Parade auf der Herrlichkeit mit Thorsten Schmidtke

Bürgermeister in Haft und Abschied von Oberst Frost

Im Rathaus von Großenkneten nahm die Wachkompanie mit Hauptmann Detlev Hohn (l.) Thorsten Schmidtke fest. - Foto: Beumelburg

Wildeshausen - Von Dierk Rohdenburg. 125 neue Rekruten hat die Wildeshauser Schützengilde am Dienstag auf der Herrlichkeit vereidigt. Darunter war Bürgermeister Thorsten Schmidtke aus Großenkneten, der bereits um 9 Uhr von der Wache in seinem Rathaus festgenommen wurde. Er entging einer Zwangsmitgliedschaft, weil er sich freiwillig zum Gilde-Eintritt bereiterklärte.

Gilde-General Jens Kuraschinski hatte das Dekret unterzeichnet, weil Schmidtke in der Nacht zum 15. Mai in Wildeshausen dabei beobachtet wurde, als Nicht-Mitglied das Gildefest mitzufeiern und sogar um Mitternacht an der Gilde-Uhr an der Westerstraße angetroffen wurde. „Das hatten wir als Spionage zu werten“, so Kuraschinski. „Dieser Schaden konnte nur durch eine Zwangsmitgliedschaft gutgemacht werden.“ Schmidtke hatte sich allerdings in einem längeren Gespräch geständig gezeigt und die Zusammenarbeit angeboten. So konnte er als freier Mann die Herrlichtkeit betreten und den Eid ablegen.

Auch sonst war einiges anders als gewöhnlich am Pfingstdienstag. Oberst Ernst Frost führte das letzte Mal den Rockappell durch, bevor er zum Generalmajor befördert wurde. Ebenfalls ein letztes Mal trank er mit dem Leiter des Musikkorps Wittekind, Ingo Poth, einen Schluck aus dem Flachmann. „Trink ruhig. Das Zeug ist innerlich und äußerlich anwendbar“, forderte ihn Poth auf, um dann zu erzählen: „Der Oberst hat gerade Klosterfrau Melissengeist zu sich genommen.“

Tambourmajor Wolfgang Niester klagte dem Oberst, dass ihm die Füße wehtun. Den Vorschlag von Frost, in Zukunft ein Skateboard oder einen Rollstuhl zu benutzen, wollte Niester dann aber doch nicht annehmen.

Thorsten Schmidtke wohlbehalten auf der Herrlichkeit.

Zum Abschluss des Ummarsches mussten dieses Jahr Offiziere und Soldaten der Wachkompanie zusammen mit den Spielleuten ein kleines Tänzchen auf der Herrlichkeit aufführen, bei dem es gar nicht so leicht war, die richtige Schrittfolge einzuhalten. Der Oberst wagte zwar einen kurzen Tanz, ließ es dann aber bleiben, um nicht mit verknoteten Beinen zur Beförderung zu erscheinen. „Es fällt mir schwer, dich zu verabschieden“, erklärte General Kuraschinski. „Deine Wurzeln reichen tief in die Gilde.“ Kuraschinski zeichnete mit wenigen Worten die Karriere Frosts nach, der bereits 1957 in die Bürgergemeinschaft eingetreten war, 1970 Schaffer wurde und dann die Offizierslaufbahn durchlief. Zum Dank für seinen zehnjährigen Dienst als Oberst erhielt Frost ein Gemälde mit seinem Konterfei. Neuer Oberst ist nun Wilhelm Meyer, der sogleich souverän das Kommando übernahm und zusammen mit dem General die neuen Rekruten vereidigte. So lang wie in diesem Jahr war die Liste der neuen Mitglieder schon lange nicht mehr. Ein großer Beweis dafür, dass die Gilde nichts an Attraktivität eingebüßt hat.

Gildefest in Wildeshausen: Parade auf der Herrlichkeit

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