Erwachsenenbildungsträger fordern mehr Geld für bessere Angebote ein

Blaue Karte für höhere Finanzhilfe

Die Bildungsmanager Antina Peters, Manfred Huisinga, Torsten Timm und Maren Bening (v.l.) mit den Protestpostkarten. Fotos: dr

Wildeshausen – Wer in diesen Tagen ein Angebot der Volkshochschule in Wildeshausen besucht, bekommt die petrolblaue Karte. Das ist kein Platzverweis oder eine Ermahnung, sondern die Aufforderung, zu unterschreiben und damit der Forderung der öffentlich anerkannten Bildungseinrichtungen in Niedersachsen Nachdruck zu verleihen, in Zukunft mehr Geld zu bekommen. Die Karten sollen bis zum 27. Februar die heimischen Landtagsabgeordneten erreichen. Axel Brammer (SPD) sowie Karl-Heinz Bley (CDU) werden damit aufgefordert, im niedersächsischen Landtag für eine Erhöhung der Finanzhilfe für die Erwachsenenbildung auf ein Prozent des Bildungsbudgets zuzustimmen.

„Flächendeckend organisieren wir Angebote zur allgemeinen, kulturellen, politischen sowie beruflichen Bildung. Damit erreichen wir jedes Jahr mehr als 1,4 Millionen Menschen in ganz Niedersachsen“, heißt es in dem Aufruf von zehn Einrichtungen. „Seit mehr als 20 Jahren stagniert die Förderung der Erwachsenenbildung in Niedersachsen durch den Landeshaushalt bei etwa 46 Millionen Euro, nachdem sie Mitte der 1990er-Jahre von etwa 60 Millionen Euro abgesenkt wurde. Das bedeutet eine beträchtliche reale Reduzierung der Landesförderung, die in keiner Weise mehr gestiegene Sach- und vor allem Personalkosten auffangen kann. Schon gar nicht wird ihr Anteil am Bildungsetat des Landes von nur 0,63 Prozent der Bedeutung der Erwachsenenbildung gerecht“, teilen die Initiatoren der Protestkarte mit.

Nach Angaben der Bildungsmanagerin Antina Peters hat die VHS in Wildeshausen 1 000 Karten bestellt und hofft, dass bis Dienstag, 18. Februar, mindestens 700 davon wieder bei den Kursleitungen abgegeben werden. „Wir bündeln sie und geben sie an die Landtagsabgeordneten weiter“, erklärt sie das weitere Verfahren.

„Um den Standard angesichts ständig wachsender gesellschaftlicher Anforderungen zu halten, die Kursangebote weiterzuentwickeln und auszubauen sowie den Sprung in die Digitalisierung zu schaffen, ist eine laufende Anpassung der Grundfinanzierung für die Bildungseinrichtungen vor Ort unbedingt erforderlich“, betont Gerhard Wegner, Vorsitzender des Niedersächsischen Bundes für freie Erwachsenenbildung, die Aktion.

Die Wildeshauser hoffen, dass sie in Zukunft über eine größere Zuwendung verfügen können, um insbesondere auch die Onlineangebote weiter zu stärken. Dazu gehören derzeit schon zwei Kurse von Torsten Timm, die sich mit der Fotobearbeitung und -verwaltung beschäftigen. „Wir benötigen dafür keine Mindestteilnehmerzahl mehr“, so der Dozent und Bildungsmanager. Wer mitmacht, kann sich den gesamten Kurs auf Videos anschauen und sich jederzeit bei Timm melden, wenn er Hilfestellungen benötigt. „Wir vereinbaren dann einen Termin und wir beheben Probleme bei Bedarf mit Kamera und Mikrofon“, berichtet er. Weil ihn das Problem der Teilhabe aller Menschen an VHS-Kursen beschäftigt, sucht er die Kooperation mit weiteren Bildungsträgern. Über die Zusammenarbeit können Interessierte Kurse online belegen, die in Wildeshausen gar nicht in Seminarräumen angeboten werden. Schon jetzt bietet die VHS derartige Excel-Schulungen für Betriebe an. Am 20. April wird es den ersten Kurs „Grundlagen der Fotografie“ in Kooperation mit der VHS in Köln auf Gebärdensprache geben. Auch dort können die Teilnehmer Kontakt zu einem Moderator aufnehmen. „Das alles kostet aber sehr viel Geld“, betont Timm. Mit einer erhöhten Förderung durch das Land könnten die Projekte besser angeschoben werden.  dr

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