AUS DEM GERICHT 36 Vollstreckungsverfahren gegen 39-jährigen Wildeshauser

Betrug: Trommelmischer nicht geliefert

Der Betrugsvorwurf wurde vor dem Amtsgericht in Wildeshausen verhandelt.
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Der Betrugsvorwurf wurde vor dem Amtsgericht in Wildeshausen verhandelt.

Wildeshausen – Wegen Betruges wurde ein 39-jähriger Wildeshauser am Freitag vom Amtsgericht Wildeshausen zu einer Geldstrafe von 4 000 Euro verurteilt. Der selbstständige Metallbautechniker hatte im August 2017 11 369,86 Euro für einen von einem kräuterverarbeitenden Betrieb bestellten Trommelmischer kassiert, das Gerät aber nie abgeschickt. Seinen Angaben zufolge, weil ihm Bauteile nicht geliefert worden waren.

Ursprünglich hatte die Staatsanwaltschaft einen gewerbsmäßigen Betrug angeklagt. Dieser Vorwurf ließ sich jedoch im Verlauf der Verhandlung nicht halten, weil weitere aktenkundige Verfehlungen des Wildeshausers erst nach dieser Tat lagen. Da gab es aber wohl einige, denn die Richterin verwies unter anderem auf 36 Vollstreckungsverfahren, die aktuell beim Gericht vorliegen. Zweimal war der Wildeshauser zudem nicht zur Vermögensauskunft gekommen, was jedes Mal einen Haftbefehl nach sich zog. Immerhin wurden die Forderungen danach bezahlt.

Hoher Fehlbetrag auf dem Konto

Dass er ein Betrüger sei, wies der Metallbautechniker weit von sich. Er habe damals nicht in finanziellen Schwierigkeiten gesteckt – auch wenn sich auf seinem Konto ein Fehlbetrag von rund 36 000 Euro angesammelt hatte. „In dem Jahr waren für meine Firma 71 000 Euro Gewinn veranschlagt, für das Folgejahr sogar 78 000 Euro“, erklärte er. Es seien dann jedoch „unerwartete Probleme“ mit Geschäftspartnern im Ausland aufgetreten.

„Die Zeit war extrem. Ich habe schon fast panisch reagiert“, berichtete er. So seien beispielsweise Röstanlagen in Brand geraten, er habe viele Einsätze in Polen gehabt. Zudem seien Teile, die er bestellt habe, nicht geliefert worden, andere Komponenten, die er geliefert habe, seien nicht bezahlt worden.

Angeklagter sieht sich nicht als Betrüger

Mit Betrug habe sein Verhalten aber nichts zu tun. Er habe jedoch „absolut unprofessionell gehandelt“. Dazu gehörte ganz offenbar, dass er nicht nur Rechnungen nicht bezahlte, sondern auch telefonisch und postalisch nicht erreichbar war. „Das war aber kein Kontaktabbruch“, verteidigte sich der 39-Jährige, der sich an viele Anwaltsschreiben nicht erinnern konnte und selbst Vollstreckungsbescheide im gelben Umschlag zunächst zur Seite gelegt haben will. Erschwerend, so der Angeklagte, käme hinzu, dass Anfang des Jahres seine Daten bei einem Einbruch gestohlen worden seien.

Der Wildeshauser gab sich vor Gericht kooperativ. Wenn das rechtssicher erfolge, könne er die 11 369 Euro in der nächsten Woche überweisen. Er habe genügend Geld. „Warum haben Sie das nicht gemacht, nachdem Sie es bei der ersten Verhandlung im vergangenen Jahr schon angekündigt hatten?“, fragte die Richterin, die auf den Wunsch des Verteidigers nicht eingehen wollte, noch mal ein Steuerbüro mit der Klärung der Finanzen zu beauftragen. „Ich brauche keine weiteren Daten mehr“, machte sie deutlich. Der Angeklagte möge ein guter Handwerker sein, seine Büroarbeit habe aber nicht funktioniert.

Während der Verteidiger einen Freispruch forderte, beantragte die Staatsanwältin eine Geldstrafe von 4 050 Euro. Die Richterin entschied sich dann für 4 000 Euro. Der Verurteilte muss die Kosten des Verfahrens tragen und den Schaden ersetzen. Das Urteil ist jedoch noch nicht rechtskräftig.  dr

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