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Dorfgemeinschaft Düngstrup bestürzt über Entscheidung zu Erweiterung der Biogasanlage

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Von: Dierk Rohdenburg

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Gespräch mit Anwohnern: Im April erläuterte Jörn Ahlers sein Projekt in Düngstrup.
Gespräch mit Anwohnern: Im April erläuterte Jörn Ahlers sein Projekt in Düngstrup. © Ahlers

Wildeshausen – Der Vorstand des Vereins „Düngstruper Dorphus“ ist entsetzt über die Entscheidung des Wildeshauser Verwaltungsausschusses, ein Bauleitplanverfahren zur Erweiterung der Biogasanlage Ahlers in Düngstrup einzuleiten.

„Mit großer Bestürzung haben die Bewohner des Dorfes Düngstrup aus der Presse erfahren müssen, dass im nicht öffentlichen Ausschuss eine grundlegende Entscheidung über Düngstrup getroffen wurde. Und das entgegen der mehrheitlichen Empfehlungen des Bauausschusses“, stellte die Vorsitzende des Vereins, Dorina Pieper, in der Einwohnerfragestunde des Stadtentwicklungsausschusses am Donnerstagabend fest. Sie wolle nun wissen, welche offenen Fragen nach der Ablehnung im Bauausschuss geklärt worden seien, sodass es zu einem plötzlichen Sinneswandel kam. Zudem frage sie sich, warum dieses Vorhaben mit hohem öffentlichen Interesse nicht auch öffentlich behandelt worden sei.

Von den Fraktionen gab es in der Sitzung zunächst keine Antwort. Bürgermeister Jens Kuraschinski verwies darauf, dass die Beratungen und die letztendliche Entscheidung über einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan öffentlich erfolgen.

Artikel vom 23. September: Der Verwaltungsausschuss der Stadt Wildeshausen hat am Donnerstagabend die Aufstellung der Flächennutzungsplanänderung und des vorhabenbezogenen Bebauungsplanes zur „Erweiterung der Biogasanlage Düngstrup“ beschlossen.

Damit entschied das nicht öffentlich tagende Gremium anders als der Bauausschuss, der in öffentlicher Sitzung mit großer Mehrheit gegen die Stimme der CDW eine Erweiterung des Betriebes von Jörn Ahlers abgelehnt hatte.

Dem Vernehmen nach fiel die Entscheidung denkbar knapp mit einer Stimme Mehrheit und öffnet dem Investor nun die Möglichkeit, seine Pläne voranzutreiben. Nach der negativen Empfehlung des Bauausschusses hatte Ahlers noch angekündigt, seine Anlage zu verkaufen und den Betriebssitz zu verlegen, wenn er keine Entwicklungsmöglichkeiten in Düngstrup erhält.

Im Anschluss an die Sitzung hatte es eine Auseinandersetzung darüber gegeben, ob der zusätzliche Verkehr, der durch die Biomethananlage entsteht, das Dorf über Gebühr belastet. Eine eingehende Prüfung ist nun Teil des Bauleitplanverfahrens, denn dieses wurde jetzt formal angeschoben. In den weiteren Verfahrensschritten muss nun die Verträglichkeit des Vorhabens geprüft werden. Außerdem haben Bürger sowie Träger öffentlicher Belange die Gelegenheit zur Stellungnahme.

Die positive Entscheidung des Verwaltungsausschusses wird vom landwirtschaftlichen Familienbetrieb Jörn Ahlers begrüßt. Nach der Ablehnung im Bauausschuss seien inzwischen viele Fragen zum Projekt geklärt worden. „Es bedarf in der heutigen Zeit mutiger Entscheidungen in der Politik, die helfen unsere Zukunftsziele Energiesicherheit und CO2-Reduktion zu lösen. Die Parteien in unserer Stadt sind über eine hohe Hürde gesprungen und ich nehme dieses Vertrauen, aber auch die kritischen Stimmen sehr ernst“, so Ahlers.

Artikel vom 19. September: Die Mittelstandsvereinigung Wildeshausen (MIT) setzt sich für eine öffentliche Diskussion über die geplante Erweiterung der Biogasanlage in Düngstrup ein.

In einer Mitteilung von Mittwoch heißt es: Aus der Presse mussten wir entnehmen, dass dieses wichtige, zugegeben nicht unumstrittene Projekt, in den Ausschüssen einfach abgebügelt wurde. Es stehen Anschuldigungen im Raum, dass die Mitglieder dieser Ausschüsse es versäumt haben, sich ausreichend und fair mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Sollte das zutreffen, so ist dies aus unserer Sicht nicht hinnehmbar. Wir sehen die Politik klar in der Pflicht, solche Projekte, wie die Erweiterung einer Biogasanlage, nicht einfach im Vorbeigehen abzulehnen.

„Wir fordern eine sachliche Auseinandersetzung mit dem Thema, gefolgt von einer repräsentativen, demokratischen Entscheidung im Rat, bei einer solch wichtigen wirtschaftlichen Frage“, so der MIT-Vorsitzende Ingo Hermes. „Hinzu kommt die Frage: Wie wertschätzend wollen wir mit Investoren zukünftig umgehen? Hier ist ein enger, und fairer Dialog mit den Investoren unumgänglich. Es wäre tragisch, wenn erneut ein großer Steuerzahler die Stadt verlässt.“

Gibt es noch eine Chance für Jörn Ahlers, Geschäftsführer der gleichnamigen Biogas-Gesellschaft in Düngstrup, die beantragte Erweiterung seines Betriebes genehmigt zu bekommen, um dort Biomethan zu produzieren? Er wehrt sich gegen Kritik an dem Projekt.

