Wirtschaftsförderer spricht sich aktuell gegen weitere kommunale Finanzhilfen aus

Denken an die Zeit nach der Pandemie

Inzwischen gibt es mehr Corona-Hilfsprogramme – doch die WLO denkt bereits an die Zeit nach der Krise. 
Symbolfoto: dpa
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Inzwischen gibt es mehr Corona-Hilfsprogramme – doch die WLO denkt bereits an die Zeit nach der Krise. Symbolfoto: dpa

Landkreis – Reihum viel Lob für die Arbeit der Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Landkreis Oldenburg (WLO) hat deren Geschäftsführer, Hans-Werner Aschoff, während der Sitzung des Kreis-Wirtschaftsausschusses eingefahren. Dieser tagte am Dienstagnachmittag im Kreishaus in Wildeshausen. Der WLO-Chef berichtete dem Gremium von einem wichtigen Thema: den Auswirkungen der Corona-Krise auf die hiesige Wirtschaft.

„Der Landkreis ist gut aufgestellt“, wiederholte Aschoff eine Aussage, die er schon zu Beginn der Pandemie getroffen hatte. Der Kreis profitiere auch weiterhin davon, dass es hier keine „Monokulturen“ in der Wirtschaftslandschaft sowie nur wenige Konzernunternehmen gebe. Die Anträge für das WLO-Investitionszuschussprogramm wichen nicht gravierend vom Vorjahr ab, bislang seien 29 gestellt worden, zuvor seien es 37 gewesen. Für das Markterschließungsprogramm sehe es ähnlich aus, 105 im aktuellen Jahr zu 115 noch in 2019. Auch die Gemeinden des Landkreises berichteten von einer anhaltenden Nachfrage nach Gewerbeflächen, so Aschoff weiter. Gefühltermaßen sehe es also recht gut aus. In seinen schriftlichen Ausführungen hatte er die Ausschussmitglieder mit einer ganzen Reihe an Detailinformationen zu dem Thema versorgt.

Gleichwohl: „Für Einzelne ist es eine Katastrophe“, stellt er klar. „Wenn die Regenwahrscheinlichkeit 20 Prozent beträgt, taugt das auch nichts, wenn ich im Regen stehe“, verdeutlichte er. So sei es aus der Sicht des Wirtschaftsförderers ein Fehler gewesen, die Restaurants zu schließen. Doch wolle er sich in diesem Zusammenhang einen Ausspruch des Ersten Kreisrates Christian Wolf zu eigen machen: „Wir kämpfen gegen die Pandemie und nicht gegen eine Verordnung.“

An finanzieller Unterstützung fehle es seiner Meinung aktuell nicht, so Aschoff weiter. Bund und Land überschlügen sich quasi mit Programmen, bei denen jetzt auch Soloselbstständige und Gastronomen zum Zug kommen sollen. Die Umsetzung sei relativ schnell vonstattengegangen. Das sei zunächst positiv für den Landkreis Oldenburg. Doch dürfe man sich nicht mit dieser Sicht zufrieden geben, erklärte er weiter: Denn es stelle sich die Frage, wie es mit der Gesamtwirtschaft im Nordwesten weitergehe. „Hier wohnen Menschen, die in den Oberzentren arbeiten“, gab er zu bedenken. Und da sei die Zukunft der Automobil- und der Luftfahrtindustrie nicht klar. Ein Gleiches gelte etwa auch für die Schlachtbranche.

Doch noch werde „Geld ausgegeben, als wäre es unendlich vermehrbar“. In diesem Zusammenhang müsse die Frage gestellt werden, ob weitere kommunale Hilfsprogramme sinnvoll seien – oder der Landkreis den Blick nicht besser auf die Nach-Corona-Zukunft werfen sollte. Denn bei weiteren Programmen bestehe die Gefahr der „Überkompensation“: Bund und Land werden ihre Zahlungen überprüfen und zu viel gezahlte Gelder zurückfordern. Mit dem Ergebnis, dass „dann nicht der Verbraucher, sondern Bund und Land subventioniert werden“, so Aschoff. Doch werde es nach der Krise sicherlich viele Firmen geben, die Probleme haben, ihre Kredite zurückzuzahlen. Wenn der Landkreis helfen wolle, sei es aus seiner Sicht sinnvoller, dann bei den Tilgungsleistungen zu unterstützen.

Dieser Vorschlag stieß auf breite Zustimmung der Ausschussmitglieder: Sie halte die Ausführung Aschoffs für richtig, die Vorschläge für unterstützenswert, sagte etwa Katja Radvan (Linke). Es sei wichtig, das Thema weiter zu betrachten. „Wir können dem soweit zustimmen“, meinte Reinhold Schütte (Grüne). Es ließe sich nicht absehen, ob es noch eine dritte oder vierte Welle geben werde. Das Gremium werde sich dann darüber unterhalten müssen, ob es weitere Unterstützungen geben solle. „Wir können froh sein, dass sich die WLO so um die Unternehmer und Kunden kümmert“, befand denn auch Thomas Schulze (CDU). Und dies „in einer Zeit, die schlimmer nicht sein könnte“.  fra

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