Diakonie Himmelsthür sieht keine Perspektiven mehr auf dem Zentralgelände

„2025 wird hier das Licht ausgeknipst“

Wildeshausen – In fünf Jahren wird sich die Diakonie Himmelsthür vom Zentralgelände an der Dr.-Klingenberg-Straße in Wildeshausen komplett zurückgezogen haben. „Dann wird hier das Licht ausgeknipst“, stellt Regionalgeschäftsführer Jörg Arendt-Uhde im Gespräch mit unserer Zeitung fest. „Wir werden hier nicht bleiben.“

In dieser Aussage schwingt einige Verbitterung mit, denn eigentlich hatte die Diakonie über Jahre andere Pläne verfolgt. Zwar möchte die Behinderteneinrichtung mit Hauptsitz in Hildesheim in einem langen Prozess der Konversion möglichst viele der ursprünglich 411 Bewohner aus Wildeshausen in stadtnahen Wohnprojekten unterbringen.

Diakonie Himmelsthür Wildeshausen: Alle Pläne sind gescheitert

Doch für einen Teil der Kunden ist das nach Ansicht der Diakonie nicht die beste Lösung, weil sie ein ruhiges und geschütztes Umfeld benötigen. Deshalb hatte Arendt-Uhde wiederholt Pläne vorgestellt, auf dem Gelände der Himmelsthühr neue Wohnformen zu entwickeln. Vor rund zwei Jahren hatte er ein Projekt verfolgt, in Nähe des Hauses „Herzogin Elisabeth“ drei Gebäude zu errichten, in denen 36 Menschen, darunter Autisten und anderer stresssensible Personen, leben können. Geplant waren kleine Wohngemeinschaften mit eigenen Räumen, damit sich die Betreuten zurückziehen können.

Kurz vor dem Abriss: Das Haus Cloppenburg hat schon jetzt keine Zukunft mehr auf dem Zentralgelände. Foto: Brinkus

Da jedoch dafür einige Bäume gefällt werden mussten, regte sich massiver Widerstand in der Nachbarschaft und in Teilen der Politik, sodass das Projekt zu den Akten gelegt wurde.

Kunden brauchen alternative Angebote

Das ändert jedoch nichts am Handlungsbedarf. Im Rahmen der mit dem niedersächsischen Sozialministerium und der „Aktion Mensch“ vereinbarten Konversion muss die Diakonie bis Sommer 2023 vielen Kunden neue Wohnangebote unterbreiten, die nicht im alten Immobilienbestand auf dem Gelände an der Dr.-Klingenberg-Straße liegen.

„Das Sozialministerium hat bereits zu Beginn der Maßnahme festgestellt, dass sich eine Investition in die alten Gebäude nicht mehr lohnt“, so Arendt-Uhde vor wenigen Monaten. „Wir müssen in neue Häuser investieren. Wir müssen für die Kunden attraktiv sein, sonst entscheiden sie sich gegen uns.“

Aus diesem Grund hatte er der Stadtverwaltung neue Pläne vorgestellt, die vorsahen, auf dem Gelände zu bauen, ohne Bäume zu fällen. Allerdings wohl erfolglos. „Der Bürgermeister hat mir signalisiert, dass eine Entwicklung mit Neubauten perspektiv nicht möglich ist“, berichtet Arendt-Uhde. Die Stadt lasse nur Wohnen im alten Bestand zu. „Das ist sehr demotivierend“, erklärt der Geschäftsführer. „Ich befasse mich aber lieber mit motivierenden Themen.“

„Viele Häuser sind jetzt schon leer“

Obwohl es ausdrücklicher Wunsch von Bewohnern, Angehörigen sowie Mitarbeitern gewesen sei, in Wildeshausen neue Wohnformen zu entwickeln, orientiert sich die Diakonie nun ins Umland. „Wir werden uns vom dem Zentralgelände zurückziehen. Viele Häuser sind schon jetzt leer“, berichtet Arendt-Uhde, der den noch auf dem Gelände lebenden 180 Kunden unter anderem in Goldenstedt, Hude, Kirchweyhe und Syke neue Angebte unterbreiten möchte. Als erstes Projekt sind ab August die Häuser in Kirchweyhe fertig, die neuen Wohnformen in Hude sind in der Umsetzung, und in Goldenstedt wartet die Diakonie auf die Genehmigung, ein bestehendes Gebäude entkernen und umzubauen zu dürfen.

Was mit dem Zentralgelände in Wildeshausen geschehen wird, ist unklar. Derzeit lässt der Flächennutzungsplan dort nur eine gesundheitliche Nutzung vor. Besitzerin ist die Diakonie und die wird aller Voraussicht nach nun abwarten, ob es Initiativen der Stadt zu einer Entwicklung des Areals gibt. Diese hat im Konzept Wildeshausen 2030 erste Ideen vorgelegt.

Hintergrund von Wildehausen 2030:

Das Entwicklungskonzept Wildeshausen 2030, veröffentlicht auf der Website der Stadt, macht Vorschläge für die freiwerdende Fläche an der Dr.-Klingenberg-Straße:

" ein „Tagungshotel im gehobenen Bereich“, eventuell mit angelagertem „Wellness-Hotel mit zahlreichen Naherholungsmöglichkeiten“,

" eine „Gruppenunterkunft für Schulklassen, Betriebs- und Vereinsausflügler“, kombinierbar mit Wohnmobilstellplätzen und Camping-Angeboten.

" eine Hochschulen-Außenstelle, eine Therapieeinrichtung, ein Wohngebiet. dr

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