Besucher der Tagespflege der Diakonie Himmelsthür fertigen Bierflaschenträger

„Männerhandtasche“ von Behinderten hergestellt

Patrick Haffke, Brigitta Hohnholz, Thomas Bannas, Werner Gode, Helga Weller und Eva-Maria Mikat (v.l.) in der Werkstatt.
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Patrick Haffke, Brigitta Hohnholz, Thomas Bannas, Werner Gode, Helga Weller und Eva-Maria Mikat (v.l.) in der Werkstatt.

Wildeshausen - Von Dierk Rohdenburg. Schrauben, Schleifen, Bohren. Die Besucher der Tagespflege der Diakonie Himmelsthür müssen viel üben, um einfache Tätigkeiten sorgfältig auszuführen. Seit wenigen Wochen können die behinderten Frauen und Männer ganz ohne Produktionsdruck Holzbierträger für die Wildeshauser Brauerei Bannas herstellen. Sie haben viel Spaß dabei.

Für den abwechslungsreichen Auftrag waren die guten Kontakte des Wildeshauser Braumeisters Thomas Bannas zum Vorstand des Freundevereins der Diakonie Himmelsthür ausschlaggebend. So entstand ein Konzept, dass es behinderten Menschen unter Anleitung, aber mit einem hohen eigenen Arbeitsanteil ermöglicht, einfache Holzkästen zu fertigen. Seit November wird nun getüftelt, wie die Tätigkeiten ganz individuell ausgeführt werden können.

Treibende Kraft hinter der Produktion ist Helga Weller, Bereichsleiterin Tagesförderung und Vorstandsmitglied des Freundevereins. Ihr Ehemann Horst hat in ehrenamtlicher Arbeit Schablonen entworfen, die den Bauteilen genügend Halt bieten. Er bereitet auch die Hölzer so vor, dass sie anschließend von den Behinderten geschliffen und zusammengebaut werden können.

In der Werkstatt ist Brigitta Hohnholz für die einzelnen Arbeitsschritte zuständig. So schmirgeln, hämmern oder bohren unter anderem Eva-Maria Mikat, Patrick Haffke und Werner Gode mit Handführung und haben dabei Spaß. Vorher gehörten eher Steckspiele, Puzzles und kleine Schreibübungen zu ihren Tätigkeiten.

„Wenn ich jetzt frage, wer in den Wandelgang zum Arbeiten mitkommen möchte, dann melden sich immer einige“, so Hohnholz. Bis zu neun Personen seien bei der Tägerfertigung aktiv. Nach Möglichkeit sollen sie bis zu 80 Prozent der Tätigkeiten selbst durchführen.

Ein wesentlicher Vorteil der Produktion ist, dass die Arbeit in vielen Teilschritten erledigt werden kann. „Wir stehen noch am Anfang“, sagt Bannas, der weder Lohndumping noch hohe Produktzahlen will, sondern Rücksicht auf die individuelle Leistungsfähigkeit der Beschäftigten nimmt. „Das ist eine tolle Form der Integration hier in der Region“, so der Brauer, der das Material zur Verfügung stellt. Mit einem Eisen wird der Name der Brauerei auf die Kästen gebrannt, dazu kommt ein Aufkleber der Tagesförderung.

„Ich hatte schon einige Nachfragen“, erzählt Bannas. Es sei von Kunden der Wunsch geäußert worden, das heimische Bier in einer Geschenkverpackung anzubieten. „Der Träger wird auch gerne im Spaß als ‚Männerhandtasche‘ bezeichnet“, sagt der Brauer. „Damit lassen sich ganz leicht vier Flaschen transportieren. Zudem ist es ein schöner Gruß aus Wildeshausen.“

Hintergrund: Der Träger kann leer oder gefüllt bei der Brauerei erworben weden. Leer kostet er 12,50 Euro. Von jedem verkauften Träger spendet Bannas einen Euro an den Freundeverein der Diakonie Himmelsthür. Die Tagesförderung ist – anders als gemeinnützige Werkstätten – nicht zu Gewinnerwirtschaftung und Produktivität verpflichtet. Aufgrund der schweren Behinderung und des erhöhten Assistenzbedarfs der Beschäftigten besteht nicht das Ziel, sie in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren. Die Tagesförderung darf keinen Gewinn machen.

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