Die Nachfrage nach Produkten aus lokaler und regionaler Produktion nimmt zu

Direktvermarktung als Ausweg

Gemüse aus der Nachbarschaft: Landwirte und Kunden setzen aktuell vermehrt auf Regionalität. Symbolfoto: Soede/dpa

Landkreis – Die Zukunft wird der Landwirtschaft Veränderungen abverlangen – in diesem Punkt sind sich Betroffene und andere Experten weitgehend einig. Aber nicht nur die Art des Pflanzenanbaus und der Tierhaltung mag sich verändern, auch die Methoden der Vermarktung stehen im Fokus des Interesses. Doch haben Erzeuger Sorgen, dass mit schrumpfender Produktion auch ihre Erlöse sinken können, und dass der Großhandel ihnen nicht genug zahlt. Die Erzeugnisse in der Region abzusetzen, in der sie produziert werden, gilt als eine Möglichkeit, dieses Dilemma aufzulösen – Direktvermarktung und Regionalität lauten hier die Stichworte.

„Für viele Betriebe kann das ein zusätzliches Standbein sein“, sagt Wolfgang Ehrecke, Pressesprecher der Landwirtschaftskammer in Oldenburg (LWK) auf Anfrage unserer Zeitung. Daher unterstütze die LWK dieses Bestreben unter anderem durch eine aktuell neu gestaltete Internetseite (www.service-vom-hof.de) sowie eine entsprechende App für Smartphones. 36 Betriebe weist die Suchfunktion auf dieser Internetseite in einem 25-Kilometer-Umkreis rund um Wildeshausen aus. Gleichwohl, so Ehrecke: „Es muss einen Markt geben.“ Aktuell sehe es für die regionale Vermarktung landwirtschaftlicher Produkte allerdings recht gut aus. Selbst überregionale Supermarktketten würben mit Produkten aus der Nachbarschaft.

Diesen Eindruck kann seine Kollegin Sabine Hoppe, bei der LWK zuständig für Direktvermarktung und Bauernhofgastronomie, bestätigen: „Im Moment tut sich einiges.“ Die Nachfrage nach Beratung sei spürbar gewachsen. Zwar gäben zurzeit einige kleinere Höfe, auf denen ein Generationswechsel ansteht, ganz auf. Doch das werde durch die neu Hinzukommenden mindestens ausgeglichen. Dies sei allerdings ein Trend, der bereits mit dem Wegfall der Milchquote begonnen habe, so Hoppe. Landwirte – nicht nur Milchbauern – suchten eine Alternative zum Großhandel. Ergebnisse seien unter anderem Milchautomaten oder mobile Hühnerställe. Doch stelle sich die Frage, ob die jeweiligen Modelle langfristig tragfähig seien, berichtet die Expertin weiter. Denn für die Direktvermarktung brauche es gegebenenfalls eine Marktlücke (zum Beispiel die Zucht einer seltenen Tierrasse), zusätzliches Know-how (etwa bei der Käseproduktion), kaufmännisches Geschick sowie Interesse am dauerhaften Kundenkontakt. Letzterer sei für manchen Landwirt interessant, da er so konkret im Gespräch mit seinen Abnehmern stehen und durchaus direkt Wertschätzung erfahren könne. Doch werden sich auch dieser Markt im Laufe der Zeit verändern: „Nicht jeder bleibt im Geschäft.“

Eher verhalten vorsichtig hatte sich bereits der Geschäftsführer des Kreislandvolkes Oldenburg, Bernhard Wolff, zum Thema Direktvermarktung geäußert (wir berichteten). Nicht jeder Landwirt sei in der Lage, einen Hofladen aufzuziehen. Und sollte die Anzahl dieser Verkaufsstellen stark zunehmen, stünden die Landwirte dadurch wieder untereinander in Konkurrenz, gab er zu bedenken. Das sei dann nicht die erwünschte Lösung für den Absatz ihrer Produkte.

