Landrat schockiert

Corona-Krise: Aktuell acht Todesfälle im Landkreis Oldenburg

Eine der Patientinnen verstarb im Johanneum.
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Im Krankenhaus Johanneum in Wildeshausen ist eine Frau, die an Covid-19 erkrankt war, gestorben.

Im Landkreis Oldenburg hat das Coronavirus ein weiteres Todesopfer gefordert. Landrat Carsten Harings äußerte sich betroffen und ist schockiert.

  • Die Corona-Pandemie breitet sich im Landkreis Oldenburg aus
  • In Wildeshausen sind viele Bewohner eines Seniorenheims mit dem Coronavirus infiziert
  • Landkreis Oldenburg: Insgesamt acht Todesfälle in Zusammenhang mit Covid-19

Update, 9. April, 17.35 Uhr: Der Landkreis Oldenburg meldet einen weiteren Todesfall im Zusammenhang mit der neuartigen Lungenkrankheit Covid-19. Bei dem Verstorbenen handelt es sich um einen 79-jährigen Mann. „Auch heute müssen wir leider wieder eine traurige Nachricht vermelden. Unsere Gedanken sind bei den Angehörigen die hoffentlich Kraft in diesen schweren Stunden finden“, sagt Landrat Carsten Harings. Die Anzahl der Todesfälle erhöht sich damit im Landkreis Oldenburg auf acht.

Update, 8. April, 16 Uhr: Im Landkreis Oldenburg gibt es vier weitere Todesfälle, die im Zusammenhang mit einer Infektion mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 und der hierdurch hervorgerufenen Covid-19-Erkrankung stehen. Das teilte der Landkreis am Mittwochnachmittag mit. Die Verstorbenen, ein Mann (85 Jahre alt) und drei Frauen (79, 89 und 92 Jahre alt) seien alle vorerkrankt gewesen. „Es macht einfach nur traurig, dass auch bei uns die Zahl der Todesfälle steigt und wir das vermelden müssen. Das sind schreckliche Entwicklungen. Den Angehörigen spreche ich mein tiefstes Mitgefühl aus“, sagte Landrat Carsten Harings und ergänzte: „Es macht uns brutal deutlich, wie schonungslos diese Pandemie ist und wie ernst die Lage ist. Dem müssen wir alle unbedingt weiter Rechnung tragen und uns entsprechend im täglichen Leben verhalten.“ Die Anzahl der Todesfälle erhöht sich damit im Landkreis Oldenburg auf sieben Verstorbene.

Aber es gibt auch gute Nachrichten: Die am Dienstag durchgeführte Statuskontrolle bei den aus der Seniorenresidenz Atrium in Wildeshausen nach Bookholzberg ins Berufsförderungswerk Weser-Ems verlegten Bewohnern und Mitarbeitern hat indes durchweg negative und damit erfreuliche Testergebnisse hervorgebracht. Somit gibt es zumindest in dieser Einrichtung keine weiteren Corona-Fälle. Wie berichtet, hatte sich bereits mehr als die Hälfte der 51 Senioren aus dem Atrium mit dem Coronavirus angesteckt.

Coronavirus: Aktuelle Zahlen aus dem Landkreis Oldenburg

Offenbar muss die Zahl der am Dienstag gemeldeten Coronavirus-Infektionen nachträglich leicht nach oben korrigiert werden, teilte der Kreis mit. Aktuell gebe es 182 bestätigte Fälle (inklusive genesener und verstorbener Personen) einer Covid-19-Erkrankung, hervorgerufen durch das Virus Sars-CoV-2. Von dieser Gesamtzahl gelten 69 Personen wieder genesen. Sieben Personen sind verstorben. Somit gibt es derzeit 106 bestätigte an Covid-19-Erkrankte im Landkreis Oldenburg – nicht zu verwechseln mit der Gesamtzahl der bislang bestätigten Infektionen seit Beginn der Pandemie. 264 Personen befinden sich aktiv in häuslicher Isolation/Quarantäne. In diesen 264 Personen sind die 106 an Covid-19 Erkrankten eingerechnet.

