Landkreis-Veterinär Carsten Görner warnt eindringlich vor der Vogelgrippe

Die Aufstallpflicht kommt

Im Anflug: Drei unterschiedliche Erreger der Vogelgrippe breiten sich derzeit in Europa aus. 
Symbolfoto: DPA
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Im Anflug: Drei unterschiedliche Erreger der Vogelgrippe breiten sich derzeit in Europa aus. Symbolfoto: DPA

Landkreis Oldenburg – Tote Wanderfalken in Irland. Verendete Kraniche, Wildgänse, Eulen sowie Greifvögel in Deutschland. Die Vogelgrippe ist auf dem Vormarsch. Aus diesem Grund haben am Mittwoch Niedersachsen sowie die übrigen Küstenländer beschlossen, dass es eine Aufstallpflicht voraussichtlich ab Samstag geben wird. Das bedeutet, dass Geflügel nicht mehr ins Freie darf. Das bestätigte der oberste Veterinär des Landkreises Oldenburg, Carsten Görner. Die Regelung werde für den Landkreis Oldenburg und das nördliche Niedersachsen gelten.

„Ich sehe momentan kaum andere Möglichkeiten als zu versuchen, Hausgeflügel von Wildgeflügel zu trennen“, sagt Görner. Die Dauer der Aufstallpflicht sei schwer abzuschätzen. Das hänge vom Verlauf der Infektion ab: „Im schlechtesten Fall ist das während des gesamten Zeitraums für Wildvogelflug – das wäre dann bis April.“ Die Pflicht zur Aufstallung diene der Gesundheit aller Geflügeltiere. Der Zugang von Wildgeflügeln zu Freilufthühnern müsse daher unbedingt verhindert werden.

„Bislang haben wir drei verschiedene Geflügelpesterreger nachgewiesen“, so Görner. Zugvögel, die selbst nicht erkranken, brächten das Virus aus ihren Winterquartieren mit, das sich dann wieder ausbreite. Angesteckte Tiere erkrankten und verendeten anschließend schnell und schmerzhaft. „Jede Situation ist anders und wir haben ein sehr dynamisches Geschehen“, fügt Görner hinzu: „Die Realität ist schneller als das, was wir planen.“ Dass die Bewegungsfreiheit durch die Aufstallpflicht eingeschränkt wird, sei ihm klar, doch die Bedrohungslage rechtfertige dies.

Wichtig sei ihm, zu vermitteln, dass das Virus nicht zwischen Masthaltung oder in Seide gewickelten Privathühnern unterscheide. Zwar seien in den vergangenen Wochen und Monaten rund 60 Proben im Landkreis genommen worden, die alle negativ waren. Allerdings war das noch bevor das Auftreten der Vogelgrippe in den anderen Bundesländern problematisch wurde. „Das Virus ist hoch aggressiv, an den Küsten sind bereits mehrere hundert bis tausend Wildvögel verendet aufgefunden worden, die positiv getestet wurden.“

Im Winter 2016/2017 gab es den folgenschwersten Ausbruch der Tierseuche in Deutschland, berichtet Görner. Von November bis April grassierte damals die Geflügelpest. Heute – nach vier Jahren – seien die gleichen Verfahren wie damals anzuwenden. „Es gibt Ablaufpläne und Maßnahmen. Bei allen beteiligten Mitarbeitern ist das Geschehen noch sehr präsent und alle wissen, was zu tun ist“, sagt er. Damals sorgte die Aufstallpflicht für viel Unverständnis, so Görner.

Zunächst wird ein Sperrbezirk von mindestens drei Kilometern um betroffene Betriebe eingerichtet. Darüber hinaus folgt ein sogenannter Beobachtungsbezirk von zehn Kilometern. In den Restriktionszonen gebe es dazu bestimmte Vorgaben wie zum Beispiel, dass kein lebendes Geflügel vermarktet werden dürfe. Sollte das Virus außer Kontrolle geraten, müsse als Ultima Ratio der gesamte Bestand eines befallenen Betriebs getötet werden.

Daher empfiehlt Görner Geflügelhaltern, den rechtlichen Vorgaben nachzukommen und Hygienekonzepten zu folgen. So soll die Kleidung gewechselt oder mit Überziehschuhen gearbeitet werden, wenn man bei Ställen von draußen nach drinnen geht, um keinen virusbelasteten Kot hineinzutragen. Weitere Informationen zu dem Thema bietet das Niedersächsische Landesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit im Internet unter www.laves.niedersachsen.de an.

Die Gefahr durch die Vogelgrippe sei nicht zu unterschätzen. „Für uns ist die Bedrohungslage durch die Vogelgrippe in diesem Winter so hoch wie noch nie“, bewertet Görner die Lage: „Wir würden uns wünschen, dass es nicht zu Ausbrüchen in der Geflügelhaltung kommt, aber da müssten wir sehr viel Glück haben, um ungeschoren durch die Winterzeit zu kommen.“

Von Gregor Hühne

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