Computer weg, Einbruch nicht nachzuweisen

Kontroverse Aussagen lassen kein Urteil zu

+
Mediengruppe Kreiszeitung

Wildeshausen - Wer glaubt, dass im Gerichtssaal nach zweistündiger Verhandlung und bei Anwesenheit der wesentlichen Beteiligten die Wahrheit ans Licht kommt, musste sich am Donnerstag im Amtsgericht Wildeshausen eines Besseren belehren lassen.

Nach der Devise „Im Zweifel für den Angeklagten“ sprach die Richterin einen 30-jährigen Soldaten aus Köln frei, dem die Staatsanwaltschaft den Einbruchsdiebstahl von zwei Tablets und einem Notebook vorwarf. Nach der Zeugenvernehmung nahm der Staatsanwalt die Anklage jedoch zurück und plädierte auf Freispruch, weil nicht klar war, ob es überhaupt eine Straftat gegeben hatte.

Was sich am Abend des 13. Oktober ereignet hat, ließ sich nicht in Ansätzen klären. Der Soldat berichtete, dass er seine damalige Freundin, von der er jetzt getrennt lebe, mit dem Auto zu deren Schwägerin von Dortmund nach Wildeshausen gebracht habe. Nach einem Streit habe diese dort zwei Reisetaschen abholen wollen. Das vereinbarte Treffen habe nicht stattgefunden, doch die 23-Jährige habe einen Zweitschlüssel gehabt und die Reisetaschen aus der Wohnung gebracht. Danach, so die Frau, die als Zeugin geladen war, habe sie den Schlüssel in der Wohnung zurückgelassen und sei mit dem Angeklagten nach Dortmund zurückgefahren.

Ganz anders die Schilderungen der 28-jährigen Wildeshauserin und dreifachen Mutter. Sie habe per Handy-nachricht angekündigt, etwas später zu kommen. Als sie ihre schlafenden Kinder in die Wohnung getragen habe, sei ihr aufgefallen, dass die Jalousien heruntergezogen waren, Blumenerde im Badezimmer unter dem Fenster lag und drei Reisetaschen sowie die drei Computer gefehlt hätten. Darunter ein Tablet ihres Vaters, das sie originalverpackt im Internet versteigern wollte. Sie habe die Polizei verständigt, die die Einbruchsspuren aufgenommen habe. Gleichzeitig habe sie den Angeklagten per Handynachricht aufgefordert, die Sachen sofort zurück zu bringen. Der habe aber nur seine Kontaktdaten übermittelt.

Während der Nachrichtenverkehr vor dem geplanten Treffen offenbar vollständig für das Gericht dokumentiert war, fehlten alle späteren Meldungen. Es gab weitere Ungereimtheiten, denn die Wildeshauserin wollte sogar unter Eid bezeugen, dass sie nie einen Zweitschlüssel an ihre ehemalige Freundin gegeben habe. Diese behauptete jedoch das Gegenteil.

Die Computer waren später auch im Rahmen einer Hausdurchsuchung beim Angeklagten nicht aufgetaucht. Die Versicherung der Geschädigten lehnte einen Ausgleich ab, weil die allein erziehende Mutter die letzte Rate nicht gezahlt hatte. Der Soldat schilderte mit Nachdruck, dass er sich nach einem Fahren ohne Fahrerlaubnis und einer Gehorsamsverweigerung nichts mehr zu Schulden kommen lassen dürfe. Andernfalls sei er seinen Job los.

Angesichts fehlender Beweise sprach die Richterin den 30-Jährigen frei, während die Wildeshauserin erschüttert zurückblieb und nach Ende der Verhandlung kaum noch in der Lage war, zu sprechen.

dr

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

20. Etappe: Froome hat vierten Toursieg so gut wie sicher

20. Etappe: Froome hat vierten Toursieg so gut wie sicher

Gute Stimmung auf dem Campingplatz beim Deichbrand

Gute Stimmung auf dem Campingplatz beim Deichbrand

Bartels trifft gegen Ex-Club, aber Werder verliert

Bartels trifft gegen Ex-Club, aber Werder verliert

Israel nimmt nach Anschlag Bruder des Attentäters fest

Israel nimmt nach Anschlag Bruder des Attentäters fest

Meistgelesene Artikel

18-Jähriger im Alfsee bei Bramsche ertrunken

18-Jähriger im Alfsee bei Bramsche ertrunken

Ein Kneipenviertel am Stellmacherplatz?

Ein Kneipenviertel am Stellmacherplatz?

„Schekhan-Markt“ eröffnet neuen Verkaufsraum mit breiterem Angebot

„Schekhan-Markt“ eröffnet neuen Verkaufsraum mit breiterem Angebot

Unfall bei Unwetter: Auto überschlägt sich mehrfach

Unfall bei Unwetter: Auto überschlägt sich mehrfach

Kommentare