Pestruper Moor und Hunte

Mehrfache Sichtungen: Biber und Fischotter fühlen sich wohl

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Ralf Siemer mit dem „letzten“ Fischotter von Wildeshausen, der 1934 erlegt und danach präpariert wurde.

Wildeshausen - Von Dierk Rohdenburg. 84 Jahre nach dem Tod des „letzten Wildeshauser Fischotters“ können Naturschützer vermelden, dass hier seit Kurzem gleich mehrere Tiere dieser Art mit Nachwuchs ansässig sind.

Entgegen der Befürchtungen nach dem Tod eines Bibers am Oktober 2015 gibt es hier offenbar auch einen weiteren Biber an der Hunte in Busch (Gemeinde Dötlingen) und einen in Westrittrum (Gemeinde Großenkneten). Vor wenigen Wochen wurde zudem mehrmals ein Biber im Pestruper Moor in Wildeshausen glaubhaft gesichtet.

Damit zeigen sich deutliche Erfolge der Renaturierungsbemühungen der Hunte-Wasseracht und des Fischereivereins Wildeshausen. „Wir hoffen natürlich auf eine Vermehrung der Tiere“, sagt Ralf Siemer, Naturschutz- und Umweltbeauftragter des Fischereivereins. Die rund 1500 Mitglieder sind nicht nur daran interessiert, Fische zu angeln, sondern sie zu vermehren, hier heimisch zu machen und die Gewässer so herzurichten, dass viele bedrohte Säugetierarten davon profitieren.

Siemer hat Biber und Fischotter genau im Blick – wenngleich er sie selten zu Gesicht bekommt. Ein zugezogener Biber war viele Jahre lang an der unteren Hunte zwischen der Eisenbahn- und der Autobahnbrücke unterwegs. Schließlich starb das Tier, das ein Gewicht von 30 Kilo und eine Länge von über einem Meter erreicht hatte.

Dieser tote Biber wurde 2015 aus der Hunte gezogen.

In diesem Jahr wurde vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NWLKN) ein Fachbüro beauftragt, landesweit die Bibervorkommen zu kartieren. Damit ist nun ein Tier, das in Busch lebt, aktenkundig. 

Vermutlich ist es nicht das gleiche Exemplar wie das nun im Pestruper Moor gesichtete. Dafür hätte der Biber das Wasserwerk an der Hunte in Zwischenbrücken überwinden müssen, was derzeit noch nicht möglich ist. Die Fischer hoffen aber ebenso wie weitere Naturschutzverbände, dass schon bald auch hier eine Durchlässigkeit der Hunte in der Kreisstadt erreicht werden kann.

Der Fischotter kommt allerdings wohl jetzt schon gut mit den herrschenden Verhältnissen klar. Vor wenigen Tagen hat Ralf Siemers Bruder Tobias ein großes Tier an der Hunte unterhalb der Heembrücke (Kanuanlegestelle) gesichtet. Es gilt als sicher, dass hier mittlerweile mehrere Otterfamilien leben.

Ein Polizist erlegte den Otter mit einem Degen

Im Jahr 1934 hatte die Wildeshauser Zeitung vermeldet, dass der letzte Fischotter sein Leben in der Wittekindstadt lassen musste. An der Uferböschung der Hunte bei der Fleischerei Gebken sei der Otter von einem Polizisten mit dem Degen erstochen worden, hieß es damals.

Der Körper des Tieres wurde übrigens nach Berlin geschickt und dort präpariert. Nun steht das Objekt im Fischerheim am Bauernmarschweg in Wildeshausen.

„Seit 20 Jahren gab es hier immer wieder Durchzügler“, sagt Ralf Siemer über den Fischotter. Ein Tier sei vor einigen Jahren auf der Straße in Aumühle von einem Kraftfahrzeug erfasst und getötet worden. „Dass die Art hier jetzt wieder sesshaft geworden ist, finden wir sehr gut“, so Siemer. „Wenn die Tiere hier bleiben, ist es ein Zeichen dafür, dass genügend Fische da sind.“

Der Fischereiverein bittet um Sichtungs-Meldungen

Siemer freut sich, wenn Bürger Sichtungen von Bibern oder Fischottern melden. „Am besten wären natürlich Videos oder Fotos“, sagt er. Telefonisch erreichbar ist er unter 0162/3409976.

Die Arbeit der Naturschützer wurde vor wenigen Tagen auch vom Radiosender NDR-Info gewürdigt. Es gibt einen Beitrag über die Gewässerschutz-AG mit Grundschulen im Internet. Hier ist der Podcast.

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