Bürger- und Geschichtsverein bietet Plattform zum „Streiten“: Risiken, Chancen und Alternativen diskutiert

Neubau am Marktplatz erhitzt Gemüter

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Bernd Oeljeschläger (l.) konnte viele Interessierte begrüßen.

Wildeshausen - Von Anja Nosthoff. „Wir wollen uns heute hier informieren, wollen diskutieren und vielleicht auch streiten“, so begrüßte Bernd Oeljeschläger vom Wildeshauser Bürger- und Geschichtsverein am Samstagmorgen seine Gäste in der alten Gepäckhalle des Bahnhofs. In dem sanierten historischen Gebäude richtete der Verein eine Bürgerversammlung und Podiumsdiskussion anlässlich des geplanten Abrisses dreier Häuser am Marktplatz sowie der dort angestrebten Ansiedlung eines Einzelhandels-„Magneten“ aus.

Auf dem Podium diskutierten Sandra Emmerling von der Unternehmensberatung Dr. Lademann und Partner – die Firma, die für die Stadt Wildeshausen das Einzelhandelsentwicklungskonzept erstellt hat – der neue Wirtschaftförderer der Stadt, Claus Marx, sowie für den Blick von außen der Oldenburger Architekt und Buchautor Daniel Fuhrhop und der ehemalige Baudezernent des Landkreises Oldenburg, Folker von Hagen. Außerdem waren die Vertreter der Ratsfraktionen von CDU, SPD, UWG, Grüne und Linke mit von der Partie.

Oeljeschläger behielt Recht: Zu dem brisanten Thema kamen viele unterschiedliche Meinungen auf den Tisch, was mitunter zu hitzigen Diskussionen führte, in die sich auch die Bürger einmischten. Auf dem Podium vertraten Gutachterin Emmerling, Wirtschaftsförderer Marx sowie die Ratsvertreter Wolfgang Sasse (CDU) und Evelyn Goosmann (SPD) die Position, die vom aktuellen Einzelhandelsgutachten für Wildeshausen empfohlen wird: Da der Westring mit einer ungeheuren Sogwirkung auf das Umland ausstrahlt, wird die Chance gesehen, diese Kaufkraft aus dem Umland auch in die Innenstadt zu locken. Das soll mit der Ansiedlung eines „Magneten“ gelingen.

Andere Ratsvertreter standen dem Vorhaben eher skeptisch gegenüber. Als größtes Problem kristallisierte sich heraus, dass „die Katze im Sack gekauft“ werden müsste. Gebe man dem Investor grünes Licht für Abriss und Neubau, sei noch lange nicht klar, welcher oder welche Mieter dort einziehen könnten, so UWG, Linke und Grüne. „Aus dem gewünschten ‚Magneten‘ könnte also auch ein Ein-Euro-Laden werden“, folgerte Birgit Blocksdorff, Mitinhaberin der Buchhandlung „bökers am Markt“, die sich im Erdgeschoss eines der betroffenen Häuser befindet.

Doch ebenso wenig kann die Stadt dem Investor das Bauen verbieten – selbst wenn sie es wollte. Mitspracherecht hat die Stadt lediglich dann, wenn es um die Veränderung oder Beeinträchtigung des Marktplatzes geht. Konkret dreht sich die Meinungsbildung also um die Gestaltung der Fassaden. Die Entwürfe hat der Investor dem Rat bereits vorgelegt, jedoch warten die Ratsmitglieder aktuell auf neue Visualisierungen, auf denen das geplante Projekt besser zu erkennen sein soll.

Während Traute Sandkuhl (Grüne) die jetzige Situation in der Innenstadt trotz vieler Leerstände positiv bewertete („Wenn Kaufleute und Kunden mit Kaufkraft und Sortiment zufrieden sind, muss man das doch durchgehen lassen“), verschrieb sich Goosmann dem Ziel, die Stadt frühzeitig zukunftsfähig zu machen. Die betroffenen Häuser seien aktuell nicht schön. „Allerdings muss der Neubau richtig toll werden. Deshalb suchen wir ja das Gespräch mit dem Investor, der auch bereit ist, sich darauf einzulassen“, sagte sie.

Kreszentia Flauger (Linke) dagegen fühlte sich von dem Investor „veräppelt“. So schlechte Zeichnungen eines Projekts habe sie noch nie vorgelegt bekommen. Was die Innenstadt brauche, sei mehr Flair, Gemütlichkeit und ein Sortiment, das woanders nicht zu finden sei, statt mithilfe eines „Magneten“ zu versuchen, eine Großstadt nachzuahmen. „Das wird uns sowieso nicht gelingen.“

Rainer Kolloge (UWG) und Daniel Fuhrhop, Buchautor von „Verbietet das Bauen“, waren sich einig, dass Konkurrenz nicht nur das Geschäft beleben kann, sondern, dass eine neue Ansiedlung auch zwangsweise Kaufkraft an anderer Stelle in Wildeshausen abschöpfen würde. Man solle sich auf das besinnen, was man habe. Kolloge warnte davor, alles blind nach dem Willen des Investors auszurichten. Fuhrhop schlug sogar vor, nach einem Oldenburger Beispiel zu handeln: „Dort haben 800 Bürger ein Haus erworben. Nicht, um daraus den größtmöglichen Ertrag zu erwirtschaften, sondern einfach, um es zu erhalten.“

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