Impro-Theater im LiLi-Kino als „Ladies Night Special“: „100 Prozent weiblich“

„Damendramen“ mit Strohhalm-Krönchen

Ingrid (Mitte) erinnert sich an das letzte Treffen mit ihrem Ex-Mann. - Foto: Nosthoff

Wildeshausen - Von Anja Nosthoff. In Höchstform zeigte sich am Mittwochabend im Wildeshauser Lili-Servicekino das Impro-Theater Bremen. Kein Wunder: Die zur „Ladies Night“ passende Vorstellung unter dem Motto „Damendramen“ war restlos ausverkauft. Das Impro-Theater ist seit etlichen Jahren Stammgast im Kino – zum ersten Mal gab es jedoch einen Auftritt als „Ladies Night Special“.

Die Kino-Bühne wurde dabei zum Schönheitssalon. Und nicht nur der, sondern der ganze Kinosaal war während der Vorstellung tatsächlich fest in Frauenhand. Als einzige Männer fanden sich mittendrin Kinobetreiber Heinz Rigbers und Lichtimprovisateur Gunter Lösel wieder. Natürlich wurde da vor Beginn des Impro-Theaterstücks erst einmal ausgiebig gequatscht – und zwar in der großen Runde, zwischen Schauspielerinnen und Publikum. Schließlich brauchten die drei Theatermacherinnen noch spontanes Input, um mit den Zuschauerinnen ihre Rollen auszutüfteln.

Gut gelaunt brachten die ebenso kreativen wie sensationslustigen Köpfe im Publikum ihre Ideen ein. So war schnell die resolute Krankenschwester Uschi geboren, die in ihrer Freizeit gerne an Motorrädern – und gegebenenfalls wohl auch an deren Besitzern – herumschraubt und mit einem Jüngeren liiert ist. Aus Schauspielerin Nicole wurde die Grundschullehrerin Ingrid, eine rundum ehrliche Frau, die gerne lacht, aber gerade einen Schicksalsschlag verkraften muss: Sie ist gerade frisch geschieden von ihrem Ex-Mann.

Die Dritte im Bunde bekam den Bühnennamen Carolin und sollte eine verheiratete ewige Studentin mit einem kleinen Putzfimmel darstellen. Im Laufe des improvisierten Schauspiels entwickelten sich aus den Potpourri-Rollen immer komplexere Lebensläufe – natürlich stets mit besonderem Hang zur Komik. Während die drei besten Freundinnen Ingrid, Uschi und Carolin ihr monatliches Treffen im „Salon Eva“ zelebrierten, entstanden aus den Gesprächen ständig Vorlagen für urkomische Zwischenszenen, die als Rückblicke, Tag-Träumereien oder Gedanken-Monologe in das Spiel eingeflochten wurden.

So erinnerten sich die Freundinnen an ihren letzten gemeinsamen Urlaub auf Malle. Und was war dabei schnell Gesprächsthema Nummer eins? Natürlich Uschis heißer Urlaubsflirt mit José – der Spanier mit den Brusthaaren, „aus denen man sich einen Pullover hätte stricken können“, wie Carolin anschaulich beschrieb. „Fuhr der nicht auch ein Mofa?“, fragte Carolin ihre Freundin. Und Uschi bestätigte: „Ein heißes Gerät – also beide.“

Das Licht ging aus und fror die Schönheitssalon-Szene ein. Das Spotlight richtete sich nun auf die andere Bühnenhälfte, wo sich Uschi auf einmal im Malle-Urlaub neben José wiederfand, den Anna alias Carolin mit unverwechselbarem Spanisch-Akzent und Gigolo-Gehabe zum Leben erweckte. Nach dem Liebesspiel, für das sich Uschi gestenreich erst einmal Mut antrank, initiierte das Spotlight wieder den sekundenschnellen Szenenwechsel in den Schönheitssalon, der übrigens nach der Keyboarderin Eva benannt war, die auf der Bühne – natürlich ebenfalls improvisiert – für die musikalische Untermalung sorgte. Im Salon schwelgten die Freundinnen weiter in Erinnerungen.

Trotz des vielen aus Eimern getrunkenen Sangrias schien Ingrid ein Bild noch ganz klar vor Augen zu sein: Nämlich wie Uschi am Strand mit ihrem „Strohhalm-Krönchen“ eingeschlafen war. „Und wie der Typ die ganze Zeit um dich herumgelaufen ist, um die Aufschrift auf der Krone zu lesen: Uschi-Muschi, Uschi-Muschi, Uschi-Muschi…“, ließ Nicole alias Ingrid zur Freude der Zuschauerinnen ihrer Fantasie freien Lauf. „Aber du warst danach ja nur eine Nacht im Knast – und wir waren ganz in deiner Nähe.“ Genau das war übrigens eines der tiefsinnigen Fazits des Abends: Beste Freundinnen stehen immer füreinander ein. Und egal wie verkorkst das Leben manchmal sein kann, wenn man mit seinen besten Freundinnen gemeinsam darüber lacht, ist es nur noch halb so schlimm.

Die nächste Gelegenheit sich vom Impro-Theater verzaubern zu lassen, besteht schon am 4. Dezember.

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