„Glaner Frauen“ halten stets zusammen 

Dort, wo die Nachbarschaft noch bestens funktioniert

Sie halten stets zusammen – eine gute Nachbarschaft ist ihnen überaus wichtig: Frauke Johannes, Waltraud Siemer, Inga Schnitger und Christiane Behrens (von links). - Foto: Kümmel

Wildeshausen - Von Gerda Kümmel. „Kein Mensch ist so reich, dass er nicht seinen Nachbarn braucht.“ Dieser Spruch fällt einer Beobachterin aus der Stadt ein, wenn sie die vier Nachbarinnen in Glane kennt. Denn in Städten geht es dagegen oft anonymer zu.

Und weil es so praktisch ist, sich schnell über WhatsApp zu informieren, haben die Frauen die Gruppe „Glaner Frauen“ gegründet. Sie sind keine Freundinnen, sondern wohltuend gute Nachbarinnen. Sie sehen sich regelmäßig, aber nie ohne Grund. Jede Einzelne hat ihre sozialen Netzwerke, ihre Familien und Freunde wie viele in Wildeshausen.

Aber der Nachbarschaftsgedanke ist die Besonderheit der „Glaner Frauen“. Immer wenn große Ereignisse bevorstehen, gibt es telefonische oder auch schriftliche Einladungen. Ob Silberhochzeit, ein runder Geburtstag, Taufe, Konfirmation oder Trauerfälle. Dann sind nicht nur die Frauen, sondern auch deren Männer und Kinder, Großmütter und Großväter mit eingeladen. Ob die Kinder 25 oder zehn Jahre alt sind, es spielt keine Rolle. Die Absprache über das Mitbringen von Speisen ist selbstverständlich. Und dann wird richtig tüchtig gefeiert.

Aber die Besonderheit sind die nachträglichen Geburtstagsfrühstücke der Frauen. Der Tisch ist liebevoll gedeckt, und es gibt reichlich zu essen und zu trinken. Und der jeweilige Ehemann eines Geburtstagskindes darf mitfrühstücken. Es wird geplaudert – vom Höckchen zum Stöckchen. Über die Kinder, die Familien und viele andere Neuigkeiten. „Der Humor kommt nie zu kurz“, weiß Frauke Johannes, und die Frauen sehen sich lachend an. „Nie!“, rufen Waltraud Siemer und Inga Schnitger wie aus einem Munde.

Mit viel Sachkenntnis diskutieren sie über die gemeinsamen Interessen, denn es sind Landfrauen, die mit ihren Ehemännern Höfe mit Schweinemastanlagen betreiben. So wird auch schon mal über Preise in der Schweinemast gesprochen. Braucht man Hilfe, wird kurz telefoniert, und schon steht der Nachbar, die Nachbarin oder eines der größeren Kinder vor der Tür – ohne viel Wenn und Aber. Aber auch Fürsorge wird groß geschrieben: Ist der Hund oder die Katze entlaufen, wird sofort Bescheid gesagt. Christiane Behrends spricht ihren Nachbarinnen aus dem Herzen als sie sagt: „Ein kleine aber feine Nachbarschaft, die weiß, wann sie zusammenhalten und sich unterstützen muss.“

Aber sie sind nicht nur Landfrauen, die ihren Männern zur Seite stehen. Sie sind modern und sportlich, mit eigenen Berufen, weltoffen und viel gereist. Neugierig auf fremde Länder und fremde Kulturen. Offen aber auch, wenn eine neue Nachbarin im angrenzenden Haus einzieht. Ohne viel zu fragen, wird sie eingeladen und nimmt teil am ländlichen Geschehen. Mitsamt den anhängenden Festen und natürlich dem Frauenfrühstück.

Und die fünfte Frau? Die kommt aus der Stadt und ist sehr berührt von dieser so gut funktionierenden Nachbarschaft. Doch es gibt viele dieser Gemeinschaften hier. Von Dorf zu Dorf kennt frau sich und weiß von den besonderen Fähigkeiten, die Nachbarinnen haben. Wer will da schon zurück in die Großstadt?

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