Buchautorin bemängelt fehlendes Beratungsangebot – das soll sich nun ändern

Patchwork-Familien werden stiefmütterlich behandelt

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Susanne Petermann stieß mit ihrem Anliegen bei Ansgar Focke auf offene Ohren. Er möchte sich auf Landesebene dafür einsetzen, dass Stiefeltern eine Anlaufstelle bekommen.

Landkreis - Von Karsten Tenbrink. Stiefmütter werden mit ihren speziellen Problemen – sowohl rechtlicher als auch psychologischer Art – allein gelassen. Zu diesem Schluss kommt die Journalistin Susanne Petermann nach den Recherchen für ihr Buch „Du hast mir gar nichts zu sagen – Stiefmutter sein ist nichts für Feiglinge“. Die gebürtige Wildeshauserin wirbt dafür, eine Anlaufstelle für Betroffene zu schaffen. Und bekommt dabei nun Unterstützung.

„Selbst wenn eigentlich alles gut läuft: Patchwork-Familien sind immer kompliziert“, sagt Petermann. Sie hat selbst einen Mann mit drei Kindern aus erster Ehe geheiratet. Solche Beziehungen seien heutzutage alltäglich. Und doch habe sie kein einziges Beratungsangebot gefunden, dass sich an Menschen in einer solchen Situation richtet. Dabei wäre Unterstützung enorm wichtig – besonders dann, wenn es eben mal nicht gut läuft.

Vor zweieinhalb Jahren begann sie, sich mit dem Thema intensiv auseinanderzusetzen. Im Rahmen der Recherche für ihr Buch habe sie mit mehr als 500 Frauen gesprochen. Manche von ihnen haben es mit jüngeren, andere mit älteren Stiefkindern zu tun, bei einigen kommt noch eigener Nachwuchs hinzu. Es gibt die leiblichen Elternteile, sofern diese nicht verstorben sind, und weitere Familienangehörige, die das Beziehungsgeflecht beeinflussen. Manche Frauen leben permanent mit den Stiefkindern zusammen, andere nur an Besuchswochenenden. Die Situation von Stiefmüttern und die sich daraus ergebenden Konflikte seien vielfältig. Besonders viel Sprengstoff stecke erfahrungsgemäß in Fragen der Erziehung und in dem Verhältnis zum leiblichen Elternteil, weiß Petermann.

Die 52-Jährige ist inzwischen zu einer regelrechten Expertin geworden, wenn es um verschiedene Konstellationen und die Rolle einer Frau darin geht. Seit November vergangenen Jahres schreibt sie auf einer eigenen Internetseite, dem „Stiefmutter-Blog“, und im sozialen Netzwerk Facebook darüber. Sie thematisiert emotionale, aber auch juristische Konflikte. „Stiefeltern haben erst einmal keine Rechte, nur Verpflichtungen“, sagt Petermann. Sie dürften nicht einmal ohne weiteres mit dem Kind des Partners zum Arzt gehen.

„Ich habe einen Nerv getroffen“, ist sich die heute in Ganderkesee lebende Frau sicher. Das zeigten die rund 40000 Besucher auf ihrer Internetseite und deren Rückmeldungen. „Stiefmütter werden in ihrer Situation völlig allein gelassen, es gibt nirgends beratende Hilfe“, so Petermann. Vorhandene Angebote richteten sich ausschließlich an die leiblichen Eltern und die Kinder. „Das Thema ist in der Familienpolitik noch immer nicht angekommen“, sagt die Autorin, obwohl es so viele Menschen beträfe. Damit künftig auch Stiefeltern eine Anlaufstelle haben, wo ihnen zugehört und geholfen wird, hofft sie auf politische Unterstützung.

Auf offene Ohren stieß sie damit jetzt beim Landtagsabgeordneten Ansgar Focke (CDU). Dem ist die Situation nicht völlig fremd: Nach dem Tod seiner Mutter heiratete sein Vater ein zweites Mal. Er selbst wohnte damals allerdings schon nicht mehr in seinem Elternhaus. Fockes erster Gedanke war, die Gruppe der Stiefeltern mit ihren besonderen Umständen in das Beratungsangebot der Familien- und Kinderservicebüros aufzunehmen, die bei den Jugendämtern der Landkreise angesiedelt sind. Er wolle zunächst auf die Kollegen der anderen Fraktionen zugehen und mit ihnen eine parlamentarische Beratung anstoßen, so Focke.

www.stiefmutterblog.com

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