Integrationsarbeit während der Pandemie: eine Herausforderung für alle Beteiligten

Der persönliche Kontakt ist nicht zu ersetzen

Eine Beraterin der Landwirtschaftskammer  im Gespräch mit einer Besucherin des Berufe-Cafés.
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Die bislang letzte Präsenz-Veranstaltung der Kreis-Integrationsarbeit: Das „Berufe-Café“ am 10. März vergangenen Jahres.

Wildeshausen/Landkreis – Die Coronazeit ist eine Herausforderung in vielerlei Hinsicht: Vertrautes und Bewährtes wird unterbrochen, manches muss neu begonnen werden, vieles verzögert sich zeitlich. Das trifft – mitunter sogar im verstärkten Maße – Geflüchtete und Migranten: Denn viele, zuvor erfolgreiche und weithin genutzte Programme konnten eine lange Zeit nicht wie gewohnt fortgesetzt werden.

Das berichten die Integrationsbeauftragte des Landkreises, Ute Frankenfeld, Kira Allner vom Diakonischen Werk Delmenhost/Oldenburg-Land sowie Antina Peters von der VHS Wildeshausen im Gespräch mit unserer Zeitung. „Das beeinflusst unsere Arbeit in ganz erheblichem Ausmaß“, erläutert Frankenfeld. Die Integrationsarbeit laufe nicht zuletzt über Präsenzprojekte ab, insbesondere, um die neue Sprache einzuüben. Hinzu kämen die Quartierstreffpunkte im Landkreis, also Anlaufstellen für Migranten und Geflüchtete vor Ort, die zeitweilig geschlossen werden mussten. Das Angebot aufrechtzuerhalten sei „erheblich schwierig“ gewesen, teils eben gar nicht mehr möglich, so Frankenfeld. Das habe direkte Auswirkungen, nicht zuletzt auf die Sprache: Denn ohne Übung und Anwendung ging das Erlernte wieder zurück. Ein anderes Problem: Manche Eltern könnten teilweise gar nicht mehr erreicht werden, da stehe der Landkreis aber in gutem Kontakt mit den Schulen.

Die große Bedeutung von Präsenzveranstaltungen – wie sie seit dem 10. Mai wieder möglich seien – unterstreicht auch Peters. Neben grundlegenden Sprachkursen, oder solchen speziell für das Berufsleben, bietet die Bildungseinrichtung unter anderem auch eine Vorbereitung auf den nachträglichen Erwerb des Hauptschulabschlusses für Geflüchtete an. Doch sei die Lücke seit dem Aussetzen der Präsenz-Kurse Mitte Dezember vergangenen Jahres für viele inzwischen zu groß geworden. Auch die Fortführung des Unterrichts über das Internet sei für manche Teilnehmer keine Alternative, oder schlichtweg technisch nicht möglich gewesen.

Die Hälfte der Teilnehmer gibt auf

Die Folge: Etwa die Hälfte der Kursteilnehmer sei im Mai nicht wieder angetreten – das sei aus vielerlei Hinsicht verheerend. „Ganz viele sind nicht gekommen, weil sie Angst hatten, dass sie den Anschluss verpasst haben“, so Peters. „Ein Teil wird wiederkommen, vielleicht nach den Sommerferien“, hofft sie. Für die VHS selber seien die Ausfälle finanziell ein Desaster. Durch die gewährten Corona-Hilfen könne sich die Einrichtung zwar über Wasser halten, gehe aber mit „einem dicken Minus“ aus dieser Phase heraus.

Die Diakonie hat im Auftrag des Landkreises die Sozialarbeit für die Geflüchteten übernommen. Die Pandemie habe die Arbeit ihrer acht im Landkreis eingesetzten Kollegen „stark verändert“, schildert Allner. So hätten nicht nur Beratungstermine im Büro, sondern auch die „Hausbesuche“ wegfallen müssen. Letztere seien wichtig, um zu sehen, „was zu Hause so los ist“. Gleichwohl haben die Sozialarbeiter alles dran gesetzt, die Arbeit so gut wie möglich am Laufen zu halten: Dabei hätten sich insbesondere Sprach-Apps als nützlich erwiesen, die Texte in die jeweilige Muttersprache übersetzen können, aber auch Nachrichten und Fotos über Smartphone-Programme wie „Signal“ seien da hilfreich gewesen, sagt Allner. Gleichwohl sei die Projektarbeit weggefallen: etwa die Kooperationen mit den Schulen oder in einem „Nähcafé“. „Wir wollen Sozialarbeit machen, sitzen aber fast nur noch im Büro“, fasst es die Diakonie-Mitarbeiterin zusammen.

Behördenbesuche fallen aus

Die Teilschließung der Behörden sei allgemein eine Herausforderung für die Bürger gewesen, ergänzt Frankenfeld. Für Menschen, die die Landessprache noch nicht beherrschen, sei dies eine ganz besondere Hürde gewesen, sagt sie. Allner stimmt ihr zu: So habe sich etwa ein Antrag auf Arbeitslosenhilfe vorher relativ unkompliziert im Jobcenter vor Ort stellen lassen – das sei auch bei nur begrenzten Deutschkenntnissen meist „relativ unkompliziert“ möglich gewesen. Durch Corona sei es jetzt aber zu einigen Verzögerungen gekommen, die – um bei dem Beispiel zu bleiben – in einigen Fällen zu einer verspäteten Auszahlung der Unterstützung geführt haben. „Das kann schlimm enden“, sagt Allner. Da müssten dann die Sozialarbeiter eingreifen. Die Abwicklung allein auf digitalem Wege aber sei zeitraubend. „Manches geht nicht sofort, es ist sehr mühselig geworden.“

Alle drei Frauen hoffen für die Zukunft, dass im Laufe der Zeit die Arbeit wieder wie gewohnt aufgenommen und dann an Bisheriges angeschlossen oder Versäumtes aufgeholt werden kann – Ideen dafür seien bereits vorhanden, so Allner.  fra

Das „Berufe-Café“ war eine Kooperation unter anderem mit den Berufsbildenden Schulen Wildeshausen, der Oldenburgischen Industrie- und Handelskammer, der Handwerkskammer Oldenburg, der Landwirtschaftskammer Niedersachsen.
Berater der Handwerkskammer Oldenburg (links) und ein Besucher des Berufe-Cafés im Gespräch.

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