Bei den aktuell 106 Erkrankten handelt sich um Patienten aus den Gemeinden Ganderkesee (13), Dötlingen (1), Hude (7), Hatten (2), Großenkneten (2) und Wardenburg (5) sowie der Samtgemeinde Harpstedt (1) und der Stadt Wildeshausen (75). Die Genesenen verteilen sich auf Wardenburg (25), Ganderkesee (11), Dötlingen (4), Wildeshausen (8), Hude (13), Hatten (5), Harpstedt (2) und Großenkneten (1). bor

Corona-Krise im Kreis Oldenburg: Strafanzeige gegen Seniorenheim

Update, 7. April, 13 Uhr: Nach dem massiven Corona-Ausbruch in Wildeshausen hat kreiszeitung.de einige Vorwürfe von Mitarbeitern des Seniorenzentrums Atrium am Wall gesammelt und sie der Verwaltung des Landkreises Oldenburg vorgelegt. Die Pflegekräfte und der Geschäftsführer Thomas Münch haben das Verhalten des Gesundheitsamtes kritisiert. Die Kreisverwaltung hat die Anfrage am Montagabend detailliert beantwortet. 

Corona-Ausbruch in Wildeshausen: Landkreis äußert sich zu Vorwürfen des Seniorenheims

Zum Hintergrund: Das Seniorenheim Atrium am Wall in Wildeshausen steht im Fokus, weil sich mehr als die Hälfte der 51 Bewohner mit dem Coronavirus angesteckt hat. Deswegen wurde der gesunde Teil der Senioren auf Anordnung des Kreises am Donnerstag nach Bookholzberg in das Gästehaus des Berufsförderungswerks Weser-Ems evakuiert. Die infizierten Bewohner verblieben in Wildeshausen.

Atrium-Mitarbeiter hinterfragten zunächst, warum eine Pflegefachkraft die Nachtwache zu Freitag in Bookholzberg übernehmen durfte, obwohl nicht klar war, wie ihr letztes Corona-Testergebnis vom Donnerstag ausgefallen war. Dazu erklärt die Kreisverwaltung grundsätzlich, dass sämtliche Mitarbeiter des Seniorenzentrums unter Quarantäne stünden – entweder weil sie selbst infiziert seien oder als Kontaktpersonen. Da die Arbeitskräfte aber unabkömmlich seien, werde die Isolation für die Dienste im Atrium und in Bookholzberg ausgesetzt. Positiv getestete Pfleger betreuten die ebenfalls angesteckten älteren Leute in Wildeshausen, negativ getestete Pfleger die nicht infizierten Senioren in Bookholzberg. 

Corona im Landkreis Oldenburg: Arbeit der Nachtwache absolute Ausnahme

Jetzt zum Einzelfall: Das Gesundheitsamt des Landkreises Oldenburg habe zunächst strikt abgelehnt, dass eine der Angestellten, deren Testergebnis noch nicht vorliegt, in Bookholzberg tätig werden sollte. Doch das Atrium habe im Laufe des Donnerstags mehrfach darauf hingewiesen, dass es keinen Ersatz für eine Person aus dieser Gruppe, eine examinierte Nachtwache, gebe. „Erst als bis etwa 17 Uhr die Nachtwachenversorgung vom Atrium immer noch nicht sichergestellt werden konnte und glaubhaft vom Atrium versichert wurde, es habe sämtliche Möglichkeiten ausgenutzt, wurde die Ausnahme gewährt, dass diese bestimmte Mitarbeiterin mit Schutzausrüstung (FFP2-Maske, Handschuhe, Kittel) die Nachtwache durchführt“, so der Kreis. 

Ein weiterer Vorwurf lautete, dass zwei Mitarbeiter in einem gemeinsamen Haushalt leben und zeitweise eine Person in Wildeshausen sowie eine in Bookholzberg arbeitete. „Auch hier handelte es sich um die eine bestimmte Mitarbeiterin, die die Nachtwache durchgeführt hat. Am Freitag lag das positive Corona-Abstrichergebnis vor. Sofort wurde die Mitarbeiterin aus der Pflege in Bookholzberg genommen. Die zweite im selben Haushalt wohnende Pflegekraft, negativ-getestet, wurde als Kontaktperson ersten Grades ebenfalls aus der Pflege in Bookholzberg genommen“, so Kreissprecher Oliver Galeotti. 

