Massive Kritik an Stadtverbandsvorsitzendem

CDU-Urgestein Manfred Rollié lässt Mitgliedschaft ruhen

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Manfred Rollié ist unzufrieden mit der Arbeit des CDU-Stadtverbandsvorstandes. Er lässt die Mitgliedschaft ruhen.

Wildeshausen - Von Dierk Rohdenburg. Der langjährige Wildeshauser Bürgermeister und einzige Ehrenbürger der Stadt, Manfred Rollié, hat dem CDU-Kreisverband in der Nacht zu Dienstag mitgeteilt, dass er seine Mitgliedschaft nach 60 Jahren ruhen lässt. Damit protestiert er gegen den Umgang des CDU-Stadtverbandsvorsitzenden Wolfgang Sasse mit den sechs aus der CDU-Fraktion ausgetretenen Ratsherren und setzt ein deutliches Signal.

„Ich gehe davon aus, dass mir einige in der Stadt folgen werden“, so der 88-Jährige am Dienstagmorgen auf Nachfrage. „Es stehen viele auf der Schwelle zu dieser Entscheidung“, sagte er mit Blick auf langjährige CDU-Mitglieder.

Rollié hatte seine Entscheidung per E-Mail an den Stadtverband, die Bundestagsabgeordnete Astrid Grotelüschen und den Landtagsabgeordneten Karl-Heinz Bley geschickt. Formal gibt es zwar keine ruhende Mitgliedschaft bei der CDU, da der Christdemokrat aber seine Einzugsermächtigung für die Beiträge zurückgezogen hat, wäre sein Mitwirken formal mit Ablauf dieses Jahres beendet.

Rollié hatte bereits am 12. Februar seine Absicht erklärt, die Mitgliedschaft ruhen lassen zu wollen. Nach einem Gespräch mit Sasse hatte er aber nach eigenen Angaben diese Entscheidung zunächst zurückgezogen, weil er auf klärende Gespräche hoffte. „Es war Stillschweigen vereinbart worden. Leider hat sich der Stadtverbandsvorsitzende auch daran nicht gehalten“, beklagte Rollié, der in seinem neuen Schreiben die Gründe für seinen Schritt nennt: „Obwohl die CDU, für die ich viel und aus Überzeugung Jahrzehnte gearbeitet habe, nach wie vor meine politische Heimat ist, bin ich mit der Führung im Ortsverband Wildeshausen und der Stadtratsfraktion absolut nicht mehr einverstanden; vielmehr halte ich sie im Sinne der CDU für schädlich.“

„Ignorantes und arrogantes Verhalten“

Er fährt fort: „Ich werfe dem Vorsitzenden ignorantes und arrogantes Handeln vor, das nun seit Langem anhält. Wenn dann noch Unwahrheiten und Desinformationen hinzukommen, ist die Grenze dessen erreicht, bis zu der man ein Handeln tolerieren kann.“

Seit Februar, so Rollié habe sich im Sinne von Verbesserung leider nichts geändert. Ziel hätte es seiner Meinung nach sein müssen, die sechs CDW-Ratsmitglieder wieder in die Fraktion der CDU zurückzuholen. „Das hätte selbstverständlich auch vom derzeitigen Vorsitzenden Kompromisse und auch Aktivitäten verlangt. Zu diesen war er aber in keiner Weise bereit. Eine Mediation hat er angeblich kategorisch abgelehnt. Wer aber nicht einmal dieser zuzustimmen bereit ist, dem muss man schon unterstellen, dass er an seinen Posten wie Pech klebt.“

Rollié kritisiert auch: „Wer den Austritt von sechs Fraktionsmitgliedern über Monate nicht zum Thema einer Ortsversammlung macht, obwohl er selbst nur noch von drei Fraktionsmitgliedern gestützt wird, der ist als Vorsitzender völlig ungeeignet. Sich bei diesen Mehrheitsverhältnissen auf die Zweidrittelregelung in den Parteistatuten zu berufen ist schon peinlich, wenn man diese nur mit der eigenen Stimme verhindert.“

Bley appelliert, nach Verständigung zu suchen

Bley bezeichnete es auf Nachfrage unserer Zeitung als „sehr bedauerlich“, dass es in der Wildeshauser CDU-Fraktion zum Bruch gekommen ist. „Ich halte den geplanten Rauswurf der CDU-Mitglieder zudem für einen Fehler“, erklärte er mit Blick auf das Ausschlussverfahren. „Es ist nie zu spät, miteinander zu reden“, appelliert er an die Beteiligten. Gleichzeitig befürchtet er, dass es eine Austrittswelle bei den heimischen Christdemokraten gibt, wenn keine Verständigung gesucht wird.

Die Stellungnahme von Sasse fiel kurz aus: „Da es sich um ein laufendes Verfahren handelt, kann und werde ich mich in der Sache nicht äussern. Dafür bitte ich um Verständnis.“

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