Dötlinger ärgert sich über die „wenig bürgerfreundliche“ Kfz-Zulassungsstelle

Wunschkennzeichen zum Wegschmeißen

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Vergeblicher Aufwand: Norbert Reimers mit dem Wunschkennzeichen, dass von der Zulassungsstelle nicht akzeptiert wird.

Landkreis/Dötlingen - Von Karsten Tenbrink. Norbert Reimers fühlt sich von der Kreisverwaltung verschaukelt. Der Dötlinger wollte sein neues Wohnmobil zulassen, hat sich sein Wunschkennzeichen online reserviert, die Nummernschilder im Internet bestellt – und kann diese nun wohl wegschmeißen. Die Kfz-Zulassungsstelle in Wildeshausen akzeptiert seine Saisonkennzeichen nicht.

„OL – T 1237“ sollte auf seinem Wohnmobil stehen. Dieselbe Zahlenkombination wie beim Kennzeichen an seinem Auto. Anfang Juni nutzte Reimers deshalb die Möglichkeit auf der Internetseite des Landkreises, sich sein „Wunschkennzeichen“ zu reservieren. Das funktioniert eigentlich nur, wenn die gewählte Kombination aus Buchstaben und Zahlen nicht bereits vergeben ist und bestimmten Vorgaben entspricht. Und das war laut Reimers bei ihm der Fall: „Auf der Webseite erschienen keine Einschränkungen und Hinweise.“ Seine Eingabe sei vom System akzeptiert worden, daraufhin habe er bei einem Internetanbieter den Druck der Nummernschilder in Auftrag gegeben und bezahlt.

Nachdem die Schilder geliefert wurden, fuhr Reimers am vergangenen Freitag für die Zulassung nach Wildeshausen ins Kreishaus. Allerdings vergebens. Der Grund: Der Zusatz, der bei Saisonkennzeichen deren Gültigkeitsdauer angibt, machte eine Ausführung des Kennzeichens in Engschrift erforderlich. Buchstaben und Ziffern sind dabei schmaler. Genau das jedoch akzeptiert der Landkreis Oldenburg nicht. Daher begrenzt er bei Saisonkennzeichen die Zahl der Stellen hinter dem „OL“ – und Siemers Wunschkombination hat eine zu viel.

„Der Landkreis hat auf eine Bestimmung in der Zulassungsverordnung verwiesen und ich bin dann erst einmal nach Hause gefahren und habe mich informiert“, berichtet Reimers. Auch bei dem Unternehmen, das seine Kennzeichen bedruckt hatte, fragte er nach. „Der ist aus allen Wolken gefallen, als ich ihm das erzählt habe“, berichtet der Dötlinger, „er meinte, das hätte er in seinen 50 Berufsjahren noch nie erlebt.“

Unterschiedliche Ansichten

Nachdem er sich mit der entsprechenden Verordnung auseinandergesetzt hat, ist Siemers außerdem überzeugt, dass sich sein Wunschkennzeichen durchaus mit allen Vorgaben vereinbaren lässt. Darin heißt es: „Mehr als acht Stellen (Buchstaben und Ziffern) auf einem Kennzeichen sind unzulässig.“ Diese Bestimmung wird bei Reimers‘ Wunschkombination eingehalten. Weiter heißt es, dass die Verwendung von Engschrift nur erlaubt ist, falls die „vorgeschriebene oder die vom Hersteller vorgesehene Anbringstelle für Kennzeichen“ die normale Schriftbreite nicht zulässt. Und genau hier scheiden sich nun die Geister: Reimers macht geltend, dass seine Wunschkombination sich nicht anders verwirklichen lässt. Für den Landkreis hingegen bedeutet dieses Bestimmung, dass Halter gegebenenfalls auf eine Ziffer verzichten müssen. „Wir weisen auch auf unserer Internetseite darauf hin, dass bei Saisonkennzeichen maximal vier Stellen hinter dem ‚OL‘ stehen können“, erklärt die stellvertretende Leiterin des Straßenverkehrsamtes im Landkreis, Heike Lüning. Das ergebe sich aus den Vorgaben zu Abmessungen und Abständen der Buchstaben und Ziffern. Die Verwendung von Engschrift sei „nur im begründeten Ausnahmefällen“ vorgesehen – und ein solcher läge bei einem reinen Problem mit dem Wunschkennzeichen nicht vor.

Reimers findet diese Haltung „wenig bürgerfreundlich“. Zumal andere Zulassungsstellen bei dieser Frage offenbar nicht so rigide sind: „In sämtlichen Nachbarlandkreisen sind Fahrzeuge mit Kennzeichen zugelassen, die aus acht Stellen bestehen und deshalb in Engschrift bedruckt sind“, sagt der 58-Jährige. Auf entsprechende Beispiele habe er zuletzt geachtet und zahlreiche gefunden. Mehr noch: „Nach Recherche im Internet ist dies gängige Praxis in fast allen Landkreisen in Deutschland“, sagt der Dötlinger. Auf das Vorgehen anderer Zulassungsstellen angesprochen, erklärt Lüning: „Damit beschäftigen wir uns nicht.“

Besonders ärgert Reimers, dass eine Online-Reservierung seines Wunschkennzeichens trotz dieser angeblich doch so strikten Einschränkungen möglich war und er daraufhin Geld für die Anfertigung der Schilder ausgegeben hat. Das sei in der Tat nicht vorgesehen, sagt Lüning. Und bei einem daraufhin vorgenommenen Test habe das Programm auch korrekt reagiert und keine Reservierung zugelassen. Reimers jedoch bekräftigt: „Ich habe es am Sonntag noch einmal mit einem anderen Buchstaben probiert – das ging ebenfalls.“

Probe aufs Exempel: Gestern ließen sich keine Wunschkennzeichen mit einem Buchstaben und vier Zahlen – wie das von Reimers – auf der Internetseite reservieren. Hat die Kreisverwaltung aufgrund des Konflikts vielleicht in der Zwischenzeit nachjustiert?

Ein simpler Softwarefehler?

„Nein“, sagt die stellvertretende Leiterin des Straßenverkehrsamtes ganz klar: „Ich kann natürlich nicht ausschließen, dass ein Fehler aufgetreten ist, aber an dem Programm ist nichts geändert worden.“

Reimers jedenfalls ist sauer. Wegen des Ärgers um ein Kennzeichen musste er den Urlaub mit dem neuen Wohnmobil verschieben. Er hat das Fahrzeug nun mit einem anderen Kennzeichen auf den Namen seiner Frau angemeldet, damit nicht noch mehr Zeit verstreicht. Gleichzeitig jedoch hat er Beschwerde bei der Kreisverwaltung eingelegt und hofft, dass er das Wohnmobil am Ende doch noch auf sein Wunschkennzeichen ummelden darf.

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