Aus dem Gericht: Beziehungsstreit eskaliert

„Kurzschlussreaktion“: Angeklagter legt nach Streit Brand in Garage

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Die Feuerwehr löschte den Brand schnell. 

Das Amtsgericht Wildeshausen hat einen 28-Jährigen am Montag wegen vorsätzlicher Brandstiftung zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt wird. Der geständige Angeklagte hatte eingeräumt, im Sommer 2017 die Doppelgarage am gemeinsam mit seinem Lebensgefährten bewohnten Haus in der Kreisstadt angezündet zu haben, um ihm eins auszuwischen.

Wildeshausen - Der 28-Jährige litt damals unter starken Depressionen, auch weil sein Partner immer wieder handgreiflich geworden sei. „Ich hatte zu viel Angst, um mich von ihm zu trennen“, sagte der Angeklagte. Sein Lebensgefährte habe einen Gummiknüppel hinter der Tür gehabt und die Pflegefamilie des 28-Jährigen bedroht.

Die Lage zwischen den beiden spitzte sich immer weiter zu, und ein paar Tage vor der Tat brannte die Papiermülltonne vorm Haus – wohl, weil noch glimmende Zigaretten hineingeworfen worden waren. Sein Lebensgefährte habe geschockt auf das Feuer reagiert, erinnerte sich der 28-Jährige. Und als es mal wieder zu einem Streit zwischen den beiden gekommen war, griff er zum Feuerzeug. „Es war eine Kurzschlussreaktion“, sagte der Angeklagte. Er habe ein Blatt Papier in Kunststoffreiniger getränkt, es angezündet und beim Holzdach der gemauerten Garage neben dem Wohnhaus deponiert.

Anschließend ging der 28-Jährige wieder zurück ins Gebäude – ungeachtet der Gefahr, dass die Flammen darauf übergreifen könnten. Eine Nachbarin bemerkte den Brand schnell und rief die Feuerwehr, die den Gefahrenherd zügig beseitigte. Die Schäden an der Garage wurden auf rund 2 000 Euro beziffert, weil nur ein Teil des Daches in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Blieb noch die Suche nach der Ursache. Dabei tat sich der Angeklagte mit einer „Räuberpistole“ (O-Ton Richterin) hervor, indem er seine Schwester während der polizeilichen Vernehmung beschuldigte. Die habe ihn mit vorgehaltenem Messer gezwungen, den Brand zu legen. Doch davon rückte der 28-Jährige schnell ab und räumte die Tat gegenüber den Beamten ein.

Überhaupt zeigte sich der Mann vor Gericht sehr reumütig und sprach von einem Fehler. Das wirkte sich strafmindernd aus. Überhaupt hat er kein einfaches Schicksal. Erst wurde er vom Jugendamt wegen Misshandlungen aus seiner Familie geholt, dann starb seine Adoptivmutter an Krebs. Daran ist der 28-Jährige mittlerweile selbst erkrankt. Er hat weder einen Schulabschluss noch einen Beruf erlernt, war mal verheiratet und hatte ein Kind, das aber früh gestorben ist. Und jetzt sitzt der Mann auch noch im Rollstuhl, weil er nach einem Unfall querschnittsgelähmt ist. „Das Pech scheint ihn zu verfolgen“, sagte der Verteidiger.

Allein wegen seiner Krankheitsgeschichte sei nicht zu erwarten, dass sich die Brandstiftung wiederholen könne, waren sich die Prozessbeteiligten einig. Außerdem ist er jetzt wegen seiner Depressionen in Behandlung und wurde medikamentös eingestellt.

Strafverschärfend wirkte sich aus, dass der 28-Jährige bereits zweimal verurteilt wurde – wegen Körperverletzung und des Verbreitens von pornografischen Schriften. Letztendlich folgte das Schöffengericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft und blieb damit drei Monate über der Mindeststrafe für vorsätzliche Brandstiftung. Allerdings muss der Angeklagte den Feuerwehreinsatz und den Brandschaden sowie die Prozesskosten noch bezahlen. Er will jetzt einen Rentenantrag stellen. Das Urteil ist rechtskräftig.

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