Kosten 360.000 Euro: Anwohner hoffen, dass Rat und Verwaltung zurückrudern

„Dieser Straßenausbau macht keinen Sinn“

Peter Funk (Mitte) hatte den Ratsmitgliedern und Bürgermeister Jens Kuraschinski (3. von links) einiges zu berichten, um den Ausbau der Straße, den die Anwohner keinesfalls wünschen, vielleicht doch noch abwenden zu können. - Foto: Nosthoff

Wildeshausen - Von Anja Nosthoff. Hoffnung schöpften am Mittwochabend 30 Anwohner des Ochsenbergweges. in Wildeshausen. Im Jahr 2013 hatte der Rat den Ausbau des hinteren Abschnitts beschlossen. Während einer Begehung der Straße ab der Abzweigung „Waldsiedlung“ mit Ratsmitgliedern und Bürgermeister Jens Kuraschinski machten die Anwohner nun noch einmal ihren Widerstand gegen den Ausbau deutlich – und führten dabei Argumente an, die durchaus auf Verständnis stießen.

„Der Großteil von uns 33 betroffenen Anwohnern sieht keinen Sinn darin, diese Straße auszubauen“, betonte Anwohnersprecher Peter Funk. „Und wenn wir’s nicht wollen, wozu dann das Ganze?“, fragte er die Politiker und den Verwaltungschef. Denn die Fahrbahn werde allein von den Anwohnern genutzt. Am Ende mündes sie in einen Feldweg.

Die Anwohner müssten 90 Prozent der Ausbaukosten übernehmen, die Stadt wäre mit zehn Prozent beteiligt. Die hohe Anwohner-Beteiligung ergibt sich daraus, dass ein „Erschließungsausbau“ vorgenommen würde – das heißt, der Bereich würde zum ersten Mal überhaupt ausgebaut. 360 000 Euro fallen dafür voraussichtlich an. „An dieser Straße wohnen viele ältere Menschen, sogar mehrere Witwen, deren Grundstücke ihre Renten sind“, machte Marion Rökker in Richtung Rat und Verwaltung deutlich. „Sie können den Ausbau nicht bezahlen“, erklärte sie. Auch Rökkers Mutter ist betroffen.

„Jeder wünscht sich eine schöne Straße, aber dieser Wunsch muss auch realisierbar sein“, meinte Anwohner-Sprecherin Erika Roggemann. „Ich wohne seit 51 Jahren hier“, erklärte die 73-Jährige. So lange habe der Weg schon gehalten. Und sie würde das nach Roggemanns Ansicht auch weiter tun. Freiwillig pflegen die Anwohner die Grünflächen, „um der Straße ein freundliches Aussehen zu geben“, so Roggemann.

Funk unterstrich, „dass es bestimmt wesentlich wichtigere Baustellen in Wildeshausen“ gebe. Als Problem stellt sich für die Anwohner auch der Heilstättenwald dar, der an einem großen Teil der Straße entlang führt. Funk führte aus, dass eine Planung seitens der Stadt einen 4,75 Meter breiten Ausbau vorsieht, der in den Wald eingreifen würde. Den Anwohnern sei seitens der Planer vorgestellt worden, dass Bäume – unter anderem alte Eichen – dabei in die Straße integriert werden könnten, was den Ausbau-Gegnern unsinnig erscheint: Denn dann könne man die Bäume auch gleich im Wald und die Straße so lassen, wie sie ist.

SPD-Ratsherr Hartmut Frerichs wollte dem Appell der Anwohner an die Fraktionen, die Notwendigkeit des Ausbaus noch einmal zu überdenken, gerne entsprechen. Durch den Beschluss aus dem Jahr 2013 habe die Verwaltung einen Planungsauftrag. Doch wie sich die Situation nun darstelle, sollten sich Fraktionen und Verwaltung noch einmal in Ruhe zusammen setzen. Eine Entscheidung könne dann im Frühjahr fallen.

Eine Alternative zum Ausbau wäre das Auftragen einer neuen Asphaltschicht, um die Schäden an der Straße auszugleichen. In diesem Fall würden keine Beteiligungskosten auf die Anwohner zukommen. Bürgermeister Jens Kuraschinski gab jedoch zu bedenken, dass das wohl eine temporäre Lösung sei: „Dann stehen wir in zehn Jahren vielleicht wieder hier.“

„Dass die Fahrbahn keine zehn Jahre mehr halten soll, kann ich nicht glauben“, meinte Roggemann. Ausschlaggebend sei zudem, so meinten die Anwohner, dass sie mit ihrer Straße zufrieden seien. Gegen diesen Bürgerwillen hatte auch Ratsherr Manfred Rebensburg (Grüne) nichts einzuwenden. „Hier geht kein Erschließungsverkehr zu anderen Wohngebieten durch – im Grunde ist der Weg eine Sackgasse“, stimmte Rebensburg zu und fragte, ob die Anwohner als dritte Alternative auch damit einverstanden wären, wenn die Stadt erst einmal gar nichts an der Straße mache – außer möglicherweise ein paar Löcher zu „stopfen“. „Na klar, mehr wollen wir doch gar nicht“, stimmte Rökker sofort zu. Das würden viele sogar als Vorteil sehen. „Denn je besser die Fahrbahn, desto schneller und lauter wird trotz Geschwindigkeitsbegrenzung der Verkehr.“

Mehr zum Thema:

Team Trump: Das Kabinett des künftigen US-Präsidenten

Team Trump: Das Kabinett des künftigen US-Präsidenten

Grande Dame des Liberalismus: Hildegard Hamm-Brücher ist tot

Grande Dame des Liberalismus: Hildegard Hamm-Brücher ist tot

Weihnachtskonzert des Rotenburger Ratsgymnasiums

Weihnachtskonzert des Rotenburger Ratsgymnasiums

Verden: Tanz macht Schule 

Verden: Tanz macht Schule 

Meistgelesene Artikel

Verstärkung für das Frauenarzt-Team im Johanneum

Verstärkung für das Frauenarzt-Team im Johanneum

Investor bietet 70 Parkplätze an

Investor bietet 70 Parkplätze an

Bauerngolf als touristische Bereicherung?

Bauerngolf als touristische Bereicherung?

Kommentare