Bowlingturnier für Menschen mit Behinderungen: „Auf der Bahn sind alle gleich“

Strike vom Rollstuhl aus

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Dem Ball den richtigen Schwung für einen Strike zu geben, ist für die Rollifahrer kein Problem.

Wildeshausen - Von Anja Nosthoff. Timo ist ein Ass im Bowlen. Er sitzt zwar im Rollstuhl, aber dem Ball den richtigen Schwung zu geben, um am anderen Ende der Bahn die Pins abzuräumen – das ist für ihn kein Problem. Mit einer Serie von Strikes bewies er sein Können auch am Sonnabend während des ersten Bowlingturniers für Menschen mit Behinderungen im Bowlingcenter „KS Bowl Wildeshausen“ im Industriegebiet an der Daimlerstaße 6.

Dass der junge Mann wie seine rund 40 Mitspieler dabei jede Menge Spaß hatte, war nicht zu übersehen. „Hier auf der Bahn sind alle gleich und haben die gleichen Chancen – egal, ob mit oder ohne Behinderung, ob im Rollstuhl oder auf zwei Beinen“, formulierte es Timos Betreuer Jan Drewes. Kein Wunder, dass viele der Teilnehmer am Sonnabend das Bowlen als ihren Lieblingssport oder als eine ihrer Lieblingsaktivitäten bezeichneten.

Alle Spieler kannten sich schon etwas mit dem Bowlingball aus: Regelmäßig mieten die jeweiligen Wohn- und Arbeitsgruppen der Norle (Gesellschaft für Normales Leben) im Wechsel eine Bahn, sodass sich die Gruppenmitglieder im Wettkampf messen können.

„Aber vor allem geht es darum, etwas gemeinsam zu unternehmen, Spaß zu haben und dabei den Zusammenhalt zu stärken“, betont Drewes. Und das geschieht wie von selbst: Groß war am Sonnabend jedes Mal der Jubel der Kollegen, wenn einem Gruppenmitglied ein Strike oder eine besonders hohe Zahl an umgeworfenen Pins gelang. „Klar macht es auch Spaß, sich bei so einem großen Turnier dann mit den anderen Gruppen zu vergleichen“, erklärte Drewes. Mit dabei waren Gruppen aus Vechta, Delmenhorst, Twistringen und Großenkneten.

Am Ende winkten auch ein Pokal, Medaillen und Bowling-Gutscheine als Preise. Jeder erhielt von der Organisatorin und Geschäftsführerin Kathrin Schulz außerdem eine Teilnehmerurkunde. Bevor es soweit war, mussten allerdings erst einmal drei Spiele bewältigt werden. „Wir spielen heute im 8er No-Tap-Modus“, erklärte der Bowlingcenter-Techniker und Bowlingclub-Sportwart Mirko Kolbe, „was bedeutet, dass acht gefallene Pins als Strikes gewertet werden.“ Wer ausschließlich Strikes werfe, könne in einem Durchgang ganze 300 Punkte erlangen. „Das hat hier im Bowlingcenter aber noch niemand geschafft“, gab Kolbe zu. „299 wurden aber tatsächlich schon mal von jemandem erspielt.“

Nach zwei heißen, viel umjubelten, äußerst spaßigen und nicht zuletzt doch auch ziemlich anstrengenden Durchgängen durften sich die Turnierteilnehmer erst einmal eine Pause zur Stärkung gönnen. Pommes zum Sattessen sowie Bratwurst und kalte Getränke ließen die Kräfte im Wurf-arm langsam zurückkehren. Schließlich stand im Anschluss noch der entscheidende letzte Durchgang auf dem Programm.

Einig waren sich jedoch mittags schon alle, dass das entscheidende Motto des Tages unter „Dabeisein ist alles“ zusammengefasst werden könnte.

„Bowlen ist einfach gut – und am meisten Spaß machen die Strikes“, erklärten Linda und Karl-Uwe, die sich aus ihrer Twistringer Wohngruppe kennen. Während Linda außerdem gerne tanzen geht, ist Karl-Uwe, wenn er nicht gerade mit Arbeitskollegen oder Mitbewohnern auf der Bowlingbahn ist, auf dem Fußballfeld zu finden.

Für die Gruppen aus Twistringen und Vechta ist regulär das Bowlingcenter in Vechta erster Anlaufpunkt. „Sehr schade ist, dass sich die Bahnen dort im Obergeschoss befinden und wir jetzt von Seiten des Bowlingcenters aus versicherungstechnischen Gründen den Fahrstuhl nicht mehr benutzen dürfen“, bedauert Drewes. „Unsere Rollifahrer haben also keine Chance mehr, da hochzukommen.“ Mit Timo fährt er daher öfter mal nach Wildeshausen und schließt sich dann einer Norle-Gruppe aus Großenkneten an, die hier regelmäßig Bahnen mietet.

„Das ist natürlich ein Super-Pluspunkt für uns, dass die Bahnen hier komplett ebenerdig liegen“, freut sich Drewes. Auch sonst bietet das „KS Bowl“ Barrierefreiheit: Behindertengerechte Toiletten und ausfahrbare Bahnbegrenzungen sorgten auch am Sonnabend für einen problemlosen und unterhaltsamen Aufenthalt.

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