Vorwurf der Schlägerei aber entkräftet

Drohung gegen Moschee bringt Vater in Rage

Symbolbild: dpa

Wildeshausen - Die Vorwürfe klangen dramatisch. Laut Anklage der Staatsanwaltschaft sollen vier Mitglieder einer Wildeshauser Familie, die zusammen mit einem Verein eine Moschee baut, einen anderen Wildeshauser am 6. September gemeinschaftlich mit Fäusten und Tritten traktiert haben, dass dieser zu Boden ging. Dort sollen sie ihn weiter getreten haben.

Am Ende der Verhandlung vor dem Amtsgericht in Wildeshausen gab es jedoch einen Freispruch für alle sowie begründete Zweifel an der Aussage des vermeintlichen Opfers und der Zeugen. Zudem leitet der Staatsanwalt ein Verfahren wegen uneidlicher Falschaussage gegen einen der Zeugen ein. Dieser hatte behauptet, dass es keine Absprachen gegeben habe. Es kam jedoch heraus, dass unter den Zeugen so oft über den Fall gesprochen wurde, dass einige schon keine Lust mehr dazu gehabt hatten.

Laut Aussage des angeklagten 48-jährigen Familienvaters war er damals mit seinem 26-jährigen Sohn zu dem 39-Jährigen gegangen, der offenbar eine andere Glaubensrichtung vertritt. Ihm war aus verlässlicher Quelle zu Ohren gekommen, dass der Wildeshauser gedroht habe, die neue Moschee in Brand zu setzen, wenn die Familie im Inneren sei.

„Ich wollte wissen, ob er das so gesagt hat“, so der Angeklagte, der den 39-Jährigen wohl in einer Gruppe im Garten eines Bekannten antraf. Man habe sich angeschrien und an den Kragen gepackt, ohne eine Klärung der Vorwürfe zu erreichen. Dann aber, so der Vater, sei der vom Sohn benachrichtigte Neffe gekommen und habe sie gewaltlos getrennt. „Es hat keine Schläge gegeben“, beteuerten die drei Angeklagten, die dabei waren – einer von kam erst danach und fragte sich ohnehin, warum er belangt werden sollte. Später sei es sogar noch zu einer Entschuldigung auf dem Grundstück des Bekannten gekommen, wobei der Widersacher nicht mehr da gewesen sei.

Das mutmaßliche Opfer erinnerte sich an die Vorfälle ganz anders – aber widersprüchlich. Er habe gar nicht gewusst, welche „schlechten Sachen“ er über die Familie verbreitet haben soll, sagte er. Seine Gegner hätten sofort mit Fäusten und flachen Händen zugeschlagen, er sei zudem getreten worden. Es war die Rede von kurzer Bewusstlosigkeit. Dann aber hatte es wohl doch nicht so geschmerzt, und es war nicht mehr klar, wer genau geschlagen haben sollte. „Sehr verworren und nicht aufzuklären“ sei das, so der Staatsanwalt, der für Freispruch nach dem Motto „im Zweifel für den Angeklagten“ plädierte. Die Richterin erkannte in den folgenden Zeugenaussagen sogar klare Absprachen, die der letzte Zeuge auch bestätigt habe. „Gab es da ein Schauspiel?“, fragte sie in den Raum, denn als der 39-Jährige Anzeige erstattet habe, seien bei ihm keine Blessuren erkennbar gewesen. Eine schwere Körperverletzung sei also ebenso wie eine einfache Tat auszuschließen. Dennoch ermahnte die Richterin die Freigesprochenen, dass nun Frieden herrschen solle und man sich besser aus dem Wege gehe. - dr

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