Proteste vor PHW-Konzern

Aktivisten aneinandergekettet

Vier Aktivisten haben sich aneinandergekettet.
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Vier Aktivisten haben sich aneinandergekettet.

Etwa 150 Aktivisten aus dem Camp des Bündnisses „Gemeinsam gegen die Tierindustrie“ am Hartensbergsee haben sich als Protestzug auf den Weg zum PHW-Konzern in Rechterfeld gemacht. Sie blockieren die Firmenzentrale. Die Polizei greift jedoch seit Stunden durch und räumt.

Update, 19.45 Uhr:  Die Räumung dauert an, die Blockade wird kleiner. Es sind nach Angaben der Demonstranten noch 30 Blockierer vor Ort. Es haben sich laut dem Bündnis nun vier Menschen mit Fahrradschlössern an den Hälsen aneinandergekettet.

Update 15.40 Uhr: Die Polizei löst die Demonstration auf. Weil sich die Aktivisten weigern, die Zufahrt zu räumen, werden sie von der Polizei eingekreist. Die ersten Aktivisten werden weggetragen. Die Aktivisten machen es den Beamten dabei schwer. Sie sind vorbereitet, sodass erkennungsdienstlichen Maßnahmen, die für die Erteilung von Platzverweisen notwendig sind, kompliziert und langwierig.

Update 13 Uhr: Die Polizei fordert die sitzenden Demonstranten auf, aufzustehen. Sollten sie dieser Aufforderung nicht nachkommen, würden sie weggetragen. Erste Aktivisten sind auf die Zäune des Betriebes geklettert. Eine Person wurde vom Sicherheitsdienst in Gewahrsam genommen.  Die Polizei nahm hierzu eine Anzeige wegen Hausfriedensbruch auf. Darüber hinaus haben Teilnehmer gegen 11.30 Uhr die Holztore mit Farbe besprüht, heißt es von der Polizei.

Update 11.30 Uhr: Die Polizei hatte den Weg zu einem Teilstück der Paul-Wesjohann-Straße, das seit wenigen Wochen in Privatbesitz der Firma ist, gesperrt. Die Aktivisten liefen jedoch über ein Feld, um die Sperrung zu umgehen. Sie blockieren jetzt  die Zufahrtsstraße direkt vor der PHW-Zentrale. Der Geflügelkonzern hatte im Vorfeld ein riesiges Tor als Zufahrtssperre installiert, um sich vor zivilgesellschaftlichem Protest zu verbarrikadieren. Das Tor ist nun mit Transparenten versehen, die die Forderung nach einer sozial-gerechten, ökologischen und pflanzenbasierten Agrarwende zum Ausdruck bringen sollen.

Die Aktivisten planen, den Protest möglichst lange aufrecht zu erhalten. Auf eine mögliche Räumung durch die Polizei seien sie vorbereitet, so Laura, die an der Aktion teilnimmt: „Ich bin hier, um ein deutliches Zeichen zu setzen, dass die Tierindustrie nicht zukunftsfähig ist. Wir haben lange genug gewartet und auf die Agrarwende gehofft. Jetzt ist die Zeit, um selbst zu handeln!“

Nicht über die Straße, aber über das Feld ging es weiter.

Wildeshausen/Goldenstedt – Das Bündnis spricht von 200 Aktiven, die um 8 Uhr gestartet sind. Ziel ist laut Polizei die PHW-Zentrale (unter anderem Produzent der Marke Wiesenhof) in Rechterfeld. Die Polizei ist vor Ort und begleitet den Aufzug. Die Demonstranten tragen blaue Schutzanzüge und bewegen sich lautstark mit Transparenten und Fahnen in Richtung PHW. „Spontane Kurskorrekturen sind aber möglich“, so die Organisatorin Franziska Klein. „PHW steht als größter deutscher Geflügelkonzern stellvertretend für die Tierindustrie. Die Milliardenprofite dieser Unternehmen beruhen auf Gewalt und Ausbeutung. Heute zeigen wir, dass wir das nicht länger hinnehmen. Unsere Bewegung besteht aus Klimaaktivisten, Tierrechtlern, Arbeitsrechtlern und Bürgerinitiativen. Wir stellen uns entschlossen der zerstörerischen Tierindustrie in den Weg.“

Vor dem Schlachtbetrieb von Geestland wurde unterdessen der Sicherheitsdienst verstärkt. Auf dem gesamten Gelände sind Wachen zum Teil mit Schäferhunden unterwegs.

Der Demonstrationszug bewegt sich zur PHW-Zentrale.

Die Polizei berichtet jedoch von einem weitgehend friedlichen Verlauf des Camps. Um 0.43 Uhr sei ihr mitgeteilt worden, dass es zu „Sieg Heil“-Rufen aus drei vorbeifahrenden Fahrzeugen vor dem Camp gekommen war. Es wurde eine Strafanzeige wegen „Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen“ eingeleitet. Die Täter sind bislang unbekannt.

Gerüchte über Straftaten

Der Polizei ist zudem bekannt geworden, dass es in den vergangenen Tagen vermehrt zu hartnäckigen Gerüchten innerhalb der Bevölkerung gekommen ist. Es soll demnach zu massiven Straftaten von Versammlungsteilnehmern zum Nachteil von Landwirten gekommen sein. Dies kann die Polizei aber nicht bestätigen. „Wir bitten die Bevölkerung, sich nicht an Gerüchten zu beteiligen, da dies zu Verunsicherungen aller Beteiligten führen kann und die polizeiliche Arbeit erschwert“, heißt es. „Es liegen keinerlei Erkenntnisse vor, dass von den Versammlungen eine Gefährdung für die Bevölkerung ausgeht.

Laut dem Bündnis „Gemeinsam gegen die Tierindustrie“ ist das Oldenburger Münsterland geprägt von Schlachtkonzernen, Futtermittelwerken, Mastanlagen und Fleischverarbeitungsbetrieben. Allein im Landkreis Vechta litten über 13 Millionen Tiere in industriellen Zucht- und Mastanlagen.

„Mit kleinen Kurskorrekturen können wir die katastrophalen Folgen der Tierindustrie nicht verhindern“, so Friederike Schmitz von „Gemeinsam gegen die Tierindustrie“. „Wir müssen aus der Tierindustrie aussteigen, um die schlimmsten Folgen der Klimakrise noch zu verhindern. Auch die Tiere können nicht länger auf Gerechtigkeit warten. Mit ihrer Ausbeutung muss endlich Schluss sein.“

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