Chor „African Vocals“ singt sich in die Herzen der Wildeshauser

African Vocals: Joel Nambuli (Chorleiter), Josef Elia, Sebulon Hoaeb, Reinhard Kahambuee, Eduardo And in, Markus Tjiposa, Theoley Majiedt, Mattheus Elango (v.l.) Foto: Rinne

Wildeshausen – Afrikanische Chormusik der Extraklasse lieferte der Chor „African Vocals“ am Freitagabend in der Alexanderkirche in Wildeshausen. Auf ihrer dritten Tournee durch Deutschland nach 2014 und 2017 werden die acht Sänger des Chores insgesamt 25 Auftritte absolvieren. Ihr Weg führte zum ersten Mal nach Wildeshausen.

Bereits das erste Stück ließ das Publikum aufhorchen. Ein unglaublich kompakter, harmonischer Klangkörper, der den Kirchenraum förmlich durchflutete. Mit dem Einsatz der Djembe, einer afrikanischen Trommel, nahm der Vortrag richtig Fahrt auf. Der Funke sprang auf die Zuschauer über.

Tempowechsel und für Europäer ungewohnte Rhythmen prägten den ursprünglich afrikanischen Gesang dieser Vollblutmusiker. Es war faszinierend, wie allein die Sprache in einem Lied, das der Chor auf Suaheli sang, für einen Rhythmus sorgte, der die Unterstützung der Djembe überflüssig machte.

Joel Nambuli führte als Chorleiter humorvoll durch das Programm. Er baute gleich zu Beginn des Programms einen „Running Gag“ ein. Drei aufeinanderfolgende Gospel kündigte er mit den Worten „This is a Gospel“ an, um das vierte Lied lachend mit „This is not a Gospel“ zu präsentieren. Gospel oder kein Gospel war von dem Moment an die Frage. Ohnehin nahmen die Sänger die Tücken des Alltags in ihrem Township mit einer Portion Ironie aufs Korn. Egal, ob es um ein schrottreifes Auto oder das erste Fahrrad ging, sie erzählten singend und tanzend und mit viel Humor.

„Ich fand es qualitativ äußerst anspruchsvoll. Dass die Sänger die Sprache und Musik ihrer unterschiedlichen Ethnien präsentiert haben, hat mir besonders gefallen“, zeigte sich Ingrid Zeisberg-Scholz aus Wildeshausen beeindruckt.

Dabei versprühten die Musiker eine Lebensfreude, die angesichts ihres Hintergrundes schier unmöglich scheint, wie Regine Hink aus Delmenhorst zu berichten wusste. Die jungen Sänger kommen überwiegend aus Mondesa, dem Township in Swakopmund in Namibia. „Singen ist für sie wie Atmen“, berichtete Hink, die auf den Chor bei der vergangenen Tournee in Deutschland aufmerksam geworden war und das Ensemble bis zum Ende der Tournee ehrenamtlich managt.

Aber auch die Namibier bringen für ihren Traum vom Berufsmusikerleben Opfer. Oftmals hängen viele Menschen an dem Job, den sie in ihrer Heimat ausüben. Während der Tournee verdienen sie nichts. Einen Teil der Eintrittsgelder verwenden sie sogar noch für soziale Projekte in Mondesa.

„Sie wollen nicht nur Vorbild für Kinder und Jugendliche sein, indem sie ihnen Hoffnung, Inspiration und Ermutigung geben. Sie sind auch Botschafter für authentische namibische Kultur, Musik und Traditionen, und wollen mit ihrer Musik voller afrikanischer Lebensfreude und Spiritualität ein positives und hoffnungsvolles Afrikabild vermitteln“, wie Pastorin Beate Konukiewitz in ihrer Begrüßungsrede betonte.

In Wildeshausen haben sie sich in die Herzen der Zuschauer gesungen, die dem Chor mit starkem Beifall eine Zugabe abtrotzten. Zugaben sind in Afrika eigentlich nicht üblich, wie eine Besucherin nach dem Konzert verriet.  hri

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