Update vom 20. September: Die CDW-Fraktion übt massive Kritik am Verhalten der anderen Ratsfraktionen. Sie hätten sich nicht um die Fakten gekümmert.

Wie berichtet, hat der Bauausschuss der Stadt Wildeshausen am Donnerstag – gegen die Stimme der CDW – die Aufstellung des vorhabenbezogenen Bebauungsplanes abgelehnt. Die endgültige Entscheidung über das geplante Vorhaben fällt jedoch in der nicht öffentlichen Verwaltungsausschusssitzung am Donnerstag, 22. September, – es sei denn, dass dort die Beschlussfassung auf den Rat am 13. Oktober übertragen wird.

Ahlers hatte in einer ersten Reaktion auf die Ablehnung angekündigt, seinen Betrieb in Düngstrup zu schließen, weil ab 2026 die Regelung des Erneuerbare Energien-Gesetz ausläuft, die seine wirtschaftliche Grundlage bedeutet. Nun aber hat der Investor am Wochenende noch einmal alle Ratsmitglieder angeschrieben, um für sein Projekt zu werben. „Es wurden im Bauausschuss Einwände berücksichtigt, die einer neutralen Bewertung nicht standhalten“, heißt es in dem Schreiben, in dem Ahlers erläutert, dass die Umstellung der Biogasanlage auf Wirtschaftsdünger den Anbau von Mais reduziert. „Die Einsparung von 30.000 Tonnen CO2 und Erzeugung von rund 38 Millionen Kilowattstunden Gas für die Versorgung von bis zu 7.000 Haushalten sollten Grund genug sein, das Projekt zu unterstützen“, führt er aus.

Kritisierte Strecke nicht für den Schwerlastverkehr vorgesehen

Ahlers setzt sich mit den Kritikpunkten im Einzelnen auseinander. Das Argument, die Düngstruper Straße sei nicht geeignet für den Lastwagen-Begegnungsverkehr, sei nicht stichhaltig, da die Strecke gar nicht für die Ver- und Entsorgung vorgesehen sei, betont er. Der Investor macht deutlich, dass die zusätzliche Verkehrsbelastung durch Laster in Düngstrup relativ klein ist. Zwar erhöhe sich die Zahl von 14 auf 40 täglich. Da gemäß Gutachten aber im gleichen Zeitraum bis zu 850 Fahrzeuge durch das Dorf fahren, erhöhe sich die Belastung lediglich um 2,8 Prozent. „Eine Sperrung des Dorfs für den Laster-Durchgangsverkehr könnte die Mehrbelastung mehr als ausgleichen“, so Ahlers. Es sei zudem eine alternative Zuwegung denkbar, wenn die Grundstückseigentümer damit einverstanden wären. Gemäß Gutachten sei auch mit keiner nennenswerten Beanspruchung der Fahrbahn zu rechnen. Im Falle einer Straßensanierung, die durch die Anwohner zu zahlen sei, so Ahlers, würde er sich an den Kosten beteiligen. Ergänzend sei es möglich, den Schwerlastverkehr um 16 Fahrten täglich zu reduzieren, wenn das Kaliwasser auf Kosten des Investors über die Kläranlage Wildeshausen gereinigt würde.

Gutachten: Keine Gefährdung für Radfahrer

Eine Gefährdung von Radfahrern wird durch das Gutachten nicht gesehen, betont der Investor zur Kritik im Bauausschuss. Dort wurde auch moniert, dass die Gemeindestraße zur geplanten Biogasanlage mit 4,70 Meter nicht breit genug und nicht beleuchtet ist. Somit könnten Radfahrer nicht mit dem Auto überholt werden. Laut Ahlers ist dort nur mit Freizeitradverkehr zu rechnen. Er sei bereit, eine Haltebucht zu finanzieren, um den Bereich zu entschärfen.

Auf den Vorwurf, dass die Anlage zu hoch und überdimensioniert sei, antwortet Ahlers: „Die geplante Erweiterung ist in die Baulücken zwischen den Behältern der bestehenden Anlage geplant. Die Bauhöhe der beiden Fermenter mit 21 Metern dürfte im Verhältnis zu den in unmittelbarer Nähe stehenden Windrädern keine Rolle spielen.“ Ahlers begegnet auch der Kritik, dass seine Anlage nicht in die dörfliche Struktur passt. „Vor 15 Jahren wurde uns seitens der Stadt der Kauf von Flächen im Gewerbegebiet Düngstruper Straße zum Bau einer Biogasanlage verwehrt. Daher kommt der jetzige Standort“, erläutert er. „Bei dem Projekt handelt es sich um eine Erweiterung, die die vorhandenen Gebäude ergänzt. Zudem sorgt der aktuelle Standort für eine Reduzierung der Gülletransporte um ein Viertel, da 20.000 Kubikmeter direkt aus den umliegenden Ställen über Rohrleitungen zugeführt werden.  

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