Bierselige Pläne, große Gefühle: Speelkoppel begeistert mit spritziger Premiere

Verzwicktes Landleben

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Der junge Tierarzt ist Vera gern behilflich, die sich Sorgen um ihr verletztes Pferd macht.

Wildeshausen - Von Anja Nosthoff. Mit witzigen Dialogen und teils schlüpfrigen Pointen begeisterte die plattdeutsche Theatergruppe des Heimatvereins Düngstrup am Sonnabend während der Premiere ihres neu einstudierten Stücks „Dackschoden“aus der Feder von Norbert Tank. Die gut 150 Theaterbesucher im ausverkauften Saal der Gaststätte Schönherr in Düngstrup kamen voll auf ihre Kosten. Nur selten ließen die Schauspieler um Speelbaas und Regisseur Uwe Meyenburg ihr amüsiertes Publikum in Lachpausen verschnaufen.

Für die Leckermäuler startete der Abend bereits um 19 Uhr mit einem reichhaltigen Schlemmerbüfett. Wer nur das Theater genießen wollte, stieß eine Stunde später dazu.

Pointe auf Pointe folgte in den Dialogen, die durch die plattdeutsche Sprache und das authentische Spiel einen ganz besonderen Charme entfalteten. Spielort war natürlich auf dem Land: Die Bühne verwandelte sich in den Hof von Bauer Hannes (Kurt Hagelmann). Verzwickte Verwicklungen, Liebeleien, Heimlichkeiten und Affären sorgten für ein spannend-lustiges Theatererlebnis.

Für Hannes scheinen in dem Stück nicht gerade rosige Zeiten anzubrechen: Mit dem Hof geht es finanziell mehr und mehr bergab. Und dann nistet sich aus heiterem Himmel auch noch des Bauern arrogante Schwester (Ingrid Sander) samt Tochter Vera (Silke Stolle) bei ihm ein; nach dem Tod ihres Mannes geht sie davon aus, dass ihr Bruder sie mitzuversorgen hat.

Hannes hat jedoch seinerseits schon so seine heimlichen Problemchen. Auch drei uneheliche Kinder muss er versorgen. Knecht Jehann (Dirk Depken) versucht auf seine Art den Hof zu „schmeißen“. Und dann kommt auch noch ein junger Veterinär ins Spiel, der vollstes Verständnis für die Verzweiflung der jungen Vera hat. Die beschwert sich darüber, dass der alte Tierarzt ihrem am Bein verletzten Pferd das Euter eingerieben und der Kuh dafür die Bandage angelegt hat.

Das Großereignis Schützenfest gibt den Ereignissen einen Schub: Vera und der junge Tierarzt entdecken ihre unsterbliche Liebe zueinander, können sich aber nicht entscheiden, ob sie den Abend – wie‘s der Tierarzt im Sinn hat – in weichen Kissen ausklingen lassen, oder ob sie – womit sich Vera schließlich durchsetzt – nicht lieber noch einmal im Stall nach dem kranken Pferd sehen.

Mit jeweils schlechtem Gewissen treffen am Schützenfestmorgen Bauer und Knecht aufeinander. Ersterer offenbart schließlich sein uneheliches Geheimnis, während Jehann noch überlegt, wie er seiner „Braut“ Lena (Ina Depken) ausweichen kann, die dieses Jahr vergebens auf den traditionell romantischen Ausklang des Schützenfestes wartete, da Jehann die Hälfte der Nacht eingesperrt zubringen musste: Er hatte wohl etwas zu sehr für Stimmung sorgen wollen.

In der Not vereint, hecken die beiden einen Plan aus. Doch die vernachlässigte Lena ist nicht zu besänftigen: Jehann bekommt einen Fensterladen vor den Kopf geschlagen – und verliert daraufhin sein Gedächtnis. Ist für den Hof nun noch ein Happy End in Sicht?

„Ganz bestimmt – so kurz vor Weihnachten“, war sich Zuschauerin Renate Hitz während der Pause sicher. Die Wildeshauserin besuchte die Vorstellung gemeinsam mit ihrem Mann und dem befreundeten Ehepaar Meyer. „Die letzten Jahre haben wir die Speelkoppel-Vorstellungen immer verpasst; jetzt sind wir endlich wieder dabei. Das ist immer eine ganz tolle Atmosphäre hier. Wir sind begeistert“, sagten Renate Hitz und Gisela Meyer.

Die Schauspieler brächten die Sprache außerdem sehr gut und verständlich rüber. Das fand sogar der zwölfjährige Lukas Hagelmann, der zu den jüngsten Besuchern des Stücks zählte. „Mein Papa spielt auch mit, aber ich weiß trotzdem noch nicht, wie’s ausgeht“, verriet er in der Pause. Plattdeutsch sprechen könne er selbst „nicht so wirklich, aber verstehen alles sehr gut“, so Lukas, der wie die anderen die bizarr-witzigen Verwicklungen des Stücks gespannt verfolgte.

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