INTERVIEW Uwe Winkler ist Beauftragter für gesunde Schule in Wildeshausen

Bewegung steigert die Konzentration

Bewegungsimpuls im Unterricht: Mit der Aktivität soll die Motivation und Konzentrationsfähigkeit gesteigert werden. Foto: Winkler

Wildeshausen – Uwe Winkler ist Beauftragter des Landes Niedersachsen für das Projekt „Bewegte, gesunde Schule“. Er ist zudem Teamleiter Sport an den Berufsbildenden Schulen (BBS) des Landkreises Oldenburg in Wildeshausen. In einem Interview zieht er eine Bilanz des Projektes, das ein Schuljahr lang lief.

Herr Winkler, seit etwa 20 Jahren gibt es in Niedersachsen das Projekt „Bewegte, gesunde Schule“. Können Sie in wenigen Worten umreißen, was dieses beinhaltet?

Es ist das Anliegen, die Gesundheit aller in der Schule beteiligten Personen nachhaltig zu fördern. Das interdisziplinär aufgestellte Team wird vom Kultusministerium und weiteren Trägern wie der Gemeinde-Unfallversicherung, der Landesvereinigung für Gesundheit und Sozialmedizin sowie diversen Krankenkassen unterstützt. Mithilfe des Programms möchten wir ganzheitliches Lernen fördern, Schulleben gestalten und Schulentwicklung gesundheitsorientiert nachhaltig unterstützen. So begleiten wir die BBS Niedersachsens, um mehr Bewegung und Gesundheit in die schulischen Abläufe zu integrieren, auch, um die Ausbildungs- und Studierfähigkeit der Jugendlichen zu fördern. Aber auch, um alle in der Schule Tätigen zu unterstützen. Wir können als Team von allen Schulen Niedersachsens schnell und kostenfrei angefordert werden, um für mehr Bewegung im Schulalltag zu sorgen.

Warum ist das heute nötig – und war es früher offenbar nicht?

Wenn man sich die veränderte Lebens- und Arbeitswelt der Jugendlichen, aber auch der Erwachsenen betrachtet, so ist diese mittlerweile durch gravierende – insbesondere auch durch technologisch hervorgerufene Veränderungen – gekennzeichnet. Dazu passt der Satz „Sitzen ist das neue Rauchen“. Den daraus entstehenden Problemen wollen wir entgegenwirken!

Unterscheiden sich die Inhalte des Programms für ältere von denen für jüngere Schüler?

Die Beratung für die Schulen ist konzeptionell ähnlich. Für die BBS wird das Programm allerdings spezifisch angepasst. Die berufliche Bildung hat andere Schwerpunkte, die es näher zu beleuchten gilt, um die Ausbildungs- sowie Studierfähigkeit der Jugendlichen zu fördern. Wir informieren Ausbildungsbetriebe, Handwerkskammern, Industrie- und Handelskammern, kommunale Vertreter, Ansprechpartner des lokalen Sportvereins, den Schulvorstand der entsprechenden Schule und selbstverständlich die Erziehungsberechtigten.

Sie haben im vergangenen Schuljahr das Projekt „10 Minuten Bewegungsimpulse im Unterricht“ in Wildeshausen an der BBS im Beruflichen Gymnasium implementiert. Wie groß war die Bereitschaft bei Lehrern und Schülern, dabei mitzumachen?

Die Kollegen kannten die Übungen, die wir einsetzten, teils. Dies hat uns den Einstieg in das Projekt erleichtert, denn der Ansatz für die Übungen ist, dass sie Spaß machen, die tägliche Arbeit erleichtern und damit auch die Gesundheit unterstützen. Für die Schüler waren die Bewegungsimpulse völlig neu. Sie waren motiviert im Unterricht, sich gemeinsam mit Mitschülern zu bewegen und Neues auszuprobieren.

Welche Vorbereitungen waren erforderlich, um erfolgreich arbeiten zu können?

Die Vorbereitungen für die Umsetzung des Projektes waren umfangreich. So mussten Marcus Rieske, Lehrer an den BBS, und ich alle vorliegenden Übungen aufarbeiten und für die Schüler in geeigneter Form visualisieren. Wir hatten uns entschlossen, alle Bewegungseinheiten per Video aufzunehmen und für jeden Wochentag des Schuljahres auf dem Server bereitzustellen, sodass die Schüler diese Übungen selbstständig im Unterricht durchführen konnten. Außerdem musste bei jeder Übung geprüft werden, ob der Unterrichtsraum dafür geeignet war. Zudem mussten die Kollegen darüber informiert werden, dass in ihrem Unterricht der Bewegungsimpuls durchgeführt werden muss.

