Stundenlang Löschangriffe aufbauen

Zwei Düngstruper Feuerwehrleute legen ihre Truppmannprüfung ab

Und weg damit: Lena Depken rollt einen Schlauch aus.

Düngstrup/Ganderkesee - Unsere Zeitung hat das Geschwisterpaar Marc und Lena Depken beim Ablegen ihrer Truppmannprüfung in Ganderkesee begleitet. Beide sind im vergangenen Jahr in die Düngstruper Feuerwehr eingetreten und standen nun vor der ersten großen Herausforderung ihres Feuerwehrlebens.

Ein lausbübisches Grinsen huscht über Marc Depkens Gesichtszüge. Dabei hat der 22-jährige Wildeshauser eigentlich keinen Grund zu lächeln. Der Düngstruper Feuerwehrmann befindet sich mitten in der praktischen Prüfung zum Truppmann auf dem Gelände der Feuerwehrtechnischen Zentrale (FTZ) in Ganderkesee, und es läuft nicht alles rund. Aber Depken geht die Aufgabe, einen Löschangriff mit Schaum auszuführen, betont entspannt an. Seine Schwester Lena, 24 Jahre alt, wohnt in Lüerte, ist auch Mitglied der Feuerwehr Düngstrup und schraubt konzentriert an einem Standrohr – genau wir ihr Bruder legt sie die Truppmann-Prüfung ab.

Jeder, der in der freiwilligen Feuerwehr ist, muss diese Ausbildung machen. Ohne darf man nicht zu Einsätzen fahren, keine brennenden Autos und Häuser löschen oder Menschen aus eingeklemmten Fahrzeugen befreien. Vier Wochen lang haben die Depkens jeden Dienstag- und Donnerstagabend sowie den ganzen Sonnabend gelernt und geübt – alles nebenbei, er ist Tischler in Düngstrup; sie arbeitet in der Wildeshauser Verwaltung.

Jetzt kann es losgehen. Um kurz nach 7 Uhr am Sonnabend treffen sie sich mit Lehrgangsteilnehmern aus Wildeshausen und fahren nach Ganderkesee. Wenn die Sonne scheint, ist es warm, ansonsten herrscht typisches Herbstwetter, aber ohne Regen. Die Geschwister stecken in ihrer Feuerwehrkluft, und nach rund sechs Stunden wird es ernst: Zwei Prüfungskomissionen beobachten und bewerten die Löschangriffe.

Prüfer beobachten und bewerten

Stefan Friebe ist einer der Prüfer und Ausbilder für den „Truppmann1“-Lehrgang. Schon während der vergangenen vier Wochen wurden die Teilnehmer bewertet. „Damit niemand durchfällt, nur weil er am letzten Tag nervös ist“, sagt Friebe. Die Leistung der Prüflinge am Sonnabend bestimmt ein Viertel der Punktzahl. Marc und Lena Depken befinden sich in zwei neunköpfigen Gruppen, deren Mitglieder aus verschiedenen Wehren im Landkreis Oldenburg kommen und die die Übungen gemeinsam absolviert haben. „Nach vier Samstagen ist es so, als wenn alle aus der eigenen Feuerwehr sind“, findet Marc Depken.

Die Prüfer beobachten jeden Handgriff der Lehrgangsteilnehmer wie hier bei Lena Depken.

Dutzende Male werden die Schläuche ab- und aufgerollt, Verbindungen geschlossen und wieder gekappt. Ausbilder Friebe sowie weitere erfahrene Feuerwehrleute stehen abseits und beobachten, wie sich die Teilnehmer schlagen. Die Truppe ist bunt gemischt, einige tragen noch Zahnspange, andere sind schon gestandene Männer und Frauen, die mitten im Berufsleben stehen. Nach den Übungen müssen sich die Feuerwehrleute den Fragen der Prüfer stellen. Zum Beispiel: „Wie viel Wasser geht denn durch das Strahlrohr?“ Lena Depken ist gerade im Angriffstrupp und richtet den Schlauch mit einem Kameraden auf einen imaginären Brand. Sie zögert angesichts der Frage keine Sekunde. „Bei vier Bar sind das 100 Liter.“ Und warum liegt hinter ihr noch jede Menge Schlauch herum? „Damit wir Spielraum haben, wenn wir uns bewegen müssen.“ Aha, der Prüfer geht zufrieden weiter und auch die 24-Jährige wirkt etwas entspannter.

Feuerwehr-Truppmann-Ausbildung in Ganderkesee

 © Ove Bornholt
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Ihr Bruder heftet sich derweil ein Fähnchen mit den Buchstaben „Me“ an den Gürtel. Er ist Melder, muss dem Truppführer berichten. Ein dankbarer Job, bei dem man nicht viel falsch machen kann. Viel Zeit, sich darüber zu freuen, hat der 22-Jährige aber nicht. Sein Trupp soll einen Löschangriff mit Schaum durchführen. Die Feuerwehrleute wuseln durcheinander, packen ihre Ausrüstung und marschieren los. Niemand rennt. „Schnelles Laufen wollen wir den Leuten hier nicht beibringen“, sagt Ausbilder Friebe. Es geht darum, die Handgriffe zu lernen und zu verinnerlichen.

Marc Depken gibt seinen Kameraden ein Signal. Die Schlauchverbindung ist gelöst. - Fotos: bor

Inzwischen liegen die ersten Schläuche. Marc Depken bleibt gelassen im Hintergrund. Auch das lernen die Truppmänner und -frauen: Jeder hat seine Aufgabe, niemand kann alles gleichzeitig machen. Teamwork eben. Dabei geht allerdings etwas schief: Der kurze Plastikschlauch, der die Strahlrohre mit dem Kanister mit dem Schaummittel verbinden soll, wird vergessen. Die Prüflinge bemerken das, holen das Teil und bauen den Löschangriff zu Ende auf. Die Prüfer stehen abseits und tauschen sich über das Malheur aus.

„Ich kann die Note jetzt noch nicht einschätzen“

Lena Depken wartet auf ihre Bewertung. Inzwischen hat sie den zweiten Löschangriff ausgeführt. Während sie sich beim ersten um die Wasserversorgung kümmerte, überwachte sie beim zweiten das Fahrzeug und sorgte dafür, dass kein Material abhandenkommt. „Ich kann das jetzt noch nicht einschätzen“, sagt sie zu ihrer Beurteilung, erfährt aber kurz darauf die gute Nachricht aus dem Mund von Ausbilder Friebe. „Gut gelaufen. Wir sind sehr zufrieden mit euch.“ Am Ende erhält die 24-Jährige 13,5 von 15 Punkten. „Auch wenn es Spaß gemacht hat und ich einiges gelernt habe, bin ich froh, dass die vier Wochen um sind, da mir die Zeit für andere Dinge gefehlt hat. Es wird aber bestimmt nicht der letzte Lehrgang gewesen sein“, sagt sie.

Marc Depken (rechts) geht die Prüfung entspannt an.

Auch ihr Bruder hat bestanden, mit 13 Punkten. Der fehlende Schlauch hat sich in der Endbewertung gerächt. „Ich bin froh, jetzt wieder mehr Freizeit zu haben“, sagt er und grinst wieder. „Aber es hat Spaß gemacht, und ich würde es jederzeit wieder tun.“ 

bor

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