Sprecherwechsel im Landkreisgremium / Mehr Teilhabe per Gesetz

„Brückenbauer“ für Menschen mit Behinderung

Michael Grashorn (r.) löst Ernst-Dieter Hoffhenke ab. Foto: KAB

Wildeshausen – Mit einem neuen Sprecher geht der Behindertenrat des Landkreises Oldenburg ins neue Jahr. Eigentlich hat Michael Grashorn sein Amt bereits seit Juni inne. Doch erst seit Anfang November ist der Huder in Rente und kann sich der Aufgabe ohne weitere Verpflichtungen widmen. Mit Vorgänger Ernst-Dieter Hoffhenke hat er einen „fliegenden Wechsel“ vereinbart.

2020 stehe mit dem neuen Bundesteilhabegesetz ein Systemwechsel in der Behindertenarbeit an, blickt Grashorn auf die anstehende Arbeit. Die Betroffenen sollen künftig mehr Entscheidungen selbst treffen dürfen. „Da gehören viele Brückenbauer dazu“, sagt der 65-Jährige. Als solche versteht er sich und seine Kollegen. Die Vermittlung zwischen Verwaltung und behinderten Menschen, aber auch Lobbyarbeit seien wichtige Aufgaben. Doch einfach sei das nicht: Wie etwa soll eine Person, die nicht in der Lage ist, sich mitzuteilen, andere über ihre Wünsche für ihre Lebensgestaltung informieren? Inzwischen gebe es deutlich mehr technische Möglichkeiten für solche Fälle, berichtet Grashorn, etwa Geräte, die Augenbewegungen in Sprache übersetzen könnten. Doch entscheidend sei geschultes Personal – und auch im Pflegebereich herrsche Fachkräftemangel.

Abgesehen von den Anforderungen, die mit der Umsetzung des Gesetzes einhergehen, hat der neue Sprecher auch eigene Punkte, die er verändern möchte. Zum einen möchte er gern die „überbordende Bürokratie“ eindämmen und zum anderen den Übergang von Schule zu Beruf für Menschen mit Behinderung stärker thematisieren. „Da geht es letztendlich um solidarisches Verhalten“, findet Grashorn. Denn viele Arbeitgeber zögen es derzeit vor, die gesetzlich vorgeschriebene Ausgleichsabgabe zu zahlen, die fällig wird, wenn sie es ablehnen, Beschäftigte mit Einschränkungen einzustellen.

Ihn stört auch, dass viel Zeit für die Dokumentation in der Betreuung verloren gehe. „Ich bin für mehr Bodenkontakt“, sagt der 65-Jährige und meint damit die Suche nach pragmatischen und weniger aufwendigen Lösungen. Denn auch wenn auf Landkreisebene gesetzliche Vorschriften des Bundes natürlich nicht geändert werden könnten, ließe sich doch in der Umsetzung einiges anders gestalten, findet er.

Außerdem plädiert Grashorn dafür, die Besonderheiten des ländlichen Raums stärker in den Blick zu nehmen. Bestimmte Probleme, die dort für Menschen mit Behinderung aufträten, würden leicht übersehen, findet er und nennt zwei Beispiele: Das sei zum einen das immer wiederkehrende Thema nicht funktionierender Aufzüge an Bahnhöfen, etwa in Hude. Ein weiteres Problem sei die Tatsache, dass die Gemeinden zu bestimmten Zeiten ihre Ampelanlagen ausschalteten – denn damit fiele zugleich das Tonsignal weg, das für Personen mit Sehbehinderung besonders wichtig ist. Solche Schwierigkeiten sollen auch beim ersten großen Termin 2020 zur Sprache kommen: dem Treffen des niedersächsischen Inklusionsrats in Oldenburg.

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