Dänischer Pilger auf Stippvisite in Wildeshausen

Clausen, der Wanderer zwischen den Welten

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Mit 20 Kilogramm Gepäck auf dem Rücken ist der Däne Karsten Clausen derzeit auf dem Weg von Bremen nach Köln. Gestern ging es von Harpstedt über Wildeshausen nach Visbek.

Wildeshausen - Von Lars Kattner. Es gibt sicherlich kuscheligere Plätze zum Übernachten als irgendwo im Wald zwischen Harpstedt und Wildeshausen. Doch die feuchte Witterung und Temperaturen im knapp zweistelligen Bereich machen Karsten Clausen nichts aus. Und selbst wenn: Bei der Wahl ihrer Schlafplätze konnten die Pilger im Mittelalter auch nicht sonderlich anspruchsvoll sein.

Und genau auf deren Spuren ist Clausen unterwegs. Er pilgert quer durch Europa, und gestern führte ihn sein Weg durch Wildeshausen.

Zugegeben: Ganz und gar wie im Mittelalter ist der 41-jährige Däne nicht auf Wanderschaft. So ist das Smartphone sein ständiger Begleiter, auf seiner Facebook-Seite (facebook.com/pilgrimsrejsen) können seine Freunde den Weg fast in Echtzeit genau verfolgen, von unterwegs postet er Fotos seiner Stationen. Und auch auf sonstige Annehmlichkeiten der Zivilisation verzichtet Clausen nicht völlig. So habe er zwar die vergangenen zwei Tage im Wald übernachtet, aber hin und wieder gönne er sich auch ein Hotel: „Schließlich muss ich ja manchmal duschen, meine Sachen waschen, und Strom brauche ich auch.“

Auf die klassische Kleidung aus Leinen und Baumwolle verzichtet er dagegen nicht – aus historischen wie auch aus ganz praktischen Gründen. „Die hält warm, ohne dass ich dabei schwitze“, sagt Clausen, der am 19. März 2012 im schwedischen Lund mit seiner großen Pilgerreise begonnen hat. Und seit diesem Zeitpunkt ist er Wanderer – ein Wanderer zwischen den Welten, der modernen und der mittelalterlichen.

Allerdings nicht durchgängig, denn im „echten Leben“ ist er eigentlich Ticketkontrolleur in seiner Heimatstadt Kopenhagen. Aber immer, wenn es die Zeit zulässt, geht es auf die Reise, in unterschiedlich langen Etappen. Dem Abschnitt zwischen Lund und Roskilde folgte der Weg von Roskilde nach Maribo, weiter ging es von dort über Lübeck nach Bremen.

Und aktuell führt Clausens Weg von der Hansestadt nach Köln. 16 bis 20 Tage habe er für die etwa 420 Kilometer eingeplant. „Je weiter ich von zu Hause weg bin, desto länger werden die Strecken, die ich laufe. Denn die An- und Abreise wird ja nicht günstiger.“

Etwa 30 Kilometer betrage sein derzeitiges Tagespensum – nicht schlecht, wenn man bedenkt, dass der Wanderrucksack 20 Kilogramm wiegt. Und so werden wohl noch einige Jahre ins Land ziehen, ehe er sein Ziel, den Wallfahrtsort Santiago de Compostela in Spanien, erreicht haben wird.

Zumal die kommende Etappe von Köln über Trier nach Frankreich um ein Jahr verschoben werden muss. „Im kommenden Frühling werde ich meine Freundin heiraten“, verrät der Däne. Geplant ist ein rauschendes Fest, sodass wohl nicht genügend Geld und Zeit für die Pilgerei übrig bleiben werden. Apropos Freundin: Was sagt die eigentlich zu der Aktion ihres zukünftigen Ehemannes? Hält sie ihn für ein kleines bisschen verrückt? „Ganz und gar nicht“, sagt Clausen. „Eher mutig! Ich habe sie in der Mittelalter-Szene kennengelernt, deswegen kann sie das alles gut nachvollziehen. Ich habe ihr auch angeboten, mich zu begleiten, aber das ist ihr zu anstrengend.“

Übrigens: Karsten Clausen pilgert nicht aus religiösen Gründen, er bezeichnet sich selbst als nicht-gläubig. Bei ihm stehe die Geschichte des Mittelalters im Fokus. Dass er trotzdem nahezu jede Kirche ansteuert, die sich auf seinem Weg befindet, liegt auch daran, dass es ansonsten fast keine baulichen Zeitzeugen aus dieser Epoche gibt. Sprach er, und setzte seinen Weg fort, bis Visbek oder ein kleines Stückchen weiter. Und die kommende Nacht? „Mal schauen, irgendein gemütliches Plätzchen habe ich bis jetzt immer gefunden“, war er zuversichtlich.

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