Menge zu hoch: Schöffengericht am Zuge

Drogenhandel bringt jungen Mann in Nöte

Wildeshausen - Das hatte sich ein 20-jähriger Wildeshauser vor eineinhalb Jahren ganz anders gedacht: Er wollte mit dem Verkauf von Marihuana „Geld machen“ und deckte sich mit der Droge ein. Zweimal wurde er jedoch von der Polizei erwischt.

Und zu einer relativ milden Verurteilung vor dem Jugendgericht kam es jetzt für den Heranwachsenden auch nicht, weil sich herausstellte, dass er mit größeren Mengen gehandelt hatte, als angenommen – und vielleicht sogar Minderjährige mit den Drogen versorgt hatte. Da das Delikt nach Aussage der Jugendrichterin dadurch in den Bereich des Verbrechens rückte, ist demnächst das Jugendschöffengericht gefordert. Der 20-Jährige benötigt zudem nun die Unterstützung eines Verteidigers.

Die Anklage der Staatsanwaltschaft handelte davon, dass der junge Mann in der Zeit vom 3. März bis zum 4. April 2016 in Bremen 50 Gramm Marihuana für 410 Euro erworben und die Drogen an mindestens zwei Personen verkauft oder verschenkt hatte.

Das räumte der Heranwachsende unumwunden ein und sprach von einem „Riesenfehler“. Im Zuge der Anhörung wurde jedoch deutlich, dass der Wildeshauser im vergangenen Frühjahr mindestens 100 Gramm Marihuana für 600 Euro in Bremen gekauft hatte. Seinen Angaben zufolge hatte er bereits 20 Gramm verkauft, 30 Gramm versteckt und war von der Polizei mit 50 Gramm erwischt worden. Bei einer Zimmerdurchsuchung fand die Polizei nichts. Ein Eigengebrauch der Droge konnte auch nicht nachgewiesen werden.

Verfahren zunächst beendet

Im Gericht gestand der 20-Jährige dann unaufgefordert, dass er die 30 Gramm vor wenigen Monaten aus dem Versteck geholt hatte, um den Stoff zu verschenken oder zu verkaufen. Dabei sei er noch einmal von der Polizei erwischt worden.

Angesichts der Tatsache, dass der junge Mann wohl in der Vergangenheit oft nur häppchenweise Informationen herausgerückt hatte, zeigte sich die Richterin jetzt skeptisch. Denn zwei umfangreiche Aktenordner mit dem Chatverlauf des Wildeshausers ließen erahnen, dass er früher schon mit Drogen gehandelt haben könnte. „Nein, ich habe nichts verkauft. Ich habe nur von Freunden etwas weitergegeben“, beteuerte der Heranwachsende. Zudem habe er viel Geld an Bekannte verliehen und mit Zinsen zurückerhalten, weshalb man sich per WhatsApp über höhere Summen unterhalten habe.

Eine eindeutige Klärung gab es im Gerichtssaal nicht mehr, denn sowohl die Richterin als auch der Staatsanwalt konnten nicht ausschließen, dass nun eine höhere Strafe droht als angenommen. Deshalb wurde das Verfahren zunächst beendet. 

dr

Rubriklistenbild: © Symbolfoto: dpa

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