Däubler: „AfD unterspült Holocaust-Erinnerungskultur“

Knapp 80 Menschen gedenken ermordeter Juden in Wildeshausen

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Wolfgang Däubler (rechts) und Marina Jalowaja (Zweite von links) sprachen ein paar Worte zum Gedenken.

Wildeshausen - Als die Reden gehalten und die Kränze niedergelegt waren, erklang am Freitagvormittag hebräischer Gesang auf dem jüdischen Friedhof in Wildeshausen. Igor Lev und Ari Eisel von der jüdischen Gemeinde in Oldenburg sowie Marina Jalowaja und Bodo Gideon Riethmüller vom jüdischen Landesverband stimmten anlässlich des Holocaust-Gedenktags das Friedensgebet „Oseh shalom bimromav“ an.

Und das in einer Zeit, in der „Rechtspopulisten wie der AfD-Politiker Björn Höcke die Erinnerungskultur ein Stück weit unterspült haben“, wie der stellvertretende Wildeshauser Bürgermeister Wolfgang Däubler in Vertretung von Jens Kuraschinski mit Bedauern feststellte.

„Lange Jahre war der Schwur ,Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg‘, den die Buchenwald-Überlebenden geleistet haben, ein wesentlicher Bestandteil des Fundaments unserer demokratischen Gesellschaft“, sagte Däubler. „Aber das Fundament scheint zu bröckeln.“ Dabei stehe eine deutliche Mehrheit der Gesellschaft immer noch fassungslos davor, dass es Neonazis gibt und einige eine ganze Mordserie an Menschen mit Migrationshintergrund verübten. Er kritisierte, dass rechtsextremistische Gewalttaten verharmlost würden. „Ja, es darf wieder gehetzt werden, im Netz und Darknet, in einer Weise, die dem ,Stürmer‘ und der Hetzpropaganda von Joseph Goebbels in keiner Weise nachsteht“, so Däubler.

Opfern ein Stück Würde wiedergeben

Unter den knapp 80 Zuhörern waren neben einigen Schulrektoren und zwei Stadtratsmitgliedern sehr viele Schüler. Eine Gruppe las die Namen ermordeter Wildeshauser Juden vor. „Zwölf von sechs Millionen“, sagte Jalowaja, die genau wie die anderen Redner vor Gedenksteinen mit eben diesen zwölf Namen stand. „Wir haben den Opfern mit den Stelen ein Stück Würde zurückgegeben“, hoffte sie. Jalowaja ging auch auf linke und rechte Gruppen sowie Intellektuelle ein, die versuchten, den Antisemitismus wieder salonfähig zu machen. Sie lobte die schon lange Jahre in Wildeshausen stattfindenden Holocaust-Gedenkveranstaltungen. „Für die Mehrzahl der Kommunen in Niedersachsen ist dieser eine Tag wie jeder andere“, kritisierte sie.

Lob an Lehrer und Schüler

Bei der anschließenden Ausstellungseröffnung in der Realschule lobte Rektor Jan Pössel das Engagement der Lehrer und Schüler, die die Schau gestaltet hatten. „Diese Form des Umgangs mit der nicht ganz so leichten Geschichte unseres Landes ist beispielhaft“, erklärte er. Zudem unterstrich Pössel, dass es ein Projekt von Schülern für Schüler sei. „Eure Generation muss Verantwortung übernehmen, sodass so etwas nie wieder passieren kann“, appellierte er.

Knapp 80 Zuhörer waren zur Gedenkveranstaltung auf den jüdischen Friedhof gekommen.

In der Ausstellung sind noch am Montag, 29. Januar, von 14 bis 16 Uhr vielfältige Erinnerungen an Juden und Widerstandskämpfer zu sehen. Im Anschluss an die Reden wurde symbolisch der Staffelstab an das Wildeshauser Gymnasium weitergegeben, das den Gedenktag im nächsten Jahr plant.

bor/lo

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