Nach einem halben Jahr haben Sie eine Zwischenbefragung durchgeführt. Wie waren die Ergebnisse?

Aus den ersten Ergebnissen war ablesbar, dass das Projekt die Schüler motiviert. Insbesondere sozial-kommunikative Aspekte, wie „Ich kann im Unterricht etwas mit Freunden machen“ wurden häufig genannt. Auf der anderen Seite waren die Schüler teils nicht gut vorbereitet, sodass die Qualität der Übungsdurchführung nicht überzeugen konnte. Wir haben daraufhin einen „Laufzettel“ zur Dokumentation bereitgestellt, den die Schüler am Freitag bei mir abgeben mussten. So konnten wir stets feststellen, wo noch Verbesserungspotenzial vorlag.

Das Projekt endete mit dem Schuljahr. Sind Sie zufrieden mit den Resultaten?

Uwe Winkler

Die abschließende Evaluation des Projekts wurde auf Schüler- wie Lehrerseite durchgeführt. Die im Januar erhobenen Zwischen-Erkenntnisse hatten sich auch bis zum Abschluss des Projektes widergespiegelt. Insbesondere die Motivation, die Übungen täglich zu organisieren und auszuführen, wurde von den Schülern bemängelt. Dies spiegelte sich auch in den Aussagen wider, dass die Übungen teils keinen Spaß gemacht haben. Einerseits lag das Problem darin, dass sich die Schüler nicht ausreichend auf die Durchführung vorbereitet hatten, andererseits waren die Schüler aber auch mit der Komplexität überfordert. Auch die Bereitschaft, Verantwortung für den Bewegungsimpuls zu übernehmen, war unterschiedlich ausgeprägt. Von den Lehrern wurde dargelegt, dass die Schüler nach dem Bewegungsimpuls sehr viel aufmerksamer, konzentrierter und motivierter dem Unterricht gefolgt sind. Darüber hinaus hat ein Großteil der beteiligten Lehrer den Bewegungsimpuls als positiv für sich erlebt. Das ist ein wichtiger Aspekt der Evaluation, denn das Konzept nimmt auch die Gesundheit der Lehrer in Augenschein.

Wie sieht ihr Fazit aus?

Wir stellen fest, dass sich Schüler bewegen wollen. Diesem natürlichen Drang trägt das Programm Rechnung. Die Schüler sind aufmerksamer und konzentrierter und auch motivierter für den Unterricht. Aber auch für Lehrer ist der Bewegungsimpuls ein Gewinn. So haben sich nach der Evaluation 20 Kollegen sofort bereit erklärt, sich für eine Fortbildung qualifizieren zu lassen. Hier liegt aber auch das Problem: Im Rahmen finanzieller Möglichkeiten ist es nicht möglich die Lehrer für den Bewegungsimpuls zu qualifizieren.

Wie geht es nun weiter?

Wir wollen das Projekt im Beruflichen Gymnasium fortführen. Um dies zu gewährleisten, müssen die Kollegen qualifiziert werden, sodass wir in Zukunft nicht nur in der Vorstufe, sondern auch in der Qualifikationsphase des Beruflichen Gymnasiums einen Bewegungsimpuls anbieten können. Darüber hinaus ist es durchaus denkbar, dass die Bewegungsimpulse auch in der dualen Ausbildung implementiert werden. Denn Bewegung nützt dem Kopf und der Gesundheit aller am Bildungsprozess beteiligten Personen.  dr

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Gaunerzinken: Mit diesen Geheimcodes verständigen sich Einbrecher

Gaunerzinken: Mit diesen Geheimcodes verständigen sich Einbrecher

Kurdenmilizen setzen Abzug aus Nordsyrien fort

Kurdenmilizen setzen Abzug aus Nordsyrien fort

Neues Gerätehaus: Freiwillige Feuerwehr Waffensen feiert Schlüsselübergabe

Neues Gerätehaus: Freiwillige Feuerwehr Waffensen feiert Schlüsselübergabe

Ruderverein Hoya weiht Hochwasserschutzmauer ein

Ruderverein Hoya weiht Hochwasserschutzmauer ein

Meistgelesene Artikel

Sprinter kracht ins Heck eines Seats

Sprinter kracht ins Heck eines Seats

Rührende Abschiedsszenen nach einem tollen Jubiläumswochenende

Rührende Abschiedsszenen nach einem tollen Jubiläumswochenende

Raten mit den „Roten Socken“

Raten mit den „Roten Socken“

Realschüler sammeln Geld, um Bäume für den Klimaschutz zu pflanzen

Realschüler sammeln Geld, um Bäume für den Klimaschutz zu pflanzen

Kommentare