Corona-Krise in Seniorenheim in Wildeshausen: Zustände in Gästehaus zumutbar

Er weist darauf hin, dass eine Corona-Testung (Polymerase-Ketten-Reaktion, PCR) lediglich die Virusproduktion zum Zeitpunkt der Probennahme als Momentaufnahme widerspiegelt. Negativ-getestete Personen könnten bereits infiziert sein, wenn die Probe in der Inkubationszeit genommen wurde. 

Ein weiterer Kritikpunkt sind die Zustände im Gästehaus in Bookholzberg. Diese sollen unangemessen sein. „Das Internat in Bookholzberg ist von der Bausubstanz neu und in gutem Zustand mit gehobenem Hotelniveau“, betont Galeotti. „Auch die Pflegekräfte äußerten sich den Mitarbeitern der Kreisverwaltung gegenüber am Freitag über die Örtlichkeit sehr positiv.“ Als einziges Manko sei angeführt worden, dass die Duschkabinen für den Pflegezweck beengt sind, da sie für einen Bewohner im Rollstuhl und für eine Pflegekraft nicht ausgelegt sind. „Dies ist aber baulich vorgegeben und aktuell nicht änderbar. Da ein Aufenthalt aber zeitlich begrenzt ist, wird dies als zumutbar erachtet“, heißt es aus Sicht des Landkreises. Wie schon am Montag berichtet, bedauert die Verwaltung den nicht ganz reibungslosen Transport der Bewohner per Bus am Donnerstag.

Corona-Krise im Landkreis Oldenburg: Kreis erstattet Strafanzeige gegen Seniorenheim

Originaltext, 6. April: Wildeshausen - Die Zahl der Corona-Toten im Landkreis Oldenburg ist am Wochenende auf drei Personen gestiegen. Gleichzeitig meldete der Landkreis, dass die Zahl der an Covid-19 erkrankten Menschen leicht von 110 auf 100 gesunken ist. Außerdem geht der Streit zwischen dem Kreis und der Seniorenresidenz Atrium am Wall in Wildeshausen weiter.

Laut Mitteilung aus dem Gesundheitsamt vom Montag erlag eine Frau aus dem Landkreis am Samstag im Klinikum Oldenburg den Folgen einer Covid-19-Infektion. Die Verstorbene war 52 Jahre alt und hatte schwere Vorerkrankungen. Am Sonntag verstarb im Krankenhaus Johanneum zudem eine 85-Jährige, die ebenfalls vorerkrankt war. Aus welchen Gemeinden die beiden Personen kommen, wollte der Landkreis nicht sagen.

Coronavirus im Landkreis Oldenburg: 169 bestätigte Fälle

„Mit großem Bedauern müssen wir zwei weitere Todesfälle bekannt geben. Ich bin erschüttert und spreche den Angehörigen mein Beileid aus“, sagte Landrat Carsten Harings und ergänzte: „Die Krankheit kann jeden treffen. Daher ist es wichtig, dass die Regeln wie beispielsweise Abstand halten und Kontakte vermeiden von der Bevölkerung strikt eingehalten werden.“

Die Gesamtzahl der Coronavirus-Infektionen im Landkreis Oldenburg beträgt 169 bestätigte Fälle (inklusive genesener und verstorbener Personen) einer Covid-19-Erkrankung (Stand 6. April, 14 Uhr). Von dieser Gesamtzahl gelten 66 Menschen als genesen. Somit gibt es derzeit 100 bestätigte an Covid-19 Erkrankte – nicht zu verwechseln mit der Gesamtzahl der bislang bestätigten Infektionen seit Pandemie-Beginn (Zum Vergleich: Am Sonntag waren 110 Personen erkrankt). 280 Menschen befinden sich insgesamt in Isolation/Quarantäne.

