INTERVIEW Landrat Carsten Harings zur Corona-Situation vor Ort

„Der Aufwand wird immer größer“

Engagiert: Landrat Carsten Harings kämpft gegen einen weiteren Anstieg der Corona-Infektionen in der Region.
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Engagiert: Landrat Carsten Harings kämpft gegen einen weiteren Anstieg der Corona-Infektionen in der Region.

Wildeshausen – Die Corona-Pandemie prägt derzeit das Leben aller Menschen. Der Landkreis Oldenburg ist seit knapp zwei Wochen als Risikogebiet klassifiziert. In einem Interview äußert sich Landrat Carsten Harings zu der aktuellen Situation. Die Fragen stellte Dierk Rohdenburg.

Wildeshausen hat sich über die Tage zu einem Hotspot im Landkreis entwickelt. Liegt das in erster Linie an den Beschäftigten in den Schlachthöfen oder sind eher diffuse Fälle dafür verantwortlich?

Wildeshausen ist eine von drei Kommunen mit erhöhtem Infektionsgeschehen. Dazu zählen auch Großenkneten und Ganderkesee. In Wildeshausen leben einige Mitarbeiter aus der Fleisch- und Schlachtbranche, die auch positiv getestet sind. In dem Wirtschaftsbereich ist derzeit ein sehr engmaschiges Testverfahren im Einsatz, wodurch glücklicherweise Infektionen schnell erkannt werden. Mittlerweile ist die Mehrzahl der Infektionen in Wildeshausen aber diffus verteilt.

Ist es denkbar, dass nur in den Gemeinden, in denen die Fallzahlen hoch sind, schärferer Maßnahmen wie beispielsweise eine Sperrstunde angeordnet werden?

Denkbar ist es sicherlich, punktuell zu agieren. Inwieweit sich das dann auch umsetzen lässt, müssen wir von Situation zu Situation schauen. Bei der aktuellen Verfügung durch den Landkreis haben wir uns bei der Maskenpflicht im Freien eben auf die drei Kommunen mit den aktuell höchsten Fallzahlen konzentriert.

Sehen Sie die Gefahr, dass das Gesundheitsamt die diffusen Fälle irgendwann nicht mehr nachverfolgen kann?

Aktuell nicht. Aber je mehr das aktuelle Geschehen weiter um sich greift, umso größer wird die Gefahr. Der Aufwand wird immer größer und es wird schwieriger, die Nachverfolgung zu gewährleisten. Im Schnitt gibt jede positiv getestete Person fünf Kontakte an, die über den Hausstand hinaus gehen. Das sind bei 50 neuen Fällen allein am Wochenende 250 Nachverfolgungen. Und dann muss man auch noch alle erreichen. Oft werden auch noch mehr Kontakte angegeben. Das alles zeitnah zu bewältigen, wird immer schwieriger. Und ich sage an dieser Stelle erneut: das Virus wird nicht durch den Wind übertragen. Wir Menschen geben es weiter. Es liegt an uns, an jedem Einzelnen, die Gefahr zu vermindern.

Wird das Amt bereits aus anderen Bereichen verstärkt?

Das Gesundheitsamt agiert seit über einem halben Jahr unter Volllast. Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass die Kollegen unter sehr schwierigen Umständen einen sehr professionellen, umsichtigen und im Ergebnis auch erfolgreichen Job machen. Dafür gebührt ihnen zunächst unser aller versammelter Dank und unsere Anerkennung.

Bereits seit Ausbruch des Geschehens unterstützen eine ganze Reihe von Mitarbeitern aus der übrigen Kreisverwaltung das Gesundheitsamt. Dies betrifft zum Beispiel Bereiche wie die Kontaktverfolgung, die Probennahme und auch den Außendienst. Darüber hinaus haben wir auch zusätzliches Personal eingestellt. Die laufenden Geschäfte der Kreisverwaltung gehen ja auch noch weiter und müssen fachgerecht erledigt werden.

Wo können sich Bürger im Landkreis nach Überweisung durch ihren Arzt testen lassen?

Grundsätzlich sind die Hausärzte die ersten Ansprechpartner. Es ist nach wie vor ratsam, zunächst beim Hausarzt anzurufen. Im Telefonat werden alle Details besprochen. Entweder erfolgt ein Test dann beim Hausarzt oder dieser überweist an einen Kollegen, der die Testung vornimmt.

Ist daran gedacht, die Kapazitäten auszuweiten oder neue Zentren einzurichten?

Aktuell sind die Testkapazitäten ausreichend, und es ist noch nicht geplant, Zentren einzurichten. Was wir aber in der Pandemie gelernt haben, ist, dass es alles sehr schnell gehen kann. Was heute noch nicht ist, kann morgen schon diskutiert werden.

Gibt es Pläne für den Fall einer großen Zahl von Infizierten, die stationär behandelt werden müssen?

Ja, Pläne gibt es. Da geht es dann um Kooperationen zwischen den Krankenhäusern. Für unsere Landkreis arbeiten das Krankenhaus Johanneum und die Klinik in Stenum eng zusammen. Auch mit dem St.-Josef-Hospital in Delmenhorst haben wir Absprachen getroffen. Und schließlich arbeiten wir ja auch im Bereich der Großleitstelle kooperativ zusammen.

Reichen die Kapazitäten der Krankenhäuser oder müssen möglicherweise weitere Räume vorbereitet werden?

Die Kapazitäten reichen aktuell. Für größere Bedarfe wird auch groß gedacht, und zwar – wie gesagt – im Rahmen der Großleitstelle. Wenn Räume gebraucht werden, gibt es Pläne, wo und wie da agiert werden kann.

Wie viele Ordnungswidrigkeiten wurden bereits wegen Verstößen gegen die Maskenpflicht verhängt?

Bis vergangenen Freitag waren es 464 Verstöße gegen die Maskenpflicht und das Abstandsgebot. Das wird zusammen erfasst.

Gibt es im Landkreis bereits die Möglichkeit, die Schnelltests anzuwenden. Beispielsweise im Krankenhaus oder in den Senioreneinrichtungen?

Aktuell noch nicht. Die Schnelltests sind weniger sensitiv und benötigen eine sehr genaue Handhabung. Und der zeitliche Gewinn ist nicht so enorm groß, denn die regionalen Labore sind sehr zügig und genauer in der Diagnose.

Wurden Sie bereits getestet? Und wenn ja, warum?

Nein, das war bisher nicht notwendig. Und ich achte sehr darauf, durch mein gesamtes Verhalten eigenverantwortlich dazu beizutragen, dass es auch nicht notwendig wird.

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