Erneut launige Gerichtsverhandlungen auf dem Handwerkermarkt

Disput zwischen Schuhputzer und Staatsanwalt

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Artur Gabriel ließ sich in Begleitung von König Erik Beyer die Schuhe putzen.

Wildeshausen - Von Dierk Rohdenburg. Der türkische Schuhputzer Boyaci Hüseyin versteht sein Handwerk. Wenn er loslegt, wird auch das älteste Leder zum Hochglanzstück. Zudem weiß er die Passanten ganz hervorragend zu unterhalten, indem er launig seine Arbeit kommentiert. Zu dumm nur, dass er am Sonntag auch der Wachkompanie in der Wildeshauser Innenstadt auffiel, die sofort Staatsanwalt Heinrich Boning herbeirief, um zu prüfen, ob hier alles mit rechten Dingen zugeht. So geschehen während des Handwerkermarktes auf der Westerstraße, als das Hohe Gericht tagte.

Hüseyin heißt eigentlich Frans Custers. Er ist Straßenkünstler und hat sich das Handwerk bei den Schuhputzern in Istanbul abgesehen. Die Gilde hatte ihn extra für den Handwerkermarkt engagiert. Nicht nur Hauptmann Artur Gabriel ließ sich von dem geschickten Künstler kostenlos die Schuhe auf Hochglanz putzen, damit sie am Abend beim Stadtempfang besonders festlich aussahen. Viele andere Bürger taten es ihm gleich und nutzten den besonderen Service.

Dass der Künstler vor Gericht landete, stand sicherlich nicht in seinem Vertrag, und so musste sich Hüseyin von Boning die freche Frage stellen lassen: „Kann man sich bei dir auch was anderes polieren lassen?“ Dann aber schimpfte der Staatsanwalt richtig los. „Guckt euch mal seine Schuhe an. Der letzte Dreck. Und hier die Fingernägel! Das geht ja gar nicht.“ Doch der Schuhputzer ließ das nicht auf sich sitzen und beschimpfte Boning in einer unverständlichen Sprache, bis Böttcher mahnte, man solle die kostbare Zeit nicht mit einem Mann vergeuden, der gratis arbeitet.

Richter Carsten Kloster mit einem Mann am Pranger.

Mehr Geld kam dann in die Wachekasse, als ein Wildeshauser vorgeführt wurde, der trotz der geringen Größe von 1,87 Metern des Hochverrats angklagt wurde. „Eigentlich gilt das bei uns erst ab 1,90 Meter“, so Richter Carsten Kloster. Aber da der Vorwurf, hier habe ein Wildeshauser geheime Informationen über die Verteidigungsanlagen in der Kreisstadt an Harpstedter weitergegeben, so ungeheuerlich sei, müsse man wohl die Todesstrafe verhängen. Nun seien 385 Euro für die Bestattung und 50 Euro für die Sargträger zu entrichten – am Ende kam der junge Mann aber mit 20 Euro davon.

Die gleiche Summe zahlte eine irakische Kellnerin des griechischen Restaurants „Zorbas“, die einen libanesischen Chef hat. „Arbeitet bei euch überhaupt ein Wildeshauser?“, fragte Otto Böttcher ungläubig. „Nun ja, wir wollen Sie nicht wieder zurück in den Irak schicken.“ Der Vorwurf, dass Mitglieder der Wachkompanie nach dem Essen das Kotzen gekriegt hätten, war jedoch so gravierend, dass eine Strafe entrichtet werden musste. „Und passen Sie in Zukunft auf, dass das Essen in Ordnung ist“, mahnte Boning, der sich zuvor eine Schnapsflasche von der Kellnerin gesichert hatte.

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