Mit den Bewohnern Freude und Leid teilen

Christopher Ahrens macht im Alexanderstift eine Ausbildung zum Altenpfleger

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Christopher Ahrens (links) und sein Kollege Michael Kinzel machen eine Ausbildung zum Altenpfleger im Alexanderstift.

Wildeshausen - Dass er einer Minderheit angehört, stört Christopher Ahrens nicht. Ein Mann in der Altenpflege ist eher die Ausnahme als die Regel. Den Auszubildenden im Alexanderstift in Wildeshausen stört das jedoch nicht – genauso wie die Vorurteile, mit denen er konfrontiert wird.

Um 7 Uhr beginnt die Frühschicht. Dann weckt Ahrens die Bewohner, für die er zuständig ist, hilft ihnen aus dem Bett, unterstützt sie bei der Körperpflege und beim Anziehen. Einer der Senioren hat mehrere gebrochene Wirbel und kann sich nicht komplett waschen. Beim Plaudern über Alltagsdinge reinigt Ahrens ihm mit einem Waschlappen den Rücken, streicht über Muttermale, Unebenheiten, Flecken, Dellen und Beulen, die das Alter mitbringt. Der Mann ist einer der leichteren Fälle. Ein paar Türen weiter liegt ein Bewohner, der nur selten wach ist und sich nur schwer bewegen lässt. Da ist deutlich mehr Körpereinsatz gefragt. Für das morgendliche Waschen benötigt Ahrens so zwischen 20 und 45 Minuten – je nachdem, wie gut der Bewohner mitmachen kann.

„Bei Altenpflege denken immer noch viele vor allem ans Po abwischen“, berichtet er. „Das schreckt ab.“ Zwar habe auch er sich an manche Pflegetätigkeiten im Intimbereich erst gewöhnen müssen, aber gleichzeitig entdeckt, wie viel mehr zu dem Beruf gehört. Das sieht jeder, der Ahrens eine Weile beobachtet: Er ist ständig in Bewegung, seine Hände finden immer etwas zu tun. Tische eindecken, Pflegewagen bestücken, die Spülmaschine einräumen. Dabei wirkt der 30-Jährige trotzdem ruhig, hat alle Bewohner im Blick, findet Zeit für einen kurzen Schnack, eine kurze Berührung, ein Tätscheln auf den Rücken. Dann erinnert er sie daran, ausreichend zu trinken. „Die Bewohner sind von der Hitze geschlaucht“, sagt Ahrens’ Kollege Michael Kinz. Der 20-Jährige ist im dritten Ausbildungsjahr zum Altenpfleger. Während eines Praktikum hat er gemerkt, dass ein Job in dem Bereich zu ihm passt. „Man bekommt viel zurück. Das motiviert jeden Tag.“ Zunächst hat er sich vor seinen Kumpels für seine Arbeit gerechtfertigt. „Das Klischeedenken muss geändert werden“, findet er und verweist auf die Vielfalt des Berufsalltags und eine Professionalität, von der Menschen meist nicht viel mitbekämen.

In seinem Beruf erlebt Christopher Ahrens (links) traurige aber auch sehr viele schöne, unbeschwerte Momente mit den Bewohnern. Manchmal kann er sich vor Lachen kaum halten.

Aber klar ist auch: Es ist ein Beruf mit viel Stress, körperlicher Belastung und einer dafür Bezahlung mit Luft nach oben. Das sorgt für Nachwuchsmangel. „Auf dem freien Markt gibt es keine Fachkräfte mehr“, berichtet Heimleiter Sascha Lücke. Er weiß, dass Schichtdienst, Sterben, Tod und Leid den Job für viele unattraktiv machen und es Vorurteile in der Gesellschaft gibt.

Ahrens ist das egal – was andere denken interessiert ihn nicht: „Ich bin hier, weil es mir Spaß macht und weil ich etwas erreichen will.“ Seine Berufung für diesen Job hat er erst spät entdeckt. Seine vorherige Arbeit als Gärtner habe ihn nicht mehr erfüllt. „Irgendwann war die Erleuchtung da“, erinnert er sich. Die Altenpflege machte ihn neugierig. Was man mitbringen muss? „Teamfähigkeit, Spaß am Umgang mit Menschen und Flxibilität“, zählt er auf. Vor allem aber: Empathie. „Man muss mit den Bewohnern lachen und weinen können.“ Die schönsten Momente im Job seien, wenn die Senioren ihm ihr Vertrauen schenken. Denn viele von seien zunächst zurückhaltend. „Irgendwann fällt dann eine Blockade und sie erzählen und erzählen“, freut sich Ahrens. Dabei bekomme er faszinierende, mitunter auch grausame Geschichten zu hören. Oft werde aber gelacht. „Gerade heute morgen habe ich mich mit einem Bewohner beömmelt ohne Ende.“ 

pp

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