Teilnehmerzahl steigt an

„Brücke“- Betreuungsprojekt stellt Jahresbericht vor

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Freuen sich über die erfolgreiche Arbeit im vergangenen Jahr: Sandra Schier (Geschäftsführerin), Joachim Musch und Hannelore Hunter-Roßmann (Vorstand) sowie die Mitarbeiter Peter Faß und Sandra Kuntze (v.l.).

Wildeshausen - Von Lea Oetjen. Werden im Internet bei Google die Worte „Straffällig geworden“ eingegeben, schlägt die Suchmaschine sofort „Straffällig gewordene Flüchtlinge“ vor und serviert mehr als 59.000 Einträge zur Recherche. Es ist ein Thema, das die Gesellschaft scheinbar brennend interessiert. Die Realität sieht jedoch vollkommen anders aus – zumindest in Wildeshausen. Hier müsste Google eigentlich „Straffällig gewordene Deutsche“ vorschlagen.

Im vergangenen Jahr sind zahlreiche Jugendliche aus der Kreisstadt mit dem Gesetz in Konflikt geraten – 80 Prozent davon waren Deutsche. Die Zahlen des Jahresberichtes des „Brücke“-Projektes, der am Donnerstag vorgestellt wurde, sprechen für sich.

Der Verein „Brücke“ beschäftigt sich mit jungen Menschen, die soziale Defizite aufweisen und strafrechtlich auffällig geworden sind. Er begleitet sowie fördert sie sozialpädagogisch mit verschiedenen Angeboten. „Jugendliche, die vor Gericht stehen, können mit einer Betreuungsweisung von drei bis zwölf Monaten an uns verwiesen werden. Wir bieten dann verschiedene Angebote an, um die Betroffenen wieder in die Gesellschaft und in ihren Alltag einzugliedern“, erklärte Anwalt Joachim Musch, der seit 25 Jahren im „Brücke“-Vorstand tätig ist. Das geschieht durch verschiedene Angebote. Es kann zum Beispiel die Holz- und Fahrradgruppe besucht werden, die die Handfertigkeit der Jungen sowie Mädchen schulen soll. Von nun an wird auch die „KurVe“ (Kurzintervention) angeboten, die mehrfache Straftäter ansprechen soll, die Arbeitsweisungen erhalten haben.

Nur sieben Prozent weibliche Teilnehmer

„Die Zahl unserer Teilnehmer steigt, obwohl die Jugendkriminalität im Landkreis Oldenburg sinkt“, so Musch. In den vergangenen Jahren, 2014 bis 2016, hätte das Projekt recht konstant knapp 46 Teilnehmer gehabt. 2017 sei der Verein auf 59 Klienten in Wildeshausen gekommen – nur sieben Prozent davon waren weiblich.

„Wir reden mit den Jugendlichen über ihre Zukunft und ihre Familien. Wir arbeiten ihre Straftat auf. Einmal im Jahr veranstalten wir eine einwöchige Fahrt nach Norderney“, erklärte Mitarbeiterin Sandra Kuntze. Vorort herrsche Handyverbot, sodass die Teilnehmer nicht abgelenkt würden. „Das ist dann so etwas wie die ,Brücke‘ von Alcatraz. Abhauen können die Jungen und Mädchen nämlich nicht“, witzelte Peter Faß, der ebenfalls bei der „Brücke“ in Wildeshausen arbeitet. Gemeinsam mit den Klienten werde Sport getrieben. Es gebe intensive Gespräche. „Das läuft immer sehr ähnlich ab“, meinte Kuntze.

Ähnlich ist bei den Heranwachsenden sonst laut der Statistik sehr wenig. Viele Gemeinsamkeiten teilen sie nicht. Sie sind verschiedenen Alters, leben in unterschiedlichen Verhältnissen und wurden jeweils für andere Straftaten verurteilt.

Teilnehmer im Schnitt 17,7 Jahre alt

Im Schnitt ist ein Teilnehmer des „Brücke“-Projektes 17,7 Jahre alt. Es gibt aber auch Jugendliche, die erst 14 oder schon älter als 21 sind. Auffällig gering ist der Anteil Heranwachsender, die eine Ausbildung absolvieren (nur 18 Prozent). Jedoch ist die Zahl im Vergleich zum Vorjahr (11 Prozent) leicht angestiegen. Dafür ist aber die Zahl derer rückläufig, die einer Arbeit nachgehen oder eine Oberschule besuchen. „Es besteht auf jeden Fall eine Verbindung zwischen Straftaten und dem Bildungsniveau“, betonte Faß. Mit der Nationalität habe Kriminalität dagegen eher weniger zu tun.

Ein aktueller Reiz sind Drogen. „Inzwischen konsumieren sehr viele Jugendliche Rauschmittel“, erklärte Musch. Laut der Statistik wurden sechs Prozent der „Brücke“-Teilnehmer wegen eines Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz verurteilt. Besonders im „Trend“ seien auch Delikte wie Fahren ohne Führerschein (10 Prozent), Diebstahl (10 Prozent) und Körperverletzung (13 Prozent).

„Der Schwerpunkt der Kriminalität verschiebt sich im Landkreis regelmäßig“, weiß Musch. Vor Kurzem habe man sich zum Beispiel um eine Jungengruppe aus Dötlingen kümmern müssen.

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