„Das war schon immer ein großes Thema für uns“, sagt Michael Schmitz vom Bio-Großhandel „Kornkraft“ in Huntlosen zum Thema Regionalität. Das Unternehmen betreibt zudem eigene Geschäfte. Es sei durchaus das Ziel, Landwirte in der Region zu unterstützen und diese nicht zuletzt dazu zu bewegen, bislang „herkömmlich“ bewirtschaftete Äcker in Bio-Flächen umzuwandeln. Kornkraft ist im ganzen Nordwesten tätig und beliefert Geschäfte in einem Radius von rund 200 Kilometern um den Firmensitz. Vor circa 15 Jahren habe „Kornkraft“ das eigene Label „Bio von hier“ ins Leben gerufen, berichtet Schmitz weiter. Damit können Produkte ausgezeichnet werden, die innerhalb des Liefergebietes der Huntloser produziert und weiterverarbeitet worden sind. „Es kommen immer wieder Betriebe dazu“, sagt er. Die Bedingungen werden regelmäßig abgefragt. „Bio-Kunden bevorzugen regionale Produkte“, weiß der „Kornkraft“-Mitarbeiter. Das sei quasi das „Tüpfelchen auf dem i“. Die Nachfrage nach Waren mit einer bestimmten Herkunft werde sicherlich weiter zunehmen, ist sich Schmitz sicher. Das zeige sich etwa an dem Interesse der Besucher des „Tag der Regionen“.

„Regionalität hat für uns den höchsten Stellenwert“, erklärt Gesa Oetken, Vertriebsleiterin der Delmenhorster Supermarktkette „Inkoop“. Das Familienunternehmen sei immer wieder auf der Suche nach lokalen Lieferanten. Erst jüngst habe die Firma die neue Kampagne „Unser Heimvorteil – das Beste aus der Region“ gestartet. Alles, was weiter als 40 bis 50 Kilometer entfernt sei, sei allerdings nicht mehr regional, so Oetken. Die Kunden fragten diese Produkte in den Geschäften bewusst nach: „Das merkt man auf jeden Fall.“ Die Leute interessierten sich dafür, ob etwa die Kartoffeln von einem Acker „um die Ecke“ stammten – oder aber aus Ägypten. Nachfragen gelten auch saisonalen Produkten wie Erdbeeren und Spargel. Das Bewusstsein der Verbraucher sei in den vergangenen beiden Jahren dahingehend spürbar gestiegen. Auch davor habe die Kette etwa Eier aus regionaler Produktion verkauft, doch habe niemand gezielt nach der Herkunft gefragt. Für „Inkoop“ stehe es im Fokus, dieses Angebot weiter auszubauen, so Oetken. Auch, wenn es zeitlich natürlich aufwendiger sei, mit mehreren kleinen Produzenten direkt zu verhandeln, als mit Großanbietern.

Interessiert sei das Unternehmen bewusst an kleinen, ortsnahen Anbietern, auch aus dem Landkreis Oldenburg. Rund 20 regionale und sogar lokale Erzeuger – von Fleisch und Wurst, über Honig, Eier und Molkereiprodukte bis hin zu Gemüse – seien gegenwärtig im Angebot.

„Wir sehen durchaus Wege und Potenziale zur Förderung der Vermarktung regional erzeugter landwirtschaftlicher Produkte und Lebensmittel“, bewertet schließlich Landrat Carsten Harings die Situation auf Anfrage unserer Zeitung. Und weiter: „Ich möchte jedoch ausstehenden Gesprächen jetzt ungern vorgreifen. Das möchten wir zunächst mit den möglichen Akteuren besprechen.“ Letztendlich fälle der Verbraucher aber die Entscheidung mit seinem Kaufverhalten. Da gelte es auch anzusetzen. „Ich habe aber das Gefühl, das die Wertschätzung der heimischen Landwirtschaft mehr und mehr ins Bewusstsein gerückt wird. Und das ist für alle Vorhaben eine gute Basis“, so der Landrat abschließend.  fra

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