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Bekannten fälschlicherweise der Vergewaltigung beschuldigt

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Von: Dierk Rohdenburg

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Weil sie einen Bekannten der Vergewaltigung beschuldigte, muss eine 39-jährige Frau nun zahlen.
Weil sie einen Bekannten der Vergewaltigung beschuldigte, muss eine 39-jährige Frau nun zahlen. © bor

Wildeshausen – Weil sie einen Bekannten fälschlicherweise der Vergewaltigung beschuldigt hatte, wurde eine 39-jährige Frau aus Ganderkesee, die von staatlichen Leistungen lebt, am Donnerstag vor dem Amtsgericht Wildeshausen zu einer Geldstrafe von 500 Euro verurteilt.

Die Frau bereute ihre Tat, gab aber an, dass sie von einem kurzzeitigen Partner massiv zu der Anzeige gedrängt worden sei. Diese Aussage könnte für diesen ebenfalls noch ein gerichtliches Nachspiel haben.

Laut Anklage soll die Frau am 9. Juni 2020 im Polizeikommissariat Wildeshausen angezeigt haben, dass sie am 9. Mai am Rande eines Feldweges von dem Bekannten aus Ganderkesee vergewaltigt wurde.

Es stellte sich im Rahmen der polizeilichen Ermittlungen heraus, dass es diesen Vorfall nie gegeben hatte. Die Frau hatte auf diesem Weg versucht, den sie stalkenden Mann loszuwerden.

Bekannter entwickelte sich zum Stalker

Im Rahmen der Zeugenvernehmung berichtete die Frau, dass sie den Bekannten als Taxifahrer kennengelernt hatte, der ihren Sohn zur Schule brachte. Man habe über Facebook Kontakt gehabt und auch die Telefonnummern ausgetauscht. Während die Frau glaubte, freundschaftlich mit dem Mann zu kommunizieren, gestand er ihr, dass er mehr für sie empfinden würde.

„Ich habe das abgewehrt“, so die 39-Jährige vor Gericht. Wohl vergeblich, denn im Anschluss soll der Mann ihr ständig aufgelauert und sie am Telefon terrorisiert haben.

Die Ehe der Ganderkeseerin ging in die Brüche. Sie lernte einen anderen Mann kennen, der vorgab, sie schützen zu wollen. „Später hat er mich fertiggemacht“, so die Angeklagte. Deshalb sei sie – auch wegen ihrer jahrelangen Depression – in eine geschlossene Einrichtung gekommen. Zuvor aber soll der neue Bekannte sie gedrängt haben, bei der Polizei die Anzeige der Vergewaltigung zu stellen – was sie dann auch gemacht habe.

Richter spricht von gefährlicher Anschuldigung

„Das ist keine Bagatelle. Sie hätten den Mann, der auch Vater eines Kindes ist, damit mehrere Jahre ins Gefängnis bringen können“, kritisierte der Richter, der zudem wissen wollte, warum die Frau vorher keine Anzeige wegen Stalking gestellt hatte. Sie habe nicht die Kraft und nirgendwo Rückhalt gehabt, erklärte die Angeklagte.

Angesichts des Geständnisses und der sozialen Lage der Frau beantragte der Staatsanwalt eine Strafe von 500 Euro. Der Verteidiger wies darauf hin, dass seine Mandantin unter depressiven Störungen leidet und beantragte eine Strafe von 200 Euro. Letztlich stand der Richter auf der Seite der Staatsanwaltschaft. „Der Unrechtsgehalt ihrer Tat ist extrem“, sagt er der Frau. „Sie hätten damit mindestens ein Leben zerstören können“, begründete er sein Urteil. Die 500 Euro seien der Verdienstsituation der Angeklagten angemessen.  

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