Hinterm Klärwerk: Funde dokumentieren Lebensweise in Wildeshausen

Besiedelung vor 2 000 Jahren

Eigentlich sollte schon alles unter Wasser stehen: In den kommenden Monaten gibt es jedoch archäologische Grabungen in den Marschwiesen.
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Reste der Baggerprospektion: In diesem Bereich wurden im Frühling Scherben entdeckt.

Die Stadt Wildeshausen muss in einem Gebiet, das eigentlich schon lange als Überschwemmungsfläche dienen soll, zunächst archäologische Grabungen beauftragen. An der Stelle befand sich offenbar vor 2000 Jahren eine Siedlung.

  • Im Bereich hinter der Wildeshauser Kläranlage lebten vor 2000 Jahren Menschen.
  • Eine Prospektion förderte zahlreiche Scherben und Spuren von Pfahlbauten zutage.
  • Weitere Grabungen sollen Erkenntnisse über die Menschen geben, die dort gewohnt haben.

Wildeshausen – Das hatte sich die Stadt Wildeshausen eigentlich ganz anders gedacht: Auf einem rund 1,6 Hektar großen Marschwiesengebiet hinter der Kläranlage und in Nähe der Hunte sollten bereits im vergangenen Frühjahr Überschwemmungsflächen für die Hunte ausgekoffert werden. Doch als die Arbeiten bereits im Gange waren, entdeckte eine aufmerksame Bürgerin Scherben im ausgebaggerten Boden.

Das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege sowie die Untere Denkmalschutzbehörde des Landkreises Oldenburg nahmen sich der Sache an, stoppten die Arbeiten und gaben eine Untersuchung in Auftrag. Das Ergebnis: „Man kann hier nicht so einfach ausbaggern“ erklärte Bezirksarchäologin Dr. Jana Esther Fries im Frühsommer. „Hier muss ganz sorgfältig der Oberboden entfernt und anschließend die Befunde dokumentiert werden.“

Wenige Wochen später gab es deshalb auf Kosten der Stadt zunächst eine Baggerprospektion und dann eine erweiterte Untersuchung in drei besonders interessanten Teilbereichen.

Sogar Hausgrundrisse zu erkennen

„Dort wurde viel gefunden“, so Fries. Die ersten Erkenntnisse hätten ergeben, dass sich in dem Gebiet in der Zeit um Christi Geburt ein Haus mit Pfahlgründungen sowie Gruben befunden haben dürfte. „Es sind sogar Hausgrundrisse zu erkennen“, berichtet die Expertin. Dazu kämen jede Menge Scherben aus Keramik, bei denen es sich um Reste von Ess- und Kochgeschirr sowie von Vorratsbehältern handeln dürfte.

Pfahlgründung: Archäologen erkennen die Holzspuren an den Flecken.

Mit diesen Funden war aber auch klar, dass die Stadt eine archäologische Grabung in Auftrag geben muss, die abermals einige Zehntausend Euro kosten und die weiteren Baggerarbeiten verzögern dürfte.

Stadt bereitet Ausschreibung für Grabungen vor

„Wir bereiten gerade die Ausschreibung vor“, erläuterte Stadtpressesprecher Hans Ufferfilge auf Nachfrage. Man habe damit noch keine großen Erfahrungen und müsse zunächst zusammen mit den Archäologen ein Leistungsverzeichnis erstellen. Dann müsse erst einmal eine Fachfirma gefunden werden. „Vielleicht befand sich dort einmal eine ganze Siedlung“, hofft Fries auf weitere „schöne Ergebnisse“, die dokumentiert werden können. Anhand der Grabungen sei es möglich, das erste entworfene Bild zu erweitern und neue Fragen zu beantworten. „Wir erfahren eventuell, ob dort nur kurz oder vielleicht sogar mehrere Jahrhunderte gesiedelt wurde“, so Fries. Möglicherweise könne man auch ermitteln, welche Handwerke dort damals ausgeführt wurden.

Funde für das Urgeschichtliche Zentrum?

Klar ist aber schon jetzt, dass das archäologische Denkmal nach der Auswertung und Sicherung weichen muss. Die Funde hingegen könnten vielleicht später mal im Urgeschichtlichen Zentrum ausgestellt werden.

Die Ausgleichsflächen dienen als Überschwemmungsgebiet für die Hunte und die Marschwiesen. Im Bebauungsplan 19 (Erholungs- und Freizeitzentrum Krandel) waren Areale aufgeschüttet und bebaut worden, für die ein Ersatz geschaffen werden muss.

Eigentlich sollte schon alles unter Wasser stehen: In den kommenden Monaten gibt es jedoch archäologische Grabungen in den Marschwiesen.

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