Gespräch mit Egbert Ahlrichs

„Betreuter nicht entmündigt“

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Egbert Ahlrichs vom Betreuungsverein Oldenburg-Land in Wildeshausen.

Wildeshausen - Wenn Menschen ihr eigenes Leben wegen einer Behinderung nicht mehr regeln können, werden oftmals Betreuer bestellt. Wie aber geht so etwas vonstatten, haben diese Menschen dann das komplette Sagen über den Betroffenen?

Wir haben mit dem Geschäftsführer des Betreuungsvereins Oldenburg-Land in Wildeshausen, Egbert Ahlrichs, der selbst auch als Betreuer tätig ist und die Kollegen und Familien berät, gesprochen. Die Fragen stellte Joachim Decker.

Herr Ahlrichs, wie viele Menschen werden im Landkreis betreut?

Ahlrichs: Derzeit sind es hier 3 063 Bürger. Im Bundesdurchschnitt wird von etwa 1,6 bis 1,7 Prozent der Bevölkerung ausgegangen. Im Landkreis liegt diese Zahl etwas höher.

Wann bekommt der Mensch einen Betreuer?

Wenn er aufgrund einer psychischen Erkrankung oder geistigen sowie seelischen Behinderung gehindert ist, sich in einzelnen oder mehreren Rechtsbereichen selbst zu vertreten. Die Bestellung erfolgt über das Amtsgericht.

Muss der Fall von jemandem gemeldet werden?

Ja, es kann auf eigenen Antrag oder auf eine Anregung von außen erfolgen. Das heißt, dass sich auch Familienmitglieder, der behandelnde Arzt oder zum Beispiel Nachbarn dafür einsetzen können. Allerdings sollte dies wirklich nur in begründeten Fällen erfolgen.

Wo muss ich mich melden?

Direkt bei Gericht. Oder Sie können sich ratsuchend an den Betreuungsverein wenden. Ich berate Sie dann, dass bei Gericht eine Betreuung angeregt werden kann. Sobald der Fall dort vorliegt, nimmt er seinen Weg.

Was heißt das?

Zunächst wird Kontakt mit dem Betroffenen aufgenommen. Schließlich muss er die Möglichkeit haben, sich dazu zu äußern. Im zweiten Schritt wird die Betreuungsstelle des Landkreises informiert, die den Sachverhalt ermittelt, um die Notwendigkeit einer Betreuung festzustellen. 

Von dort kommt auch die Aussage, ob ein ehrenamtlicher oder beruflicher Betreuer bestellt werden sollte. Geprüft wird zudem, ob es im Familienkreis Menschen gibt, die das übernehmen könnten. Danach werden die Bereiche empfohlen, für die eine Betreuung nötig ist. Dieser Sachverhalt geht dann wieder zum Gericht.

Wird auch ein Arzt zwischengeschaltet?

Ja, parallel zu diesem Vorgang wird vom Gericht eine ärztliche Stellungnahme angefordert. Wenn dann alles vorliegt, wird nochmals der Betroffene angehört und eine Betreuung eingerichtet.

Welche Rechte hat der Betreuer? Kann er auch über das Vermögen verfügen?

Das hängt zunächst einmal davon ab, für welche Aufgabenbereiche er bestellt wurde. Ganz entscheidend ist jedoch, dass der Betroffene mit der Einrichtung der Betreuung nicht entmündigt ist, wie es früher der Fall war. Vom Grundsatz her bleibt er geschäftsfähig. Es sei denn, es sprechen offensichtliche Anhaltspunkte dagegen. Der Betreuer hat die Angelegenheiten des Betreuten stets so zu besorgen, wie es seinem Wohl entspricht.

Was ist, wenn der Betreuer die Vermögenssorge hat?

Auch dann bleiben die Grundsätze erhalten. Der Betroffene entscheidet auch dann, soweit er es kann, selbst. Der Betreuer muss alles mit ihm abstimmen, sofern das möglich ist.

Was ist aber, wenn der Betroffene dazu nicht mehr in der Lage ist?

Es muss immer zum Wohle des Betreuten gehandelt werden. Beim Vermögen gibt es einen Genehmigungsvorbehalt. So darf der Betreuer zum Beispiel kein Geld in Aktien anlegen oder größere Summen hin- und herbewegen. Ein Konto darf nur nach Absprache mit dem Gericht aufgelöst werden. Ebenso verhält es sich beim Kündigen eines Mietvertrages oder dem Verkauf eines Hauses. Das wird alles genau überprüft.

Können diese Bestimmungen auch umgangen werden, wenn sich der Betreuer bereichern will?

Dafür bedürfte es schon sehr viel krimineller Energie. Es müssten mehrere Stellen mitmachen, um das durchzusetzen. Der Betreute ist durchs Recht geschützt. Bleiben wir mal bei einem eigenen Haus. Ist der Betroffene nun schwerst pflegebedürftig und kann daheim nicht mehr bleiben, hat er dennoch das Recht, zu sagen, dass sein Haus nicht verkauft wird. Vorausgesetzt, er kann es sich wirtschaftlich leisten und die Unterbringung in einer Pflegeeinkünfte zahlen. Es zählt in jedem Fall der natürliche Wille des Menschen, der nicht übergangen werden darf. Das Betreuungsrecht ist so gestrickt, dass stets für den Betroffenen gearbeitet wird.

Welche Betreuer gibt es im Landkreis Oldenburg?

In 50,5 Prozent der Fälle wird die Betreuung von Familienangehörigen übernommen. 13,9 Prozent sind engagierte ehrenamtliche Betreuer und der Rest setzt sich aus Berufsbetreuern zusammen. Diese Leute betreuen zum Teil bis zu 55 Personen. Alle unterliegen natürlich den gleichen rechtlichen Rahmenbedingungen und der Kontrolle des Betreuungsgerichtes.

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