INTERVIEW Hochzeiten und Konfirmationen in Wildeshausen abgesagt

Für Brautleute eine Tragödie

Geöffnet ist die Kirche noch. Aber gemeinschaftliche Zusammenkünfte gibt es nicht mehr. Foto: dr

Wildeshausen – Die Corona-Pandemie macht auch vor Gotteshäusern und kirchlicher Gemeindearbeit nicht Halt. Bei der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde in Wildeshausen herrscht wie überall in der Stadt Ausnahmezustand, wie der geschäftsführende Pastor Lars Löwensen in einem Interview mit Dierk Rohdenburg berichtet.

Die vergangenen Tage waren sicherlich auch für Ihre die Kirchengemeinde ungewöhnlich und aufreibend. Wie haben die Gemeindemitglieder auf die neue Situation reagiert, dass es keine Gottesdienste und gemeinsame Aktivitäten mehr gibt?

Es gab sehr unterschiedliche Reaktionen in der Gemeinde. Das reichte von Verunsicherung und Sorge bis hin zu großem Verständnis. Es gab alte Menschen, die gesagt haben, dass es so etwas ja nicht mal im Krieg gegeben habe. Aber viele verstehen die Vorkehrungen auch sehr gut. Wir machen uns ja nicht in erster Linie Sorgen um uns selbst, sondern um die, die uns anvertraut sind. Viele unserer Gottesdienstbesucher und Teilnehmer an Gemeindeangeboten gehören schließlich zur Risikogruppe.

In wenigen Tagen feiern die Christen mit Ostern das höchste kirchliche Fest. Dann wird es keine Gottesdienste geben, oder?

Ja, so ist es. Mir blutet das Herz, wenn ich daran denke, dass es keine öffentlichen Gottesdienste geben wird. Wir überlegen derzeit intensiv, wie wir andere Angebote unterbreiten können. Dazu gehört auch die Möglichkeit, über die digitalen Medien zu arbeiten. Die erste Frage, die sich uns dabei schon stellt, ist, wie wir Internet in die Kirche bekommen, um Gottesdienste zu übertragen. Wir werden auf jeden Fall bis Ostern ein Angebot haben. Davon gehen wir aus. Für viele Menschen ist der Sonntagsgottesdienst ein Höhepunkt in der Woche. Denkbar wäre es auch, für Ostern eine Liturgie für zu Hause zu verfassen.

Am Dienstag wurden auch alle Konfirmationsfeiern abgesagt?

Ja, ich habe schon lange nicht mehr so viel telefoniert, wie an diesem Tag. Wir haben mehr als 70 Konfirmanden. Ich war beeindruckt über die Reaktion der Angerufenen. Bei aller Traurigkeit darüber, dass die Feiern verschoben werden müssen, gab es sehr großes Verständnis bei den Betroffenen. Manche waren auch erleichtert darüber, dass sie nun Planungssicherheit haben.

Gibt es bereits Ersatztermine?

Nein, wir können dazu noch nichts sagen. Das werden wir mittelfristig bekannt geben, damit die Familien planen können. Es soll ja ein schönes Fest für alle Beteiligten werden.

Schöne Feste sollen ja auch die Trauungen sein...

Selbstverständlich. Wir hatten bereits die erste Absage. Die Trauungssaison beginnt jetzt ja gerade erst, und wir müssen bis Ende Mai erst mal alles absagen, weil die Leute ein schönes Fest haben wollen. Für die Brautleute ist das natürlich eine Tragödie. Sie haben viel Energie in die Planung gesteckt – und nun muss die Feier womöglich verschoben werden.

Wie gehen Sie in Zeiten des Coronavirus denn mit Beerdigungen um?

Da gibt es klare Regeln. Die Andacht darf nicht in geschlossenen Räumen stattfinden. Zudem ist nur ein sehr enger Familienkreis auf dem Friedhof zugelassen. Das ist tragisch, weil man nicht in der gemeinsamen Trauer einer größeren Gruppe vereint sein kann. Erlaubt sind nur bis zu zehn Personen.

Die Alexanderkirche ist aber noch offen und es gibt Desinfektionsmittel?

Ja, die Kirche ist für Besinnung und Gebete offen, und wir haben vom letzten Gottesdienst am 8. März, dem Vorstellungsgottesdienst der Konfirmanden, noch Desinfektionsmittel.

Können Sie auch etwas Positives aus der Krise ziehen?

Ich hoffe, dass uns diese Ausnahmesituation menschlich mehr zusammenschweißt. Wir spüren, dass viele Selbstverständlichkeiten doch nicht so selbstverständlich sind in unserem Leben. Das ist sicherlich eine wichtige Erkenntnis, und hilft uns vielleicht zu mehr Dankbarkeit, wenn wir diese Krise gemeinsam überwunden haben.

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