Kreis-Umweltausschuss debattiert über die Bekämpfung der Nutria-Gefahr

Bejagen, aber wie?

Lästig: Die heimisch gewordenen Nutrias breiten sich schnell aus. Foto: Kreiszeitung

Landkreis – Possierlich aber gefährlich, und vor allem dort aktiv, wo sie nicht vorkommen sollten: Nutrias. Ursprünglich aus Südamerika nach Europa gebracht, um hier als Pelz- und Fleischlieferant zu dienen, hat sich die „invasive Art“ von einer Plage zu einer nicht zu unterschätzenden Bedrohung für den Hochwasser- und Deichschutz in der Region entwickelt (wir berichteten). Am Dienstagnachmittag hat sich der Umwelt- und Abfallwirtschaftsausschuss des Landkreises Oldenburg ausgiebig mit den Vorkommen und der rasanten Ausbreitung des Nagers in den hiesigen Gewässern beschäftigt. Und obwohl sich die Ausschussmitglieder über die Schädlichkeit des Tieres einig waren, gab es lange Diskussionen darüber, auf welche Art man ihm begegnen sollte.

Enno Kuhlmann – Jagdpächter in Hundsmühlen und Verbandstechniker bei der Hunte-Wasseracht – erläuterte die Situation eingangs ausführlich. Kreisjägermeister Friedrich Hollmann ergänzte seine Aussagen gelegentlich und beantwortete zusätzliche Fragen der Ausschussmitglieder. Kuhlmann berichtete von der konstant stark zunehmenden – zahlenmäßigen wie räumlichen – Ausbreitung des Schädlings. Die Anzahl allein der in Wardenburg erlegten Tiere habe sich binnen drei Jahren von null auf 350 rasant erhöht, so die Verwaltung. Inzwischen werden Nutrias auch schon weiter südlich im Bereich Wildeshausen und sogar Harpstedt gesichtet, sagte Kuhlmann. Die Gefahr: Die Sumpfbiber graben sich bis zu 1,5 Meter in die Uferböschungen und Deiche an Hunte und Lethe hinein und höhlen sie gefährlich aus.

Bislang werden die Nutrias mit Drahtkäfigfallen bejagt, die von der Wasseracht ausgegeben werden. Obwohl in der Anwendung effektiv, hat diese Art der Lebendfalle drei Nachteile: Die Käfige müssen stets von außen verkleidet und von den Jägern mindestens zweimal täglich kontrolliert werden. Geht aber statt des lästigen Nagers etwa ein Fischotter oder Biber in die Falle, kann es sein, dass dieser sich an den Stäben seines Gefängnisses buchstäblich die Zähne ausbeißt. Ein zusätzlicher Fallstrick für den Jäger: Sollte eine solche geschützte Art in der Falle sitzen und sich verletzten, macht sich der Waidmann gegebenenfalls strafbar. Abhilfe in allen Fällen schaffen geschlossene Rohrfallen, die mit einem Funksender versehen sind: Wird ein Tier gefangen, erhält der Jagdpächter eine Nachricht auf sein Handy. Die regelmäßige Kontrolle entfällt somit.

Gleichwohl sind die Kosten für die moderne Falle ungleich höher: 380 Euro statt nur 60 Euro für die simplere Lösung. 60 Drahtfallen hat die Wasseracht von 2017 bis 2018 an die Pächter ausgegeben. Um alle gefährdeten Bereiche abzudecken, schätzte Kuhlmann, werden 100 Fallen benötigt.

Für die Verwaltung war es jedoch wichtig, dass in geschützten Gebieten komplett auf die Drahtfallen verzichtet wird. Das lehnte die CDU-Fraktion ab: Das niedersächsische Recht lasse auch in diesen Ausnahmefällen die simpleren Käfigfallen zu, der Landkreis sollte keinesfalls mehr verlangen. „Ich bin leidenschaftslos, wenn Sie die Jäger schlechterstellen wollen“, konterte Umweltdezernentin Eva-Maria Langfermann trocken. Denn ohne diese Ergänzung agierten die Jäger in einem „rechtsunsicheren Raum“. Das sah dann auch die Mehrheit des Ausschusses so. Abschließend formulierte Reinhold Schütte (Grüne) einen Auftrag für die Verwaltung: Diese soll einen Vorschlag erarbeiten, wie die Hälfte der benötigten Sender-Fallen zu bezuschussen sei, und diesen dann dem Kreis-Ausschuss vorlegen. Der Umwelt-Ausschuss stimmte nach 90-minütiger Debatte geschlossen dafür.  fra

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Norbert Röttgen: "Es geht um Positionierung der CDU"

Norbert Röttgen: "Es geht um Positionierung der CDU"

Biathlon-WM 2020: Die besten Bilder aus Antholz

Biathlon-WM 2020: Die besten Bilder aus Antholz

Die Themen der Reisemesse ITB

Die Themen der Reisemesse ITB

Neue Dokumente: Willkürliche Inhaftierung von Uiguren

Neue Dokumente: Willkürliche Inhaftierung von Uiguren

Meistgelesene Artikel

Soll Harpstedt Stolpersteine bekommen?

Soll Harpstedt Stolpersteine bekommen?

Unheilbar krank: Warum ein Paar nach zehn Jahren Ehe jetzt kirchlich heiratet

Unheilbar krank: Warum ein Paar nach zehn Jahren Ehe jetzt kirchlich heiratet

Wind stößt Lastwagen von Straße - stundenlange Sperrung nötig

Wind stößt Lastwagen von Straße - stundenlange Sperrung nötig

Wenn Natur, Mensch und Tier verschmelzen

Wenn Natur, Mensch und Tier verschmelzen

Kommentare