Erinnerungsgang zum Gedenken an die Pogromnacht vor 83 Jahren

„Die Bevölkerung hat zugesehen“

Janne Brinkmann (l.) und Theo Vorsteen (2.v.l.) berichten über das Schicksal von Golda Herzberg und Alfred Heinemann.
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Janne Brinkmann (l.) und Theo Vorsteen (2.v.l.) berichten über das Schicksal von Golda Herzberg und Alfred Heinemann.

Wildeshausen – „Ermordet in Minsk“, steht auf vielen der Stolpersteine, die im Mittelpunkt des Erinnerungsganges am Dienstagnachmittag in Wildeshausen standen.

Anlässlich der Pogromnacht vor 83 Jahren trugen in diesem Jahr Schüler der BBS Wildeshausen vor jenen Häusern, in denen die jüdischen Familien in der Stadt ihre letzte frei gewählte Wohnung hatten, deren Schicksal vor. In den vergangenen Tagen hatten die Jugendlichen der Klasse BGW 12a die kleinen Gedenktafeln im Straßenpflaster bereits geputzt.

Der Anfang systematischer Verfolgung

Bevor Janne Brinkmann und Theo Vorsteen an der Huntestraße als erste auf die Geschichte von Golda Herzberg und Alfred Heinemann eingingen, begrüßte Wildeshausens Bürgermeister Jens Kuraschinski die Teilnehmer der Gedenkveranstaltung auf dem Wildeshauser Marktplatz. Dieser Tag würde an eine der dunkelsten Stunden der deutschen Geschichte erinnern, erklärte der Verwaltungschef. „Die Novemberpogrome waren der Anfang einer systematischen Verfolgung von Menschen“, mahnte Kuraschinski. Es beunruhige ihn, dass antisemitische Straftaten in diesem Land in den vergangenen Jahren zugenommen hätten. „Deshalb halte ich es für besonders wichtig, die Jugend früh an das Thema heranzuführen und einzubinden“, betonte der Bürgermeister.

Peter Heinken erinnert an die Synagoge.

Die Geschichten, die die Schüler vor den Häusern der NS-Opfer vortrugen, ähnelten sich erschreckend. Einen Tag nach der Pogromnacht wurden sämtliche jüdischen Männer in Wildeshausen verhaftet und nach einem kurzen Gefängnisaufenthalt in das Konzentrationslager Sachsenhausen bei Berlin deportiert. Die meisten von ihnen wurden später von den Nationalsozialisten im Minsker Ghetto ermordet.

Am helllichten Tag eingerissen

Peter Heinken, Mitglied im Vorstand des Bürger- und Geschichtsvereins sowie im Arbeitskreis Demokratie und Toleranz, ging an der Stele zum Gedenken an die ehemalige jüdische Synagoge an der Huntestraße auf die Pogrome in der Kreisstadt ein. Einen Tag nach der Gewaltnacht wurde das von den Juden kurz zuvor entweihte Gotteshaus in Wildeshausen am helllichten Tag eingerissen. „Als die Matratzen und Möbel aus dem Haus geworfen wurden, hat die Bevölkerung zugesehen“, berichtete Heinken. Der Spruch in der Stele „Sie standen alle da und schauten zu“ erinnere daran.

Die Schüler entzünden Kerzen zur Erinnerung.

Zum Abschluss des Erinnerungsganges entzündeten die Jugendlichen Kerzen auf dem Marktplatz der Kreisstadt und gedachten den Opfern des Nationalsozialismus. Einen Monat lang hatten sich die Schüler von Klassenlehrer Jonas Wagner auf den Tag vorbereitet. Sie hatten sich mit der Bedeutung und der Geschichte der Stolpersteine auseinandergesetzt. Zudem hatten sie die Biografien der aus Wildeshausen deportierten Juden vorbereitet. Bis zum Holocaust-Gedenktag am 27. Januar werden sie nun verschiedene Ausstellungen zu dem Thema vorbereiten und sie anderen Schulen präsentieren.

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