Wie Mitarbeiter der Diakonie Himmelsthür lernen, die Bewohner beim Sterben zu begleiten

Der letzte Weg

Zwölf Himmelsthür-Mitarbeiter haben an dem Kurs teilgenommen: Minchen Hayen, Katarina Gunkel, Rosemarie Hogeback, Michaela Röper-Bär, Anja Osterloh, Camen Illner, Kerstin Ueck, Inga Reinking, Kerstin Watermann (nicht im Bild), Stefan Filla, Sylvia Eckert und Dörte Hartung. Das Bild wurde vor dem 1. November aufgenommen.
+
Zwölf Himmelsthür-Mitarbeiter haben an dem Kurs teilgenommen: Minchen Hayen, Katarina Gunkel, Rosemarie Hogeback, Michaela Röper-Bär, Anja Osterloh, Camen Illner, Kerstin Ueck, Inga Reinking, Kerstin Watermann (nicht im Bild), Stefan Filla, Sylvia Eckert und Dörte Hartung. Das Bild wurde vor dem 1. November aufgenommen.

Wildeshausen – Die Diakonie Himmelsthür in Wildeshausen hat jetzt erstmals Mitarbeiter ausgebildet, um Bewohner in der letzten Phase ihres Lebens zu begleiten. Zwölf Angestellte haben ein „Palliative Care Seminar“ absolviert, sodass sie die von der Diakonie betreuten Menschen auf dem Weg zum Sterben begleiten können. „Es war an der Zeit, diesen Kurs zu machen“, sagt die Himmelsthür-Pastorin Dörte Hartung, die selbst teilgenommen hat und jetzt als Koordinatorin für „Palliative Care“ im Nord-Bereich der Diakonie zuständig ist. Viele Mitarbeiter kämen aus der Heilerziehungspflege und hätten sich gefreut, nun das richtige Handwerkszeug für die Sterbebegleitung zu erhalten. Die Palliativpflege sei besonders für die Kunden der Diakonie fordernd.

Sprachliche Einschränkungen

Hartung bezieht sich dabei zum Beispiel auf Menschen, die sich nicht so ausdrücken können wie die meisten. Also zum Beispiel Personen mit geistigen Einschränkungen. Während des Kurses habe es Rollenspiele gegeben. In einem habe eine Frau über starke Schmerzen geklagt, aber nicht kommunizieren können, was genau ihr wehtut. „Sie war bockig, hat nicht gesprochen, nur geschrien. Letztlich war es dann ein kleiner Stein im Schuh, der die Schmerzen verursachte“, berichtet Hartung. Die Kursteilnehmer hätten gelernt, auf Signale zu achten. Zum Beispiel eine Veränderung im Verhalten oder bei Bewegungen. „Wenn bestimmte Ausdrucksfähigkeiten fehlen, müssen wir andere Kanäle entwickeln und genau beobachten“, sagt die Pastorin.

Auf Bedürfnisse eingehen

Wenn es dann darum geht, den Sterbenden zu helfen, gibt es viele Möglichkeiten, auf die Bedürfnisse der Dahinscheidenden einzugehen. Zum Beispiel über Düfte, Klänge oder leichte Massagen. Letztere können Schmerzen lindern. Genau wie Medikamente, deren Anwendung auch im Kurs besprochen wurde. Vor allem im Hinblick auf Neben- und Wechselwirkungen.

Auf der anderen Seite müssten die Mitarbeiter aber auch verstehen, dass sie den Sterbenden nicht mehr heilen könnten. „Das muss man akzeptieren“, sagt Hartung. „Es geht auch darum, dem Tod ins Auge zu blicken, der dadurch seinen Schrecken etwas verliert.“ Ein Teil des Seminars drehte sich darum, wie man damit umgeht, hilflos zu sein. Es komme auf die Kraftquellen der Sterbebegleiter an, so die Pastorin. Das könne ein Spaziergang in der Natur sein oder ein Gespräch mit einem Vertrauten. Wichtig sei, zu wissen, wo diese Kraftquellen liegen und darauf zurückzugreifen.

Hartung beschäftigt sich schon eine Weile mit dem Thema und meint, eine gewisse Hilflosigkeit bei den Mitarbeitern wahrgenommen zu haben. Deswegen seien die Kursteilnehmer auch sehr motiviert gewesen. Dass es das Seminar jetzt gab, bewertet sie auch als Zeichen dafür, dass die Diakonie-Leitung erkannt hat, wie wichtig das Thema ist.

Recht auf Teilhabe, auch bei der Sterbehilfe

Die Himmelsthür-Bewohner hätten ein Recht auf Teilhabe an der Gesellschaft, und da gehöre auch die Sterbebegleitung dazu, findet Hartung. „Ich hoffe auf eine Initialzündung“, sagt sie. Die ersten zwölf Kursteilnehmer kommen von verschiedenen Standorten, sodass sie ihr neues Wissen jetzt dort weitergeben können.

Von Ove Bornholt

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

DFB-Frauen schlagen Griechenland - Bilanz bleibt perfekt

DFB-Frauen schlagen Griechenland - Bilanz bleibt perfekt

An diesen vier Zipfeln endet Deutschland

An diesen vier Zipfeln endet Deutschland

Die heilende Kraft der Aloe vera

Die heilende Kraft der Aloe vera

Stadt der Gegensätze - In Mumbai ist das kein Klischee

Stadt der Gegensätze - In Mumbai ist das kein Klischee

Meistgelesene Artikel

Corona: 32 Infizierte in Pflegeheimen

Corona: 32 Infizierte in Pflegeheimen

Corona: 32 Infizierte in Pflegeheimen
Jede freie Minute zum Abstimmen genutzt

Jede freie Minute zum Abstimmen genutzt

Jede freie Minute zum Abstimmen genutzt
CDW fordert siebenstelligen Betrag für das Johanneum

CDW fordert siebenstelligen Betrag für das Johanneum

CDW fordert siebenstelligen Betrag für das Johanneum

Kommentare