Corona im Landkreis Oldenburg: Gemeinden und Städte betroffen

Bei den Erkrankten handelt sich um Patienten aus den Gemeinden Ganderkesee (5), Dötlingen (2), Hude (6), Hatten (1), Großenkneten (2) und Wardenburg (6) sowie der Stadt Wildeshausen (78). In der Samtgemeinde Harpstedt zählt die Statistik zwei Genesene. Weitere Genesene verteilen sich auf Wardenburg (23), Ganderkesee (11), Dötlingen (3), Wildeshausen (8), Hude (13), Hatten (5) und Großenkneten (1).

Ebenfalls am Montag bestätigte der Landkreis Oldenburg, dass zwei ehemalige Atrium-Bewohner, die am Donnerstag mit 13 anderen nicht infizierten Senioren aus der Altenpflegeeinrichtung nach Bookholzberg evakuiert worden waren, am Freitag positiv auf das Coronavirus getestet worden sind. Sie befinden sich jetzt wieder im Atrium. Die Seniorenresidenz war in die Schlagzeilen geraten, weil sich über die Hälfte der Bewohner mit dem Virus angesteckt hatte. Nach jetzigem Stand sind es 37 von 51 Senioren. Für Dienstag ist ein weiterer Test in Bookholzberg angesetzt.

Coronavirus: Streit zwischen Landkreis und Atrium geht weiter

In sozialen Netzwerken hatten Mitarbeiter des Seniorenheims Atrium in Wildeshausen und auch dessen Geschäftsführer Thomas Münch schwere Vorwürfe erhoben. Letzterer behauptete, unter anderem hätte das Gesundheitsamt des Landkreises Oldenburg am Donnerstag einen Abstrich bei einer Pflegekraft machen lassen, diese dann aber in der Nachtschicht arbeiten lassen, bevor das Testergebnis vorlag. Dieses sei dann positiv gewesen. 

Zudem sei die Evakuierung am Donnerstag ohne Absprache erfolgt und habe den psychischen Druck für die Bewohner noch einmal erhöht. Münch spricht von „Panik im Landratsamt“. Einige Mitarbeiter des Atriums beschreiben die vergangenen Tage als „Hölle auf Erden“, weil „wir Schuld sein sollen, dass so Viele krank sind“. Man habe sich an die Vorgaben des Gesundheitsamtes gehalten. Dieses habe hingegen beim Bustransfer nach Bookholzberg schwere Fehler gemacht. Einige Senioren hätten sich im Bus die Schutzmasken entfernt und außerdem mehr als zwei Stunden im Fahrzeug warten müssen.

Corona-Krise im Landkreis Oldenburg: Kreis erstattet Strafanzeige

In der Pressemitteilung des Kreises heißt es: „Die Kreisverwaltung bedauert den nicht ganz reibungslosen Transport der Bewohner per Bus.“ Jedoch sei wegen den zahlreichen Verstößen gegen die verhängten Auflagen im Atrium sofortiges Handeln geboten gewesen. „Ausreichend Platz für den notwendigen Abstand war in dem hinreichend großen Bus vorhanden. Jedoch war das Zeitmanagement nicht den tatsächlichen Begebenheiten angepasst, wofür sich die Kreisverwaltung entschuldigt.“

Dennoch sei der Kreis überzeugt, mit der Verlegung der Bewohner die richtige Maßnahme durchgeführt zu haben. Der Kreis geht im Einzelnen nicht weiter auf die Vorwürfe ein und verweist auf Ermittlungen der Staatsanwaltschaft. Dort hatte der Kreis am Samstag Anzeige wegen Verstoßes gegen das Infektionsschutzgesetz gegen das Seniorenheim Atrium in Wildeshausen erstattet. „Für die Kreisverwaltung stellen sich die jüngsten durch die Geschäftsführung des Atrium am Wall über die Presse und soziale Medien verbreiteten Darstellungen rund um die Covid-19-Infektionen im Atrium als abenteuerlich dar. Ziel scheint es zu sein, den Fokus der Öffentlichkeit von sich weg auf andere Beteiligte zu lenken.“

Alle aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus in Niedersachsen gibt es laufend in unserem News-Ticker.

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