Für bunte Tattoos

Tätowierer werben für Petition gegen Tintenverbot - Blau und Grün sollen weg vom Markt

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Bei Tamara Mischke (links) stehen die Farbtöne, die verboten werden sollen. Neben Rocco Buß steht die Tinte, die weiter verwendet werden dürfte.

Statistisch gesehen ist jeder fünfte Deutsche tätowiert. Aber obwohl aus der Nischenkunst mittlerweile ein Massenmarkt geworden ist, gibt es kaum Regularien. Das will die Europäische Chemikalienagentur ändern und arbeitet an einheitlichen Standards für Tätowiertinte in der EU. Diese würden nach aktuellem Stand aber dazu führen, dass ein Großteil der heute verwendeten Farben nicht mehr zulässig ist, befürchten viele Tätowierer – unter ihnen sind auch Tamara Mischke und Rocco Buß, die seit Juni 2018 das „Wild City Ink“-Studio in Zwischenbrücken betreiben. An diesem Mittwoch startet eine Online-Petition, um die EU zum Umdenken zu bewegen.

Wildeshausen - Wenn die Änderung der Richtlinie in Kraft tritt, sollen blaue und grüne Pigmente nicht mehr erlaubt sein, weil sie besonders intensiv auf die menschliche Haut einwirken. Das würde auch Mischfarben einbeziehen, sodass bei „Wild City Ink“ gut die Hälfte der bisher verwendeten Farben nicht mehr benutzt werden dürfte. Kunden, für deren Traumtattoo die genannten Pigmente notwendig sind, könnten sich ihren Wunsch dann nicht mehr erfüllen, sagt Mischke. Und beim Tätowieren gehe es ja gerade darum, besonders haltbare Tinte zu verwenden, damit die Figuren und Muster nicht nach ein paar Jahren verblassen.

In Deutschland gilt bisher die Tätowiermittel-Verordnung, die 38 Stoffe auflistet, die nicht in der Farbe enthalten sein dürfen. Ansonsten ist nichts verboten, was immer mal wieder zu Problemen führt. So prüfte die Stiftung Warentest 2014 zehn Farben und fand zweimal giftige Stoffe sowie sechsmal Inhalte, die für Allergiker gefährlich werden könnten. Auch das Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei in Mecklenburg-Vorpommern stieß bei einer Untersuchung im vergangenen Jahr unter anderem auf Farbe mit einem zu hohen Kadmium-Gehalt.

Mischke weiß, dass die Branche in den vergangenen Jahren schnell und stark gewachsen ist. Da sei die Regulierung schwierig. Das fängt bei der Ausbildung der Tätowierer an und umfasst auch die Tinte. „Inzwischen kann man bei Amazon Farben bestellen“, beklagt sie. Bei „Wild City Ink“ werde Ware von etablierten Herstellern verwendet. „Und wir halten unsere Hygienestandards hoch“, ergänzt Buß.

Tattoo-Unterschriften ab sofort möglich

So ganz genau wissen die beiden allerdings nicht, welche Stoffe in ihren Farben verwendet werden. Allerdings gebe es kaum Beschwerden von Kunden. Er weise diese auch immer darauf hin, dass sie entsprechende Nachsorge tragen müssen. Beispielsweise sollte sich niemand mit einem frischen Tattoo ins Solarium oder an den Strand legen.

Für die beiden Wildeshauser ist die Petition die „Notbremse, die wir ziehen, damit wir gehört werden“. Die Unterschriftensammlung läuft noch bis zum 15. Februar. Gestartet wurde sie von Jörn Elsenbruch, einem Tätowierer mit mehr als 30 Jahren Berufserfahrung. Die Petition ist an den Bundestag gerichtet, der beschließen möge, das Verbot der blauen und grünen Pigmente für die Herstellung von Tätowiermitteln zu verhindern oder abzulehnen. Abgestimmt werden kann auf der Internetseite www.tattoofarben.info.

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