Drohne fliegt über Felder in der Bauernmarsch / Jäger und Landwirt zufrieden

Damit Rehkitze dem Tod entkommen

Tiersuche: Ein Wärmepunkt, der sich bei näherer Betrachtung als Rehkitz entpuppt. Fotos: Hegering

Wildeshausen – Es ist ein grausamer Tod: Immer wieder werden Rehkitze, die im hohen Gras Schutz suchen, von Mähwerken erfasst und dabei verstümmelt oder umgebracht. Die jungen Tiere können noch nicht schnell genug weglaufen, flüchten also nicht und legen sich stattdessen flach auf die Erde, in der Hoffnung, dass sie von Fressfeinden nicht gesehen werden. Das hilft ihnen allerdings nicht gegen Maschinen. Moderne Mähwerke mit einer Breite von acht, neun Metern lassen ihnen kaum eine Chance. Um die Tiere zu retten, hat der Düngstruper Lohnunternehmer Andreas Debbeler in Kooperation mit der Jägerschaft Wildeshausen erstmals auf eine Drohne gesetzt.

Das 27 000 Euro teure und 4,5 Kilogramm schwere Fluggerät ist mit einer Wärmebild- und einer normalen, aber hochauflösenden Kamera ausgestattet. Die Drohne gehört dem Ganderkeseer Stephan Neitzel, der die Firma Systemtechnik Weser-Ems (Syswe) betreibt, selbst Jäger ist und von Debbeler angeheuert wurde. Frühmorgens sind die beiden in der Wildeshauser Bauernmarsch unterwegs, um die Drohne zu starten. Je früher desto besser, weil sich die Körpertemperatur der Wildtiere dann stärker von der Umgebungstemperatur abhebt.

In der Infrarotansicht zeigt sich ein Wärmepunkt, der sich bei näherer Betrachtung als Rehkitz (Foto oben) entpuppt.

Das Gerät fliegt in einer Höhe von rund 100 Metern größtenteils automatisch die voreingestellten Koordinaten ab und überträgt Infrarotaufnahmen zu einem Bildschirm am Boden. Kitze, Hasen oder Fasanengelege erscheinen als Wärmepunkte, die dann mit der hochauflösenden Kamera überprüft werden.

„Mir ist nicht daran gelegen, Tiere zu töten“

Innerhalb von anderthalb Stunden fliegt die Drohne rund 18 Hektar Wiesen ab. „Dabei wurden mehrere Hasen und ein Rehkitz gefunden. Die Tiere wurden vergrämt, sodass die Flächen anschließend gemäht werden konnten“, teilt Willi Möser vom Hegering zufrieden mit. Die Drohne hat die GPS-Daten der Funde an sein Smartphone übermittelt. Vergrämt heißt in diesem Fall, dass der Jäger die Tiere aufschreckt und seinen Geruch auf der Fläche zurücklässt, sodass sie das Areal erst einmal meiden. Die Alternativmethode zur Drohne besteht darin, mit Hunden über die Felder zu gehen. Dabei müsse man jedoch mehr Zeit aufwenden, gibt Möser zu bedenken. Deswegen bräuchten die Tiere auch einen größeren Vorsprung vor den Mähmaschinen. Der Jäger weist darauf hin, dass Grundstücksbesitzer oder Lohnunternehmer gesetzlich angehalten sind, die Flächen vor der Mahd zu kontrollieren. „Auf der einen Seite ist man verpflichtet, da durchzugehen, damit nichts passiert. Auf der anderen Seite muss man aber auch vernünftig handeln, da ist die Drohne eine gute Lösung“, sagt Möser.

Auch Lohnunternehmer Debbeler ist begeistert. „Die Drohne ist schneller und effektiver, als Hunde einzusetzen.“ Der Düngstruper betont: „Mir ist nicht daran gelegen, Tiere zu töten. Das geht mir gegen den Strich.“ Deswegen sei er sofort dabei gewesen, um beruhigten Gewissens mähen zu können. Demnächst sollen noch 50 Hektar Roggen bei Düngstrup geerntet werden. Davor soll ebenfalls die Drohne zum Einsatz kommen.

Für kommendes Jahr kann sich Debbeler vorstellen, erneut auf die Technik zurückzugreifen. „Wir als Hegering unterstützen das. Die Methode erleichtert uns die Arbeit“, hofft auch Möser, dass das Beispiel Schule macht.  bor

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