„Kein Sport ist auch keine Lösung“

Buch der Wildeshauser Autorin Kerstin Friedrich: Vom Couch-Potato zur Sportlerin

Präsentieren das Werk: Buchhändler Peter Gebhardt (links), Autorin Kerstin Friedrich und „Auszeit“-Geschäftsführer Marcell Görke.
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Präsentieren das Werk: Buchhändler Peter Gebhardt (links), Autorin Kerstin Friedrich und „Auszeit“-Geschäftsführer Marcell Görke.

Vom Sofa ins Fitnessstudio: Die Wildeshauser Autorin Kerstin Friedrich beschreibt im Buch „Kein Sport ist auch keine Lösung“, wie sie ihr Übergewicht loswurde.

Schonungslos gegenüber sich und anderen hat die Wildeshauserin Kerstin Friedrich (63) ihren Wandel von der übergewichtigen, auf dem Sofa sitzenden Faulenzerin zur sportlichen Frau beschrieben. In ihrem vor Kurzem veröffentlichten Motivationsbuch „Kein Sport ist auch keine Lösung“ beschreibt die Unternehmensberaterin, wie es ihr gelungen ist, sich nach jahrzehntelangem Nichtstun aufzuraffen. Wesentlicher Anstoß dafür war, mitanzusehen wie stark und schnell ihre in Bremen wohnende Mutter im Alter körperlich verfallen ist.

Um diese zu pflegen, war Friedrich vor ein paar Jahren nach Wildeshausen gezogen, wo ihre Mutter einen Platz in einer Pflegeeinrichtung erhielt. „Durch ihre Untätigkeit ist sie in die Pflegestufe drei gerutscht“, sagt die Autorin, die über sich – ebenfalls sehr ehrlich – zugibt: „Bis ich 59 war, habe ich kaum Sport gemacht. Ich wog so viel wie in meiner Schwangerschaft.“

Friedrich wog so viel wie zu Zeiten ihrer Schwangerschaft

Kaum zu glauben, wenn man die zierliche Frau heute sieht. Aufgewachsen ist sie in Dünsen. Als Erwachsene lebte sie in Frankfurt und Köln, wo die studierte Volkswirtin und Psychologin Firmen in Führungsfragen beriet. Damit die beiden Kinder auf dem Land aufwachsen, zog die Alleinerziehende schließlich zurück nach Dünsen.

Getrieben vom schlechten Zustand ihrer Mutter ging Friedrich mit sich hart ins Gericht. „Sport ist doof und ich bin zu alt“, fasst sie ihre damalige Einstellung zusammen. Sie sei ein Couch-Potato gewesen. „Die meisten Sportbücher werden von Leuten geschrieben, die Sport toll finden. Ich sitze am liebsten auf dem Sofa und gucke Serien“, sagt die Autorin über sich.

Aber so wie ihre vor einem Jahr verstorbene Mutter wollte die 63-Jährige auf gar keinen Fall enden. Man müsse sich die Frage stellen: „Will ich alt und fit sterben? Oder alt und krank? Nach 20 Jahren im Pflegeheim.“

Autorin wollte nicht so enden wie ihre Mutter

Also bewegte sich Friedrich – und zwar in das Fitnessstudio „Auszeit“ in Wildeshausen. Sie nahm all ihren Mut zusammen und machte bei einem Sechs-Monats-Programm für einen sogenannten Volks-Triathlon (500 Meter Schwimmen, 20 Kilometer Radfahren und fünf Kilometer Laufen) mit. Später nahm sie in Oldenburg an einem Triathlon mit olympischen Entfernungen (1 500 Meter Schwimmen, 40 Kilometer Radfahren sowie zehn Kilometer Laufen) teil und kam als eine der letzten ins Ziel, was sie aber nicht stört. Man dürfe nicht denken: „Ich bin dann bestimmt die Alte, die alle aufhält.“ So eine Art von Kopfkino sorge dafür, dass alles so bleibt, wie es ist. Inzwischen trainiere sie sechs bis sieben Stunden in der Woche, macht zum Beispiel Stabilisationsübungen.

Das Vorbereiten auf den ersten Triathlon in der Gruppe, also einem sportlichen Umfeld, half der Wildeshauserin, ihre Motivation aufrecht zu erhalten. Aber nicht nur das. Auch der Abschied von vermeintlichen Wahrheiten wie „Man muss sich im Alter schonen“ trug zum Erfolg bei. In ihrem Buch beschreibt Friedrich, wie andere ebenfalls den Weg vom Sofa in ein aktiveres Leben finden können.

„Auszeit“ spielt wichtige Rolle

Dass darin auch die „Auszeit“ vorkommt, hat Geschäftsführer Marcell Görke sehr überrascht. Er habe davon nichts gewusst, sagt er, freut sich aber über die Würdigung. Zwar richte sich das Fitnessstudio an Menschen aller Altersgruppen, aber ältere Semester seien bei ihm schon stärker vertreten als generell in der Branche. Das älteste Mitglied ist laut Görke mehr als 90 Jahre alt. Durch die Corona-Pandemie sei das Bewusstsein für die Gesundheit gestärkt worden, sagt er und berichtet von guten Anmeldezahlen.

Friedrich richtet ihr Buch von der eigenen Situation abgeleitet gezielt an die Menschen, die lange Zeit keinen Sport gemacht haben und schon älter sind. „Wie muss ich mit mir selber umgehen, damit ich aus dem Quark komme“, fasst sie den Inhalt kurz zusammen. Dass sie schreiben kann, hat die 63-Jährige schon bewiesen. Sie verfasste mehrere Fachbücher unter anderem zur Unternehmensführung.

Und wie geht es weiter? Friedrich versucht, ihre Abneigung gegen das Laufen abzulegen. Dafür ist sie jeden Tag auf den Beinen. Nach 90 Tagen werde das zur Gewohnheit, hofft sie. Heute ist Tag 47 – mal schauen, ob die Autorin irgendwann auch von diesem Experiment berichtet.

Das Buch

„Kein Sport ist auch keine Lösung“ ist am 20. September im Düsseldorfer Patmos-Verlag erschienen und kostet 20 Euro. Es ist in jeder gut sortierten Buchhandlung erhältlich.

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