Gymnasiasten beschäftigen sich mit Mobbing und Sicherheit im Internet

„Bring dich doch um“

Stuhlkreis für mehr Sicherheit im Internet: Die Schüler bewerten mit ihrer Lehrerin Nadine Feldhus-Dierking verschiedene Beispiele von Cyber-Mobbing und ordnen sie auf einer Skala von „Ist mir egal“ bis „Geht gar nicht“ ein. Foto: Bornholt

Wildeshausen - Von Ove Bornholt. Die Zeiten, in denen es nur ein Telefon im Haus gab und Eltern genau wussten, wer ihre Kinder anruft, sind längst vorbei. Inzwischen haben die meisten Jugendlichen ein Smartphone, was allerdings so seine Gefahren birgt, wie sich jetzt beim Medienkompetenztag im Wildeshauser Gymnasium zeigte. Einige Schüler berichteten zum Beispiel, sie seien abends von Unbekannten angerufen worden. Andere erzählten, es gäbe in sozialen Netzwerken im Internet falsche Profile mit Fotos von ihnen. Und ein Schüler sagte, jemand habe in der Umkleidekabine ein Foto geknipst, auf dem wohl unabsichtlich der nackte Hintern eines Jungen erkennbar war. Das Bild sei dann weiterverbreitet worden. „Wir Lehrer sehen oft nur die Spitze des Eisbergs“, weiß Matthias Müller. Der Pädagoge gab mit einem Kollegen vor drei Jahren den Anstoß für einen Medienkompetenztag.

Am Dienstag war es wieder soweit. 25 Schüler der 8c schoben die Tische im Klassenraum an den Rand und bildeten einen Stuhlkreis. In der Mitte befand sich eine Skala von „Ist mir egal“ bis hin zu „Geht gar nicht“. Lehrerin Nadine Feldhus-Dierking verteilte kleine Zettel, auf denen Situationen beschrieben waren, die die 13- bis 14-Jährigen einordnen sollten. „Ich schreibe im Klassenchat, dass ich die Mathearbeit verhauen habe. Daraufhin meint ein Mitschüler: ,Bring dich doch um.‘ Und mehrere andere klicken auf ,Gefällt mir‘.“ Das klingt erst mal nicht so nett, war für die meisten Jugendlichen aber überhaupt kein Problem. Das sei ironisch zu verstehen, klärten sie ihrer Lehrerin auf. Nach dem Motto: „Stell dich nicht so an“ oder „Ist doch gar nicht so schlimm“. Feldhus-Dierking betonte allerdings, „man muss immer im Hinterkopf haben, wie die Leute die Nachricht verstehen“.

Ein anderes Beispiel: „Ein Mitschüler macht heimlich ein Foto von dir in Unterhose in der Umkleidekabine.“ Einige Jungs fanden das gar nicht so schlimm, während die Mädchen überhaupt nicht damit einverstanden waren. „Da hört der Spaß auf“, meinten sie. Eine lebhafte Diskussion entbrannte, bei der es auch darum ging, wer das Bild zu Gesicht bekommt. Das lässt sich allerdings in Zeiten, in der Fotos über das Internet verbreitet werden, nicht mehr kontrollieren.

Feldhus-Dierking hatte noch viel mehr Beispiele parat, in denen immer auch Mobbing Thema war. In den anderen beiden 90-minütigen Unterrichtseinheiten ging es um das häufig verwendete Nachrichtenprogramm „WhatsApp“ und das Nutzungsverhalten allgemein. Letzteres wird in einer anonymen Umfrage erhoben und zu einem späteren Zeitpunkt ausgewertet sowie reflektiert, sagte Müller. Er gehört dem Beratungsteam des Gymnasiums an. Ziel des Medienkompetenztages sei eine Sensibilisierung für die Schwierigkeiten und Gefahren, die sich durch eine unreflektierte Nutzung digitaler Medien beziehungsweise der entsprechenden Plattformen ergeben, heißt es in einer Einschätzung des Teams. Auch das eigene Verhalten soll ins Bewusstsein gerückt und idealerweise kritisch hinterfragt werden.

Dabei ist der Verzicht auf Smartphones für die Lehrer keine Option. Die Verwendung derselben und der mannigfaltig vorhandenen Apps sei für die heutigen Schüler nicht mehr wegzudenken. „Das Smartphone und die Nutzung von Online-Medien sind ein integraler Bestandteil des Alltags geworden.“

Der Medienkompetenztag wurde mit allen Schülern des achten Jahrgangs durchgeführt und soll fortgesetzt werden. Er werde als bereichernd und wichtig empfunden. Daher sei die Veranstaltung inzwischen fester Teil des Präventionskonzepts des Gymnasiums.

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