Abhilfe, sonst kann es teuer werden“, schreibt Flauger. Deeken stimmt ihr zu: „Diese Kontrollmaßnahmen der Stadt begrüßen wir ausdrücklich und haben sie im Übrigen auch schon im vergangenen Jahr mehrfach öffentlich gefordert.“

Die Ratsfrau kritisiert weiter, dass immer noch zu viele Menschen die Infektionsschutzvorschriften nicht ernst genug nehmen. Gruppenbildung, Grillparties und andere Treffen – übrigens auch deutscher Mitbürger – fänden viel zu oft statt. Sie fordert: „Hier müssen alle nach ihren Möglichkeiten Überzeugungsarbeit leisten. Geestland muss intensive Gespräche mit allen Angestellten führen und die Menschen überzeugen, dass die Einhaltung der Vorschriften sehr wichtig ist.“

Deeken: „Wir informieren alle Mitarbeiter“

„Wir informieren regelmäßig alle Mitarbeiter in der jeweiligen Muttersprache mündlich wie schriftlich auf die Einhaltung aller Infektionsvorschriften“, entgegnet Deeken. „Insgesamt ist festzuhalten, dass wir es zudem begrüßen würden, wenn die Stadt uns ein Grundstück zur Verfügung stellen würde, auf dem wir die Möglichkeit hätten, weiter Mitarbeiterwohnungen zu bauen.“

Über die jüngsten Äußerungen der Mittelstandsvereinigung (MIT) Wildeshausen zur Pandemie (wir berichteten) zeigt sich Flauger irritiert: „Die MIT beklagt, der Landrat lege die Vorschriften zu eng aus statt mehr zu öffnen, sie fordert auch mehr Kontrollen – das ist alles legitim. Zeitgleich nimmt sie aber kritiklos hin, dass das MIT-Mitglied Geestland Haupt-Pandemietreiber im Landkreis ist und die Schließungen also maßgeblich mit verursacht. Das passt für mich nicht zusammen und ich frage mich, was die MIT tut, damit alle ihre Mitglieder gemeinsam und aktiv die Pandemieausbreitung bekämpfen.“

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Massive Raketenangriffe: Israel antwortet mit Luftschlag

Massive Raketenangriffe: Israel antwortet mit Luftschlag

Die beliebtesten Kuchenklassiker und Tortenträume

Die beliebtesten Kuchenklassiker und Tortenträume

Bayern feiern Titel mit Gala - Lewandowski-Tore 37, 38, 39

Bayern feiern Titel mit Gala - Lewandowski-Tore 37, 38, 39

Bill und Melinda Gates lassen sich scheiden

Bill und Melinda Gates lassen sich scheiden

Meistgelesene Artikel

Versenktes Diebesgut: Taucher finden Tresor im Zwischenahner Meer

Versenktes Diebesgut: Taucher finden Tresor im Zwischenahner Meer

Versenktes Diebesgut: Taucher finden Tresor im Zwischenahner Meer
176 Menschen im Landkreis mit Corona infiziert

176 Menschen im Landkreis mit Corona infiziert

176 Menschen im Landkreis mit Corona infiziert
Geldstrafe und Gebissreparatur zu zahlen

Geldstrafe und Gebissreparatur zu zahlen

Geldstrafe und Gebissreparatur zu zahlen
Update am Samstag: Corona-Inzidenzwert sinkt erneut

Update am Samstag: Corona-Inzidenzwert sinkt erneut

Update am Samstag: Corona-Inzidenzwert sinkt erneut

Kommentare