Im Studio der Wildeshauser Künstlerin Silvia Bettin entstehen die Beiträge für die „PS Perlen“

Besucherandrang in digitalem Automuseum

Die Wildeshauser Künstlerin Silvia Bettin (r.) produziert die Filme zusammen mit Norbert Drogies (l.) und Frank Riepe in ihrem Haus.
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Die Wildeshauser Künstlerin Silvia Bettin (r.) produziert die Filme zusammen mit Norbert Drogies (l.) und Frank Riepe in ihrem Haus.

Wildeshausen – Mitunter ist es eine Reise in die eigene Jugend. Hauptdarsteller seines jüngsten Beitrags war ein Ford Transit. „Genau solch ein Modell hatten wir als Bandbus“, erinnert sich Norbert Drogies. Der Grafikdesigner aus Bremen, der in den 70er Jahren mit „Thirty Moon“ die Bühnen rockte, betreibt heute mit der Wildeshauser Künstlerin Silvia Bettin den überaus erfolgreichen Internetauftritt „PS Perlen“.

180 000 Besucher hatte das digitale Automuseum seit seiner Gründung vor einem guten Jahr bereits. Gemeinsam mit Frank Riepe produzieren die beiden die Beiträge in einem kleinen Studio im Atelier der Künstlerin. Durchschnittlich entsteht dort ein rund fünf Minuten langes gut gefilmtes, geschnittenes und vertontes Video pro Woche, in dem das Trio einen Oldtimer zusammen mit seinem Besitzer präsentiert. Die Bandbreite reicht vom Opel Schnell-Lieferwagen aus dem Jahr 1927 bis zum Youngtimer BMW Z1. Eingebettet wird die Vorstellung in einen historischen Rückblick auf das Jahr, in dem das Auto gefertigt wurde. „Die Formensprache der Oldtimer spiegelt sich in der Zeitgeschichte wider“, verdeutlicht Bettin. Es sei etwas Besonderes, die Oldtimer in ihrem geschichtlichen Kontext zu sehen, ergänzt Drogies.

Entstanden war der Gedanke zu dem Internetauftritt im ersten Corona-Lockdown. „Wir wollten die Zeit sinnvoll nutzen“, erzählt Bettin. „Bei uns kommt das Auto in kein reales Museum. Es bleibt beim Besitzer und kann weltweit angeschaut werden.“ Und das absolut kontaktlos.

TV-Sender wollte Rechte abkaufen

Ein Glücksgriff – oder vielmehr künstlerische Genialität – war der Name „PS Perlen“, den sich das Trio sofort schützen ließ. Gerade noch rechtzeitig. Denn wenig später wollte der TV-Sender „Kabel 1“ den Filmproduzenten die Rechte an dem Titel abkaufen. Die Idee hatte Bettin. „Oldtimer sind etwas wertvolles. Mit dem Titel wollten wir noch etwas draufsetzen. Wir machen aus ihnen eine Perle“, erläutert die Künstlerin.

Rund 50 Beiträge sind bislang online zu sehen, darunter Filme über eine Borgward Bankfiliale, einen Chevrolet Confederate 9 sowie einen Opel Kapitän V8 und natürlich deren Eigentümer. Auch einige Wildeshauser PS-Perlen, wie der Adenauer-Mercedes von Martin Reiser und der VW Bulli T2 von Olaf Hoppe befinden sich in der Sammlung. Der neuste Beitrag über einen BMW A4 aus dem Jahr 1932 von Horst Dargel aus Schönebeck in Bremen-Nord geht am morgigen Freitag um 16 Uhr auf Sendung.

Amphicar auf dem Rückweg entdeckt

Grundsätzlich gibt es keine lokale Einschränkung für die Vorstellung von PS-Perlen. „Wir fahren auch weite Strecken für die Filmaufnahmen“, erklärt Drogies. Kürzlich brachte er gleich eine weitere Geschichte von einer Rücktour aus Oelpe mit. Bei einer Pause entdeckte der Grafikdesigner ein Amphicar mit einem Wohnwagen dahinter. Sofort sprach er die Besitzer des extrem seltenen ersten zivilen Amphibienfahrzeugs an, um mit ihnen einen Film zu drehen.

Wenn Drogies sich auf den Weg zu einem Oldtimerbesitzer und seinem Schätzchen macht, hat er weder ein Konzept, noch ein Drehbuch in der Tasche. „Nach gut eineinhalb Stunden haben wir dann einen guten Film“, berichtet er. Genau diese Zwanglosigkeit sei das Erfolgsrezept. „Ich lasse die Besitzer erst einmal erzählen“, verdeutlicht der Bremer. Das nehme bei den meisten die anfängliche Zurückhaltung. Diese Spontanität kombiniert der Grafikdesigner mit seiner Erfahrung als Werbefilmer für die Automobilindustrie. Aktuell warten 15 schon gedrehte Filme auf die Bearbeitung und Veröffentlichung. Damit überbrückt das Trio den Winter, in dem die meisten Oldtimerbesitzer ihre Schätzchen eingemottet haben.

Aufnahmen sind für Oldtimerbesitzer kostenlos

Interessierte finden das virtuelle Automuseum im Internet unter www.ps-perlen.de. Wer sich und sein Schätzchen dort veröffentlichen lassen möchte, erreicht Silvia Bettin telefonisch unter 0162/3478747. Die Aufnahmen sind für die Oldtimerbesitzer kostenlos. Die Künstlerin würde sich ganz besonders über Besitzer eines Citroën 2 CV, einer „Ente“, freuen. „Das war mein erstes Auto“, sagt sie.

Der BMW A4 aus dem Jahr 1932 von Horst Dargel aus Schönebeck ist ab Freitag bei den „PS Perlen“ zu sehen.

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