Heike Czermark seit 1993 im Dienst

Politesse: „Die Beleidigungen gehen oftmals unter die Gürtellinie“

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Als Beweismittel fertigt Heike Czermark Fotos mit dem IPhone, die im Notfall auch für Gericht ausgewertet werden können.

Wildeshausen - Parkplätze direkt in der Wildeshauser Innenstadt sind oft Mangelware. Und wenn einer frei ist, muss denn dann unbedingt ein Parkschein gelöst werden?

Damit genau das in geordneten Bahnen läuft, ist die Politesse Heike Czermark unterwegs, um den ruhenden Verkehr zu kontrollieren und notfalls auch „Knöllchen“ zu verteilen. Wir haben mit ihr gesprochen. Die Fragen stellte Joachim Decker.

Frau Czermark, wie lange sind Sie schon als Politesse tätig?

Heike Czermark: Seit Anfang 1993, ich habe mich damals auf diese Stelle beworben und bin nun dem Fachbereich Bürgerservice, Migration und öffentliche Ordnung angegliedert.

Wie oft sind Sie im Einsatz? Müssen Sie den gesamten Bereich allein abdecken?

Pro Tag bin ich etwa sieben bis acht Stunden unterwegs, um die parkenden Fahrzeuge zu kontrollieren. Mir stehen aber noch zwei 450-Euro-Kräfte zur Seite.

Wo liegen denn vorrangig ihre Einsatzgebiete?

Zunächst im gesamten Stadtgebiet mit den Nebenstraßen. Allerdings kommt es auch vor, dass sich Bürger beschweren, dass in ihrem Wohngebiet alles unerlaubt zugeparkt wird. Das ist zum Beispiel im Bereich des Kindergartens Sternschnuppe an der Heidloge oft der Fall. Natürlich kontrollieren wir dann in diesen Gebieten.

Wie reagieren die Autofahren denn, wenn sie von Ihnen angetroffen werden?

Das ist ganz unterschiedlich, es reicht von lieb und nett bis hin zur totalen Anfeindung.

Wie kann ich das verstehen?

Die Beleidigungen gehen sehr oft weit unter die Gürtellinie. Es war zwar schon immer so, dass sich einige Leute aufgeregt haben, aber mit den Jahren ist es zum Teil extrem schlimm geworden, was den Bürgern da so über die Lippen kommt. Sie müssten doch eigentlich begreifen, dass auch wir nur unseren Job machen. Jeder sollte doch für den anderen Verständnis haben und vernünftig miteinander umgehen. Das ist ein Appell, den ich an dieser Stelle unbedingt einmal loswerden möchte.

Sind es denn eher Frauen oder Männer, die so beleidigend werden?

Das hält sich eher die Waage. Wobei ich sagen muss, dass es oft die Männer sind, die für mein Handeln Verständnis zeigen und einen Sinn darin sehen. Auch das Alter spielt bei dem ausfallenden Verhalten keine Rolle.

Was kostet es mich denn, wenn ich falsch oder ohne Parkschein beziehungsweise -scheibe parke?

Zunächst einmal zehn Euro. Dieser Betrag erhöht sich allerdings im Halbstundentakt bis auf 30 Euro.

Was finde ich denn in einem solchen Fall an meinem Fahrzeug vor, wenn ich falsch geparkt habe? Benötigen Sie auch noch Beweismittel?

Ich hinterlasse an den Autos einen Ausdruck, der von mir vor Ort erstellt wird. Das läuft alles über iPhone und Ausdrucker – die Geräte sind miteinander gekoppelt. Als Beweismittel machen wir Fotos, die dann zur Not auch vor Gericht ausgewertet werden können.

Heißt das, dass es wegen einer solchen Lappalie sogar vor Gericht geht?

Aber ja doch. Ich habe nicht nur einmal als Zeuge vor dem Richter gesessen, weil die Autofahrer einfach nicht gezahlt haben, dann aber doch nicht umhingekommen sind.

Wie ist denn das Prozedere mit dem Bezahlen?

Auf dem Ausdruck, den Sie am Auto finden, steht auch die Bankverbindung der Stadt, die ja für diese Verwarnungen die ausführende Behörde ist. Wird in einem gewissen Zeitraum nicht gezahlt, erhält der Falschparker noch zwei Erinnerungen. Wenn das alles nichts bringt, geht der Vorfall zur Bußgeldstelle des Landkreises. Dann wird die ganze Sache aber auch noch teurer.

Wie sieht es denn mit den Schwerbehinderten-Parkplätzen aus. Werden diese denn stets freigehalten?

Das ist ein ganz heikles Thema, bei dem wir auch kein Pardon kennen. Leider ist es nämlich so, dass diese sehr oft von uneinsichtigen Autofahrern genutzt werden. Die Leute kommen dann in der Tat mit den seltsamsten Ausreden, anstatt auch nur kurz an die behinderten Mitmenschen zu denken. Ich kann dann oft nur noch mit dem Kopf schütteln. So etwas darf einfach nicht sein.

Ist das Verwarngeld fürs Parken auf diesen Flächen höher als das normale?

Ja, das beträgt in diesem Fall 35 Euro. Aber wenn ich ehrlich bin, muss ich sagen, dass dies in meinen Augen noch deutlich erhöht werden sollte. Nur übers Portemonnaie ist einigen Autofahrern beizukommen.

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